
Wir reisen derzeit (2026) mit unserem achten Satz Carnets in Folge durch die Welt und haben damit schon einiges erlebt und die Kaution immer wieder zurückbekommen. Immer. Trotz zweimaligem Motorschaden, Pandemie und fast jährlichem Einlagern eines Fahrzeuges auf einem Carnet. Wer die Kaution nicht zurückbekommt, hat die Regeln nicht verstanden oder glaubt den Leuten, die weil sie die Regeln nicht verstanden haben, im Internet ihre eigenen Fehler dem ausstellenden Automobilclub oder „dem System“ in die Schuhe schieben. Hat man aber „das System“ erstmal verstanden, versteht man genau diesen ganzen Zirkus um das Reisen ohne Carnet nicht mehr. Damit Ihr versteht, wie es funktioniert (und das tut es wirklich!), gibt es vom ADAC ein „Erklärbär-Video“ und hier unsere persönlichen Erfahrungen.
Was kostet ein Carnet de Passages?
Die tatsächlichen Kosten eines Carnet de Passages (CDP) sind gering und variieren von Automobilclub zu Automobilclub. Wir haben unsere Carnets vom deutschen ADAC und vom bulgarischen UAB ausstellen lassen und die Gebühr war dabei sehr ähnlich: rund 250€ für Automobilclub Mitglieder. Dabei gilt jede Mitgliedschaft in einem beliebigen, der FIA assoziierten Automobilclub weltweit. Derzeit haben wir mit der bulgarischen Mitgliedschaft ein Carnet vom deutschen ADAC zu vergünstigter Gebühr. Es funktioniert also nicht nur in der Theorie. Diese Gebühr sind die einzigen realen Kosten, die Ihr habt.
Wie viel Kaution muss hinterlegt werden?
Das hängt ganz davon ab, welches Fahrzeug Du fährst. Je teurer das Fahrzeug, desto höher die Kaution. Ganz einfach. Der Sinn des Carnets ist ja, dass mit der Kaution die anfallenden Kosten gedeckt werden können, wenn das Fahrzeug aus irgendeinem (dummen) Grund im Reiseland zurückbleibt und dort verzollt werden muss. Je teurer das Fahrzeug, desto höher die Kosten vom Zoll und logischerweise auch die Kaution. Das ist einer von unglaublich vielen Gründen, warum wir mit kleinen, älteren und günstigen Fahrzeugen reisen. Unser Overlander Passat „Hans“ hat einen Wert von großzügig bemessenen 900€. Achtung: manche Automobilclubs verlangen ein unabhängiges Wertgutachten für bestimmte Fahrzeuge. Die Kosten dafür tragt Ihr und Ihr könnt Euch dafür bei all denen bedanken, die in der Vergangenheit bei der Wertangabe ihres Fahrzeuges gelogen haben.
Ein weiterer Faktor für die Höhe der Kaution ist das Reiseland. Es gibt Regionen oder Länder, welche sehr strenge Zollgesetze haben und in denen das Zurücklassen eines Fahrzeuges sehr teuer wird. Logischerweise ist dann auch die für diese Region hinterlegte Kaution höher. Pakistan ist z.B. ei solches Land: dort wird ein Fahrzeug nicht nach dem aktuellen Wert verzollt, sondern nach dem ursprünglichen Neuwert. Unser Passat war 1991 das Feinste vom Feinsten (jemand hat buchstäblich bei allen Ausstattungsvarianten ein Kreuzchen gesetzt) und würde in Pakistan horrende Zollgebühren verursachen. Dementsprechend mussten wir beim ADAC eine vergleichsweise unverhältnismäßige Kaution von 5000€ hinterlegen. Derselbe Passat würde bei einer Reise in den Senegal beim bulgarischen Automobilclub nur 500€ Kaution erfordern. Ein großer Unterschied! Wählt also auch das Reiseland, nicht nur das Reisefahrzeug mit Bedacht!
Der dritte Faktor, der die Höhe der Kaution bestimmt ist der Automobilclub selbst. Manche Automobilclubs verlangen höhere Kautionen als andere. Meist ist das historisch bedingt: wurden in der Vergangenheit viele Fahrzeuge trotz Carnet des ausstellenden Automobilclubs im Reiseland zurückgelassen, hat der ausstellende Club „Minus gemacht“ und muss dem nun durch höhere Kaution vorbeugen. Verlangt Dein Automobilclub eine hohe Kaution, obwohl Du gar nicht in ein „zollteures“ Land wie Pakistan reist und ein altes, günstiges Fahrzeug fährst, dann kannst Du Dich bei all den netten Reisekumpels am Lagerfeuer bedanken, die durch ihr Fehlverhalten dazu geführt haben, dass die Kaution nun so hoch ist.
