
Wir saßen im Bus und fuhren vom Kosmodrom Baikonur durch die Steppe Kasachstans zurück nach Kyzylorda. Hier endete der letzte Blogbeitrag über unsere Erlebnisse, weil er zu lang wurde und wir einfach zu viel erlebt haben. Jetzt sind wir schon zwei Länder weiter und holen nach… Es regnete und die Steppe zeigte sich in Novembergrau. Genauso hatte uns Ende April Kasachstan begrüßt. Es wurde Zeit, weiterzuziehen. Wir brachten die beiden Tschechen unserer Gruppe zum Flughafen, den Polen in sein Hotel, die Indonesierin und den einen Amerikaner zum Bahnhof und gingen mit den beiden aus Singapur und dem verbliebenen Amerikaner in ein Café, Zeit totschlagen.

Foto von 2019, als Astana mal kurz Nur Sultan hieß.
Beziehungsweise: ich ließ die anderen Zeit totschlagen und lief zu meinem Friseurtermin, den mir die Übersetzerin schon vereinbart hatte. Für 10€ bekam ich die Haare schön und stieß zum Abendessen wieder zu den vier anderen, bevor wir uns verabschiedeten und mit dem Amerikaner zum Flughafen fuhren. Wir flogen alle nach Astana, allerdings mit zwei verschiedenen Fluglinien quasi hintereinander weg. Der Landeanflug auf Astana im Dunkeln war wunderschön, es war alles prunkvoll beleuchtet. Wir waren in der kurzen Zeit, zu der Astana mal „Nur Sultan“ hieß in Kasachstans Hauptstadt, aber so sehr wie sich Almaty in den letzte Jahren verändert hat, müssen wir da bei Gelegenheit nochmal hin.

In Astana machten wir etwas, das wir noch nie gemacht haben: in ein Flughafenhotel einchecken! Normalerweise ist das in anderen Ländern unverschämt teuer, in Astana kann man für 65€ direkt im nationalen Terminal schlafen, aufs Vorfeld gucken und kostenlos Heißgetränke trinken oder sich zu humanen Preisen Snacks gönnen. „Menschenfreundlich“, nenne ich sowas. Warum abzocken, wenn es auch anders geht?

Am nächsten Morgen liefen wir ganz entspannt zum internationalen Terminal, checkten unser Gepäck ein und genossen den Flughafen bei angenehmen Temperaturen. Als wir das letzte Mal dort waren, war tiefster Winter, draußen minus 14 Grad und drinnen selbst in dickem Wintermantel zu kalt zum Schlafen. Das Flughafenhotel hatten wir uns damals nämlich nicht gegönnt…

Tschüss, Kasachstan!
Wir flogen Air Astana und genossen das wirklich sehr: leckeres vegetarisches Essen, hübsche amenity kits, gutes inflight entertainment, viel zu trinken, viele leckere Snacks, eine moderne Boeing und perfektes Flugwetter entlang unserer Reiseroute. Wir flogen über die weite Steppe und exakt über Mangystau mit den wunderschönen Felsformationen. Wir sahen Aktau von oben und konnten tief in das türkisblaue, glasklare Wasser des Kaspischen Meeres schauen. Wunderschön!

Hallo Kaukasus!
Auf der anderen Seite des Meeres konnten wir sogar das Seamonster, die Lun, aus der Luft erkennen! Ein wahres Monster und wir sind so froh, dass wir es im April geschafft haben, uns das in unseren nur drei Tage Transitvisum durch Russland anzuschauen! Der Kaukasus lag rechts von uns und ich verfolgte auf dem Bildschirm genau, wo wir waren, weil wir die gesamte Strecke schon teilweise mehrmals abgefahren sind. In Aserbaidschan und Georgien bedeuten Namen auf der Landkarte für uns Erlebnisse, Sehenswürdigkeiten und Menschen. „Hallo Ruslan! Hallo Ramis! Hallo Lika! Hallo graue Plüschkatze!“.

