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Werkstatt
Wer sich nicht auf Werkstätten verlassen möchte oder kann, weil er/sie Werkstätten grundsätzlich nicht traut oder in Gegenden unterwegs ist, in denen es zwar Werkstätten, aber kein Know-How gibt, muss alles selbst dabei haben. Werkzeug und Ersatzteile. Hier findet Ihr die Übersicht dessen, was wir im Gepäck haben, um jederzeit, egal wo, egal was, reparieren zu können. Mit dem Werkzeug hat Jan sogar in Kamerun den Motor der CRF300L komplett neu aufgebaut! Unsere „Bordwerkstatt“ besteht aus:
- Allgemeine Werkzeuge
- Allgemeine Ersatzteile
- KTM-spezifisches Werkzeug & Teile
- HONDA CRF 300L Werkzeug und Teile
Wir haben eine „mobile Werkstatt“ an Bord, mit der wir vom Reifenwechsel bis Motorschaden alles selbst reparieren können. Und doch schleppen wir keinen unnötigen Kram mit, wie Ihr zweifelsfrei an der Größe unseres Gepäcks erkennen könnt. Bloß: wo haben wir die ganze Werkstatt versteckt? Wer sich „Kalle“, die EXC500 auf den Bildern genauer angesehen hat, wird die schwarzen Canvastaschen und die Werkzeugbox am Motorschutz entdeckt haben. Silke hat den Großteil ihrer Werkstatt in einem großen „Metallrohr“, das wie ein zweiter Endtopf am Heck ihrer Honda CRF300L befestigt ist. Was weder in die Werkzeugtaschen am Tank noch in das Rohr passt, fährt in den Gepäcktaschen mit. Da wir die nachts am Motorrad lassen und nur die Gepäckrolle mit ins Zelt oder Zimmer nehmen, müssen wir auch nicht jeden Tag das Gewicht herumschleppen. Wir teilen natürlich das allgemeine Werkzeug, aber jeder hat eigenes, motorradspezifisches Werkzeug und seine eigenen Ersatzteile. Wir zeigen Euch genau, was!

1. Allgemeine Werkzeuge:
Wenn Ihr damit nicht selbst arbeiten könnt, solltet Ihr Euch das zumindest mal auf YouTube anschauen, damit Ihr eine grobe Vorstellung davon habt. Helfer findet man weltweit, nur die Teile und Werkzeuge nicht. Aber die habt Ihr ja im Gepäck, oder? 🙂 Je sauberer und sortierter Eure Werkstatt, desto besser! Hierfür findet man in der Tupperabteilung im Supermarkt viele kleine Döschen, in denen alles verstaut werden kann oder gepolsterte Schulmäppchen aus der Schreibwarenhandlung. Weil weder das SW-Motech Werkzeugfach am Motorschutz der KTM noch die BW-Kampftaschen wasserdicht sind, ist bei uns alles (auch das bei Silke im wasserdichten Werkzeugfach Verstaute!) in Ziplockbeuteln verpackt und mit durchsichtigem Paketklebeband geschützt. So kann auch mal etwas auslaufen, ohne den Rest zu versauen und alles wird vor „Rappelschäden“ und Wasser geschützt.
Da wir davon ausgehen, dass Ihr noch nicht losgefahren seid und alles noch daheim kaufen oder bestellen könnt, haben wir Euch alle Teile, soweit möglich, mit Amazon- Links (Affiliate) versehen. Weil wir in den vergangenen acht Jahren unterwegs natürlich Produkte nachgekauft haben, ist manchmal das „Original“ verlinkt und nicht der asiatische oder afrikanische Nachkauf-Artikel vom Foto. In dem Fall ist der verlinkte Artikel unsere Empfehlung und nicht das abgebildete Produkt.