Wann bekommt man die Kaution zurück?
Sofort. Dann, wenn man das vollständig und richtig ausgefüllte Carnet an den ausstellenden Automobilclub zurückgegeben hat. Beim ADAC bedeutete „sofort“ in der Regel 10 Tage, in Bulgarien bedeutet „sofort“ der nächste Arbeitstag. Bitte behandelt das Carnet wie ein Juwel: geht es verloren, ist die Kaution auch verloren. Dieses „Heftchen“ ist genauso viel wert wie die Kaution, die Ihr dafür hinterlegt habt: in der Regel ein paar tausend Euro. Würdet Ihr einen Diamanten per Briefpost schicken? Sicher nicht. DHL Dokumentenexpress oder Einschreiben mit Unterschrift sind nicht günstig, aber wesentlich billiger, als die Kaution zu verlieren. So mancher Geizkragen hat schon das Carnet für sein 150.000€ teures Expeditionsmobil per Briefpost an den ADAC zurückgeschickt und wirft seitdem dem ADAC vor, die Kaution zu unterschlagen. Einen Beweis, dass das Carnet abgeschickt wurde, gibt es bei Briefpost nämlich nicht…

Muss man das Fahrzeug ins Heimatland zurückbringen?
Nein. Auch, wenn das natürlich die vom ausstellenden Automobilclub bevorzugte Variante ist. Was kaum jemand weiß: es gibt die sogenannte „letzte Seite“. Diese erklärt ganz genau, was man tun muss, um das Carnet ausstempeln zu lassen und die Kaution zurückzubekommen, ohne das Fahrzeug im Heimaland beim Zoll vorzuführen. Haben wir natürlich auch schon gemacht und ja, es funktioniert wirklich, wenn man sich genau an die Regeln hält, die auf der letzten Seite erklärt sind. Das ebenfalls auf der letzten Seite befindliche Formular richtig ausfüllen und abstempeln lassen, das Carnet zum ausstellenden Automobilclub zurückschicken – und die Kaution kommt!
Wo kann man ein Carnet de Passages ausstellen lassen?
Grundsätzlich in dem Land, in dem das Fahrzeug zugelassen ist. Früher hatten wir deutsche Kennzeichen und haben unsere Carnet de Passages beim ADAC ausstellen lassen. Jetzt haben wir bulgarische Kennzeichen und lassen unsere Carnets beim bulgarischen Automobilclub ausstellen. Das ist die grundsätzliche Regel, aber keine Regel ohne Ausnahmen: der ADAC z.B. stellt ein Carnet de Passages auch für Fahrzeuge aus, die kein deutsches Kennzeichen haben. Für Fahrzeuge mit EU-Kennzeichen ohne Aufpreis, für Fahrzeuge mit Kennzeichen aus dem Rest der Welt mit einer zusätzlichen Gebühr von 75€. Wir haben derzeit (2026) für unseren Passat mit bulgarischen Kennzeichen ein deutsches Carnet de Passages vom ADAC zu vergünstigten Konditionen, weil wir im Bulgarien Mitglied im FIA – assoziierten Automobilclub sind. Der Grund für unser deutsches Carnet mit bulgarischem Fahrzeug ist, dass die Bulgaren aufgrund der extrem strengen Zollgesetze in Pakistan keine Carnet de Passages für Reisen nach Pakistan mehr ausstellen. Eine weitere Option für Reisende in ähnlicher Situation (die Bulgaren akzeptieren nämlich nur Fahrzeuge mit bulgarischen Kennzeichen) wäre der tschechische Automobilclub, bei denen auch ausländische Fahrzeuge ein Carnet bekommen. Dort herrscht aber derzeit (3/2026) Aufnahmestopp für Neukunden.
Wie lange ist ein Carnet gültig?