Hallo, Bulgarien!
Batumi lag direkt unter uns, bevor wir entlang der türkischen Küste das Südufer des Schwarzen Meeres abflogen und etwas südlich von Varna unsere Wahlheimat wiedersahen. Sechs Monate waren vergangen, seitdem wir am 16.3. mit Hans, unserem 35 Jahre alten Passat, losgefahren sind. Ein schöner Sommer liegt hinter uns, in dem wir viele Orte wiedersehen und drei neue Länder erkunden durften.

Wir haben in der Türkei, Georgien, Armenien, Russland und Kasachstan Orte entdeckt, die bisher nicht auf unserer Route lagen, ein Turkmenistan kennengelernt, das so ganz anders ist als das, was man in der Presse darüber liest und hoffen, dass sich dort die Bestimmungen irgendwann soweit ändern, dass wir ohne Guide reisen dürfen und uns längere Zeit im Land leisten können. Turkmenistan war für uns beide Land Nummer 120 und wir waren acht Tage dort und hatten am Ende das Gefühl, einerseits viel zu viel in der kurzen Zeit erlebt zu haben, aber auch andererseits viel zu viel verpasst zu haben…

Wir sind in Usbekistan für ein paar Tage wieder in unsere alte Wohnung in Taschkent eingezogen, haben Freunde von damals getroffen und ein bisschen geschockt gesehen, wie sehr Disneyland Usbekistan mittlerweile geworden ist. Zugegeben: die Sound & Light Show auf dem Registan in Samarkand hat uns gut gefallen und über das neue vegane Restaurant dort waren wir sehr dankbar. Wir haben immer noch ein Problem mit der zentralasiatischen Küche und je touristischer ein Ort, desto mehr touristentauglicheres Essen gibt es. Und da wir auch Touristen sind, können wir das wirklich wertschätzen.

Und dann kam der Zauber Afghanistans. Seitdem wir 2020 in Usbekistan entlang der Grenze unterwegs waren, hat uns dieses Land gelockt und wir haben wehmütig auf die andere Seite des Amurdaya geschaut. Jetzt fuhren wir über die Brücke und verbrachten fast vier Wochen in einem so märchenhaften Land, das uns so verzaubert hat, dass wir nächstes Jahr wieder hin möchten. Es ist dort so ganz anders, als uns in den Medien erzählt wird und obwohl es teilweise körperlich sehr anstrengend war (über 40°C, extrem lange Fahrtage durch riesige Distanzen, Krankheit, Visastress und eintöniges Essen), tat der Abschied richtig weh. Wir kommen wieder!

Unser drittes neues Land des Sommers war Tadschikistan. Unglaublich spektakuläre Landschaften, unglaublich herzliche Menschen ähnlich wie in Afghanistan und Iran, eine überraschend moderne Hauptstadt und Berge, Berge, Berge! In Tadschikistan sind wir dann mit sechs Jahren Verspätung endlich im Wakhan und auf dem Pamir Highway gefahren. Mit Hans, unserem 35 Jahre alten VW Passat inmitten all der Overlander mit ihren übertriebenen Allrad- und Expeditionsfahrzeugen. Manche haben uns dafür gefeiert und Hans jubelnd angefeuert, andere fanden sich bei unserem Auftauchen in ihren 300.000€ teuren Expeditions-LKW persönlich angegriffen und redeten nicht mit uns. Mit Hans reisen heißt eben auch überall ankommen und damit nicht bei allen gut ankommen. Das war schon 2019 mit unserem VW T4 in Kirgistan nicht anders.