Der kleine Knarrenkasten kann (fast) alles wie ein Großer! Er ist nun schon zum 2. Mal auf Motorradweltreise und wir finden, dafür hat er sich sehr gut gehalten! Weil die inkludierte Verlängerung nicht lang genug für alle Anwendungen ist und noch ein paar Bits gefehlt haben, haben wir die einzeln dazugekauft. Schaut Euch vor Abfahrt genau an, welche Größen / Schlüsselweiten Ihr braucht: Torx oder Inbus? Vielleicht lassen sich auch unübliche Maße austauschen? Silkes Yamaha WR250F hatte alle Schrauben mit 10er Sechskant. Dafür saß sie mal einen Nachmittag mühsam am Motorrad, spart aber immens an Werkzeug! Nur so als Idee aus dem Rallyesport…

Um eine große Ratsche zu sparen, haben wir nur die Nüsse und Bits samt Verlängerung und Adapter dabei. Da wir das Meiste mit der kleinen Knarre machen, reicht für den Rest der Fälle dieses Setup in Kombination mit einem langen „Knebel„, der dann auch gröbere Aufgaben löst, für die die kleine Ratsche zu filigran ist.

Hier seht Ihr den Knebel unten im Bild. Weitere „Großwerkzeuge“ sind ein Hammer (auch super zum Einschlagen von Zeitherigen!). Wo man einen Hammer braucht, ist Kraft gefragt, deswegen macht da ein „Hämmerchen“ keinen Sinn. Die Metallfeile ist, zugegeben, ein wenig überdimensioniert. Eine kleinere Feile täte es auch. Aber die war halt da – und warum immer alles neu kaufen, wenn man nicht muss? Okay, auch wir können definitiv noch mehr Gepäckvolumen sparen! 🙂 Die große Zange ist für alle Fälle wo, wie beim Hammer, ein wenig mehr Kraft gefragt ist. Und früher, als wir noch Kochtöpfe aus Metall dabei hatten (jetzt nutzen wir Falttöpfe aus Silikon, siehe Küche), war die Zange auch unser Topfhalter.

Bleiben wir beim Thema „Zange“: das Multitool steckt in der dazugehörigen Tasche immer an Jans Hose. Das ersetzt in den meisten Fällen den Rest des Werkzeuges: Feile, Zange, Saitenschneider, Schraubendreher und Taschenmesser. Unverzichtbar für „mal eben schnell“! Der Saitenschneider wird bei uns auch „Silkes Lieblingswerkzeug“ genannt, denn bei ihr werden Kabelbinder damit fein säuberlich zurechtgestutzt. Jan reißt Kabelbinder ab und schneidet damit lieber Kabel. Wie auch immer: klein, aber fein! Die gebogene Spitzzange oder „um die Ecke Zange“ mag Jan gerne, Silke benutzt sie ganz selten. So hat jeder seine Vorlieben! Der Rollgabelschlüssel (Jan nennt ihn „Engländer“) ersetzt alle Maul- und Ringschlüssel, die doch fehlen – oder die fünfte Hand, wenn etwas ganz festgehalten werden muss. Die Seegeringzange spart unglaublich viele Nerven – insbesondere wenn man an der KTM EXC500 Ölfilter oder Radlager wechseln möchte. Auch bei Kupplungen sind Seegeringe gerne verbaut und die Zange Gold wert!

All unser Werkzeug ist übrigens sauber und „rappelsicher“ verpackt: Das „Großwerkzeug“ zum Beispiel in Kniestrümpfen für Kinder, um keine Chance zu bekommen, unsere Gepäcktaschen durch Reibung oder Vibration zu durchlöchern oder durch Metallabrieb zu verschmutzen. Die kleineren Werkzeuge sind in Baumwoll-Lumpen eingewickelt und in gepolsterten Schulmäppchen thematisch sortiert aufbewahrt. Alle Werkzeuge reisen wasserdicht, damit wir uns jederzeit auf sie verlassen können. Da Schulmäppchen nicht wasserdicht sind, verschwinden diese in wasserdichten dünnen Packsäcken.

Um nicht den gesamten Satz Maul- und Ringschlüssel mitnehmen zu müssen, lohnt es sich, das eigene Motorrad genau anzuschauen und nur mitzunehmen, was wirklich gebraucht wird. Ringschlüssel mit integrierter Ratsche sind besonders praktisch bei Schrauben, die etwas knifflig zu erreichen sind und an die man mit der Ratsche nicht herankommt.