Grundsätzlich ist ein Carnet de Passages ein Jahr, also 12 Monate, gültig. Ab wann diese 12 Monate laufen, entscheidet der ausstellende Automobilclub. Der ADAC ist da wenig flexibel: das Carnet beginnt seine Gültigkeit innerhalb von 30 Tagen nach Ausstellung. Wir haben unser Carnet Anfang März beantragt und es ist schon ab 1.4. gültig, obwohl wir es eigentlich erst Ende Mai bräuchten. Die Bulgaren sind da weitaus flexibler und können innerhalb eines Kalenderjahres vordatieren. Unsere im Februar ausgestellten Carnets sind erst ab Oktober gültig. Der ADAC ist in sofern flexibel, als dass er die Carnets per DHL Dokumentenexpress weltweit versendet, man also während der Reise ein Carnet beantragen und sich nach „Hintertupfistan“ schicken lassen kann. Das macht der bulgarische Club nicht. So hat jeder Automobilclub seine Vor- und Nachteile.
Kann man ein Carnet unterwegs austauschen?
Ja, easy! Wir machen das jedes Jahr. Es gibt zwei Möglichkeiten, das zu tun, je nachdem, wo man sich gerade befindet. Wichtig ist: die Gültigkeitsdauer beider Carnets muss sich etwas überschneiden. Sonst müsst Ihr an einem exakt vorgegebenen Datum an der Grenze erscheinen. Kommt etwas dazwischen (Panne, Krankheit, Wochenende Feiertage, Unwetter,..), seid Ihr ohne gültige Zollpapiere unterwegs und das kann teuer werden.
- Die einfachste Variante ist, dass man die Carnets bei Aus- und Einreise von dem einem in ein anderes Land durchtauscht. Beispiel: Ausreise aus der Republik Kongo mit dem Carnet, das nur noch 2 Wochen Gültigkeit hat und Einreise nach Gabun mit dem Carnet, das noch 11,5 Monate Gültigkeit hat.
- Die zweite Möglichkeit ist, die Carnets bei Zoll selbst durch zu tauschen. Das haben wir in Ghana gemacht und machen es dieses Jahr in der Südafrikanischen Zollunion. Das Prozedere dabei ist in jedem Land, bzw. in jeder Zollunion etwas anders. In der Südafrikanischen Zollunion muss man dazu im Vorfeld einen Antrag stellen und ein bisschen Papierkrieg führen. Weil diese Zollunion aber extrem beliebt ist unter Touristen, gibt es dazu genug Hilfe im Netz und es klingt nur bürokratisch. Und für Deutsche ist Bürokratie ja normal… In Ghana und in vielen weniger bürokratischen Ländern ist das viel schneller und einfacher: man geht zum Hauptzollamt oder einem Zoll Büro an einem Grenzübergang und stempelt dort das „alte“ Carnet aus und das „neue“ Carnet ein. Fertig!
Nachteil: tauscht man Carnets auf diese Art und Weise durch, braucht man zwei Carnets gleichzeitig, die sich zeitlich um rund 2 Wochen überschneiden. Je nach ausstellendem Automobilclub wird dabei für beide Carnets die Kaution fällig – oder nicht. Der ADAC stellt sogenannte „Folgecarnets“ ohne zweite Kaution aus und überschreibt die hinterlegte Kaution von einem auf das nächste Carnet, der bulgarische Automobilclub macht das nicht. Das bedeutet für uns: derzeit haben wir mit drei Fahrzeugen fünf Kautionen hinterlegt, weil wir derzeit fünf Carnets haben: ein deutsches und vier Bulgarische. Weil unsere Fahrzeuge aber klein und billig sind, ist das kein finanzielles Desaster. Bei teuren, großen Fahrzeugen schon. Die Fahrzeugwahl hat einen immensen Anteil an den Reisekosten und somit an der Reisedauer! Überlegt Eure Fahrzeugwahl daher gut…

Kann man ein Carnet de Passage verlängern?
Das kommt darauf an. Und zwar auf den ausstellenden Automobilclub und das Reiseland, in dem sich das Fahrzeug befindet, wenn das Carnet ausläuft. Grundsätzlich lohnt sich eine Verlängerung immer dann, wenn das Carnet im Anschluss keine vollen 12 Monate mehr gültig sein soll und/oder wenn die Versandkosten eines neuen Carnets unverhältnismäßig wären. Wir haben unsere Carnets im Iran verlängert, weil aufgrund der Sanktionen kein DHL Dokumentenversand möglich war und wir auch nur noch drei weitere Monate Gültigkeit brauchten. Grundsätzlich müssen zur Verlängerung eines Carnets folgende Rahmenbedingungen stimmen:
- der ausstellende Automobilclub bietet diesen Service an und
- im Reiseland gibt es einen FIA – assoziierten Automobilclub,
- welcher ebenfalls eine Verlängerung unterstützt.