Am Ende des Pamir Highways kamen wir in Osch, Kirgistan an und weil wir vor sieben Jahren schonmal im Land waren, hatten wir wie in Usbekistan den direkten Vergleich: krass, was dort mittlerweile an Tourismus herrscht! Seit der Pandemie boomt es dort mit jährlich jeweils über 45% Wachstum an Touristenzahlen und seitdem kirgisische Fluggesellschaften in die EU fliegen dürfen, wimmelt es nur so vor Europäern, wo früher nur Russen urlaubten. Wie die europäischen Touristenzahlen, so explodierten auch die Preise und wir entschieden: da machen wir nicht mit! Dann doch lieber Touristenmassen in Usbekistan bei fairen Preisen.

Unser Endspurt in Kasachstan war ein bisschen wie „nach Hause kommen“, so oft waren wir schon in Almaty. Diesmal aber zum ersten Mal im Hochsommer und nach sechs Jahren gab es viel Neues zu entdecken, bevor wir unseren treuen Reisebegleiter Hans in Almaty beim Lackierer abgaben. Die Notwendigkeit einer neuen Lackierung war der eigentliche Grund für die Reise. Dass wir noch in Turkmenistan, Afghanistan und Tadschikistan waren, ist nicht unsere Schuld. Hans ist mal wieder ein kleines bisschen vom Weg abgekommen! Das ist uns 2020 bei unserer ersten Reise mit Hans auch schon passiert. Da wollten wir nach Armenien und waren plötzlich im Irak. Der Hans, der kann’s einfach!

Ist Hans das für uns perfekte Reisefahrzeug? Nicht ganz. Er ist auf jeden Fall unglaublich komfortabel wie wenig andere Overlander: als Benziner mit PKW-Luxus rollt er durch die Lande und dank Klimaanlage waren auch 45°C in Afghanistan oder im Irak nur dann schlimm, wenn wir in der Sonne geparkt hatten. Er hat auch die (für uns) übelsten Straßen der Welt (ja, schlimmer als Guinea!) in Turkmenistan vom Gaskrater gen Norden gemeistert und war im Wakhan und auf dem Pamir Highway allen Herausforderungen gewachsen und manchmal sogar schneller als so mancher Overlander mit Einbauküche. Und er ist unvorstellbar billig im Unterhalt. Ein kompletter Satz Extra Load Reifen: 140€. 1x Volltanken: 4€ dank LPG. Reichweite: 1300km. Allerdings ist man, wenn man wie wir gerne im Auto schläft, bei der Stellplatzwahl limitiert. Wir haben 2x auf einem Parkplatz übernachtet und das ist im Kofferraum eines Kombis alles andere als „stealth“. Wären wir mit einem VW-Bus unterwegs gewesen, wir hätten weniger Unterkünfte genutzt. Allerdings ist Hans im Vergleich zu jedem Van oder anderen Overlanding Fahrzeug bei jedem Kilometer so unglaublich billig, dass wir trotz Unterkünften noch günstiger unterwegs waren als die meisten anderen.

Baikonur und das Kosmodrom waren der krönende Abschluss dieses Kapitels. Mittlerweile sind wir, nach einem kurzen Abstecher nach Deutschland, zuhause in Bulgarien und feiern Tag für Tag das göttlich gute Essen, werkeln ein bisschen am Haus, erledigen Behördengänge, Arztbesuche und Papierkram, treffen Freunde und brechen in schon zwei Wochen wieder auf, um das Kapitel „Westküste Afrika“ abzuschließen. Den Winter verbringen wir in Afrika und nächstes Jahr, wenn es in Zentralasien wieder warm genug ist für uns, holen wir Hans in Almaty ab. Wohin wir dann fahren? Das entscheiden wir dann. Wir hoffen, dass sich bis dahin noch ein paar Grenzen öffnen, aber selbst wenn nicht, gibt es tolle Ideen…
Und wenn Ihr eine Idee für den nächsten Sommerurlaub braucht: warum nicht ein Roadtrip durch Kasachstan? Schaut Mal, was es gar nicht weit von Almaty alles gibt! Und das Video ist nur Teil eins davon, nächste Woche seht Ihr mehr:











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