Diese Rahmenbedingungen sind im Iran und mit dem ADAC gegeben, weswegen wir unsere Carnets dort verlängern konnten (Wie genau, lest Ihr weiter unten). In Westafrika jedoch gibt es keinen FIA – assoziierten Automobilclub (außer in Angola, aber Angola arbeitet nicht mit Carnets), sodass es entlang der Westroute Afrikas unmöglich ist, Carnets zu verlängern. Manche Automobilclubs (z.B. die Bulgaren) sind zwar FIA – assoziiert, stellen aber grundsätzlich keiner Verlängerungen aus. Je nach Automobilclub und Reiseland kann man also bei Reisen von mehr als 12 Monaten entweder die Carnets von einen zum anderen Land durchtauschen, im Land selbst beim Zoll tauschen oder mit den Automobilclubs verlängern. Eine der drei Möglichkeiten geht immer! Wir reisen derzeit seit 4 Jahren kontinuierlich mit zwei Fahrzeugen mit gültigen Carnet de Passages.

Auch beim Transport spart ein kleines Fahrzeug Kosten.
Was macht man, wenn das Fahrzeug im Reiseland kaputt geht?
Hatten wir schon zwei Mal. Motorschaden im Iran und Motorschaden in Kamerun. Was man dann macht? Es gibt vier mögliche Szenarien:
- Wenn möglich, reparieren. Aufgrund der Sanktionen gegen den Iran war es damals nicht möglich, Ersatzteile für die Reparatur in den Iran schicken zu lassen. Deswegen haben wir die DR350 mit Motorschaden auf einen Pickup / LKW / Lieferwagen geladen und zur Grenze gebracht. Ich habe das Motorrad dann über die Grenze aus dem Iran nach Armenien geschoben, das Carnet ausstempeln lassen (siehe unten) und die Kaution vollumfänglich binnen 10 Tagen zurückbekommen. In Kamerun ist der Zoll so korrupt, dass ein Ersatzteilversand per Post noch Kamerun zu wahrscheinlich hohen Kosten durch Korruption geführt hätte. In dem Fall sind wir zurück nach Bulgarien geflogen und haben die Ersatzteile aus Thailand zuhause verzollt. Ohne Korruption und bequem online.
- Verschrotten und verzollen. Ist eine Reparatur nicht möglich, weil das Fahrzeug irreparabel beschädigt wurde und es zurückgelassen werden muss, werden Zollgebühren fällig. Wie hoch, das hängt vom jeweiligen Land ab. Kleines Beispiel aus der Praxis: für unseren, damals 2500€ „wertvollen“ VW T4 „Kittymobil“ wären rund 4500€ fällig gewesen, wenn wir den Bus nicht rechtzeitig aus der eurasischen Zollunion herausgeholt hätten. Es war Pandemie und der Zoll stellte uns vor eine große logistische Hürde, die wir angesichts der Kosten aber gemeistert haben. Kasachstan berechnet nämlich nicht nur Zollgebühren, sondern auch Umweltabgaben: je älter das Fahrzeug, desto teurer. Und „Kittymobil“ war damals 25 Jahre alt… Je teurer das Fahrzeug, desto höher die Zollgebühren, auch klar, oder?
- Vor Ort lassen und verkaufen. Kann man auch machen, wenn das Fahrzeug nicht kaputt ist. Egal, ob kaputt oder nicht: in diesem Fall werden Zollgebühren (und sonstige Abgaben, wie z.B. Umweltgebühren) fällig. Diese Gebühren kann man entweder einpreisen und dem Käufer aufhalsen und damit das Fahrzeug deutlich unter Wert verkaufen oder man verzollt fas Fahrzeug und zahlt alle Gebühren und trägt die Kosten selbst. Bei beiden Varianten kann man sich ausrechnen: nicht sinnvoll. Was wäre dann mit…
- Fahrzeug stehen lassen und abhauen? Kann man machen, wird aber teuer. Denn die Zollgebühren fallen ja trotzdem an. Ob man davor flüchtet, oder nicht. Und genau für diesen Fall hat man die Kaution hinterlegt: der ausstellende Automobilclub begleicht in genau diesem Fall nämlich die anfallenden Gebühren mit der Kaution, die es dann nicht zurückgibt. Das sind dann die ganzen negativen „Erfahrungen“ von „Abzocke“, die man im Internet liest. Zusätzlich kann das Reiseland dann auch noch eine Einreisesperre für den Fahrzeughalter auferlegen. Wäre auch doof. Man weiß ja nie, ob man in X Jahren nicht vielleicht doch mal auf der Durchreise vorbei kommt. Meinungen ändern sich, Einreiseverbote bleiben.
In welchen Ländern braucht man ein Carnet de Passages?
In den meisten Ländern Afrikas und in vielen Ländern Asiens ist eine Einreise mit dem Fahrzeug ohne Carnet de Passages entweder unmöglich oder teuer. Kleines Rechenbeispiel: die Einreise in den Senegal kostet mit einem Fahrzeug, das älter als 8 Jahre ist, pauschal 250€. Und dann muss man in 10 Tagen das Land wieder verlassen haben oder kann kostenpflichtig für weitere 10 Tage verlängern. Schnell mal nachrechnen? Die Ausstellung eines Carnets beim ADAC kostet 250€. Und man kann solange wie das Carnet gültig ist im Land bleiben. Ohne Carnet schlichtweg unmöglich und ab Tag 11 teurer. Nächstes Beispiel: Ghana. Man kann ohne Carnet einreisen, bekommt aber für rund 500€ einen GPS Tracker ans Fahrzeug geheftet und muss das Land in wenigen Stunden durchqueren. 500€ für ein paar Stunden statt 250€ für (fast) unbegrenzte Dauer. Kann man machen, sorgt auch jedes Mal für helle Aufregung unter „Carnet-Verweigerern“, die allesamt nicht rechnen können. Noch ein Bespiel gefällig? Iran. Dort kann man über Fixer (die beide „Hossein“ heißen) auch ohne Carnet einreisen, ABER die Kosten dafür belaufen sich auf 300-700€ (je nach Fahrzeug und Dauer) und man ist streng auf den zuvor festgelegten Grenzübergang bei der Ausreise und die vorher bestimmte Aufenthaltsdauer beschränkt. Man zahlt auch dort mehr Geld für wenig Flexibilität. Warum solle man sich all das antun, wenn man auch einfach mit Carnet reisen kann?

In welchen Ländern sind Carnet de Passages nicht gültig?
Das ändert sich ständig und jeder Automobilclub macht eigene Regeln. Wie bereits erwähnt, stellt der bulgarische Automobilclub derzeit (2026) keine Carnets für Pakistan aus, der ADAC schon. Früher gab es beim ADAC ein Carnet für den Iran, aktuell (2026) gerade nicht. Der bulgarische Club stellt ein Carnet für Ägypten aus, verlangt dafür aber eine Zusatzgebühr, der ADAC bietet 2026 Ägypten grundsätzlich nicht an. Hintergrund ist wohl, dass Ägypten zu den Ländern mit strengen (teuren) Zollgesetzen gehört und das zu hoher Kaution führt, die sich viele Reisende „sparen“ wollten und mit gefälschten Carnets bei der Einreise nach Ägypten erwischt wurden. Auch hier könnt Ihr Euch also bei den „lieben Vorweg-Reisenden“ bedanken, die durch ihr Fehlverhalten heutigen Reisenden das Leben schwer gemacht haben.
Weil jeder ausstellende Club das anders handhabt, unterscheidet sich die Rückseite des Carnets von Club zu Club. Die Bulgaren haben die Länder, die zwar der Zollvereinigung der „Carnet-Länder“ beigetreten sind, in denen das Carnet laut Clubregeln aber nicht gültig ist, dick und rot markiert. Der ADAC streicht die Länder je nach aktueller Situation handschriftlich durch und setzt einen zusätzlichen Stempel darunter. In welchen Ländern ein Carnet de Passages nicht gültig ist, hängt also in erster Linie vom ausstellenden Automobilclub ab und ist der Grund, warum wir derzeit Carnets von zwei verschiedenen Clubs haben.

Wie funktioniert ein Carnet de Passages?
Wie ein Reisepass: bei Einreise einstempeln, bei Ausreise ausstempeln. Fertig. Jedes Land eine neue Seite. Mehr ist es nicht, aber im Internet wird genau das oft zur hochkomplizierten bürokratischen Aufgabe hochstilisiert. In der Regel von Leuten, die noch nie ein Carnet benutzt haben. Wie immer. Dabei ist es so einfach: jede Seite hat drei Abschnitte, die sogar schon perforiert sind. Bei der Einreise in ein Land wird der obere Abschnitt links ausgefüllt und gestempelt, zusätzlich der untere Abschnitt. Der untere Abschnitt wird dann abgerissen und verbleibt beim Zoll am Grenzübergang. Bei der Ausreise wird dann der rechte Teil des oberen Abschnitts ausgefüllt und abgestempelt und der mittlere Teil abgerissen, welcher ausgefüllt und abgestempelt an der Grenze verbleibt. Im Carnet selbst bleibt dann nur noch der obere „Schnipsel“ auf dem rechts und links bei Ein- und Ausreise ein Stempel ist. Fertig!
Wann muss ich das Carnet de Passages zurückgeben?
In der Regel binnen 90 Tagen nach Ablauf des Carnets. Aber auch da kann jeder Automobilclub seine eigenen Regeln machen, die meist von der Buchhaltung bestimmt werden. Fragt genau nach! Wird ein Carnet nämlich nicht innerhalb dieser Frist abgegeben, wird es beim Automobilclub als „verloren“ gebucht und Eure Kaution ist futsch. Das ist dann natürlich Eure Schuld, aber im Internet würdet Ihr das nie zugeben – und schon ist ein neuer „Beweis erbracht“, dass Carnets „nur Abzocke“ seien und man die Kaution „sowieso nicht“ zurückbekommt. Natürlich ist der Automobilclub schuld, wenn der Reisende trödelt und schlampt, richtig?
Was ist der Vorteil vom Carnet de Passages?
Es schont Nerven und Geldbeutel. Wenn Ihr bis hier gelesen habt, sollte das klar geworden sein. Die Einreise ohne Carnet ist in viele Länder natürlich auch möglich, aber Ihr müsst Euch aufwändig und zeitintensiv jedes Mal temporäre Zollpapiere ausstellen lassen. Das ist oft mit Kosten verbunden und beschneidet in jedem Fall Eure Flexibilität. Und manche Reiserouten („Hippie Trail“, Westküste Afrikas, Ostafrika, Südliches Afrika) sind ohne Carnet schlichtweg unmöglich oder sehr teuer und sehr kompliziert. Aber das merkt man erst, wenn man ohne Carnet an der Grenze zu Kenia oder Senegal oder Iran steht.
Wenn Ihr noch weitere Fragen ums heiß diskutierte Carnet de Passages habt, schreibt uns gerne an. Wir reisen seit 2008 mit Carnet de Passages und haben (wahrscheinlich) schon jede Situation damit erlebt – und gemeistert. Der folgende Abschnitt ist für alle, die beim ADAC ein Carnet de Passages haben ausstellen lassen und es unterwegs verlängern lassen möchten. Wir beschreiben darin, wie es für uns mit dem ADAC geklappt hat – und was der gängige Weg ist, um auch bei anderen FIA-assoziierten Automobilclubs das Carnet verlängern zu lassen:

Carnet de Passage verlängern lassen (ADAC)
Wer sein neues Carnet de Passages kürzer als 12 Monate nutzen wird, spart mit einer Verlängerung im Gegensatz zur Neuausstellung Geld. Und selbst bei 12 Monaten Nutzungsdauer spart man den teuren Dokumentenversand. Der normale Ablauf ist:
- dass man beim ausstellenden Automobilclub (bei uns war das der ADAC), um eine Verlängerung und den „letter of obligation“ bittet.
- Hat der ausstellende Automobilclub nichts dagegen, geht ein offizielles Schreiben („letter of obligation“) an den zuständigen Automobilclub des gastgebenden Landes mit der Bitte um Bearbeitung vor Ort.
- Stimmt auch vor Ort alles, wird das Carnet de Passage im Reiseland selbst beim zuständigen Automobilclub der Hauptstadt verlängert. Bei uns war das der ADAC in Deutschland und der TACI im Iran.
- Damit der ADAC den „letter of obligation“ schickt, muss man schriftlich erläutern, warum man das Carnet de Passage verlängern möchte und das mit harten Fakten „garnieren“, zum Beispiel Kopien von Visa der Weiterreise und deren Fristen etc.
- Gut zu wissen: allein das Gastgeberland (bzw. deren Automobilclub) trägt die Entscheidung über die Verlängerung, nicht der ausstellende Automobilclub! Und da war bei uns im Iran der TACI vom ersten Kontakt an einfach nur entgegenkommend. So, wie man dort immer mit Ausländern umgeht; „Welcome to Iran!“
Also: theoretisch alles ganz einfach und unkompliziert und in jedem Fall billiger als ein neues Carnet. Wir sind sicher: 95% aller Reisenden können so einfach ihr Carnet de Passage verlängern wie andere ihre Pauschalreise online buchen.
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