Klassiker, die zwar an der kleinen Ratsche in Form von Bits und am Multitool integriert sind, aber an manchen Stellen geht’s halt wirklich nur mit den guten, alten Schraubendrehern selbst. Auch die werden natürlich in einem Baumwoll – Lumpen eingewickelt im Schulmäppchen transportiert, damit sie mit ihren spitzen Kanten und Ecken nichts kaputt scheuern können. Übrigens: Ein Ziplockbeutel voll solcher Lumpen ist super, wenn man unterwegs unerwartet schrauben muss und keine Rolle Küchenpapier greifbar hat. Und weil unterwegs weder Wasser noch Handwaschpaste verfügbar sind, haben wir auch einige Paar Einweg-Handschuhe dabei. Jeder in seiner Größe, paarweise verstaut in mini-Ziplocks und überall da verstaut, wo man sie gebrauchen kann: bei den schon eingeölten Ersatz-Luftfiltern, beim Werkzeug, bei den Ersatzteilen,… je mehr, desto besser! Und wenn man mal vergisst, sie anzuziehen (leider viel zu oft!), gibt es ein absolures Wundermittel: Motul Hands Clean: eine Paste, die man auf den Dreckpfoten verreibt und den Schmutz wie mit „Radiergummikrümeln“ von der Haut wegrubbelt. Unglaublich und eine absolute Empfehlung!

Wenn wir schon beim Thema „Dreckpfoten“ sind: damit kann man sich besonderes gut einsauen! Öle, Fette und sonstiger Klebkram! Als wir 2018 in Deutschland losgefahren sind, hatten wir eine mini Dose mit 40ml „WD40“ dabei. Die war irgendwann leer und wurde irgendwo in Afrika durch „3-EN-UN“ ersetzt. Funktioniert auch gut, ist aber in einer recht großen Dose. Die Tube Kupferpaste hat Jan 2011 in Kapstadt gekauft und wir haben sie nun, 15 Jahre später, wieder nach Kapstadt gefahren. Man braucht ja immer nur wenig davon. Es gibt auch kleinere Tuben, aber die ist nur noch 1/4 voll und ist deswegen halb angeklebt, um sie kleiner zu machen. Jan fährt mit Scottoiler und das ist das Zubehör zum Auffüllen des Kettenölers. Wir fetten unsere Ketten beide mit Kettensägenöl: das ist klebrig, auch für schnell drehende Ketten entwickelt und weltweit verfügbar. Unsere jeweiligen Öler haben wir bei den Motorrädern einzeln aufgeführt: KTM und Honda. Die kleine Dose Wet Protect ist das Wunderzeug schlechthin und im Rallyesport sehr beliebt. Es macht Sinn, sich vor Abfahrt in Ruhe hinzusetzen, und alle Steckverbindungen damit einzusprühen. Das Zeug schützt vor Feuchtigkeit in der Elektrik, insbesondere, wenn man in Regionen mit Mistwetter (Skandinavien), hoher Luftfeuchtigkeit (Westafrika) oder Salz (Winterbetrieb, Meer,..) unterwegs ist – also eigentlich immer. Nicht auf dem Foto: ein Döschen Lagerfett. Wichtig, um die Steckachse, Lager etc. einzufetten – und wichtig, auslaufsicher zu verpacken!

Hier seht Ihr „alles, was klebt“. „Wonda Fix“ ist ein Zweikomponentenkleber. Davon gibt es diverse Sorten. Achtet darauf, ein Produkt zu kaufen, das für Metall und Plastik geeignet ist und nicht für Stein, Textil oder Holz. In dem Ziplockbeutel unter dem „Wonda Fix“ sind ein paar Quadratzentimeter Karbonmatte, um mit dem Zweikomponentenkleber auch z.B. gerissene Plastikverkleidung reparieren zu können. Im runden Plastikröhrchen ist „Kaltmetall„: eine Art Knete, die beim Verkneten zweier Komponenten aushärtet und mit der man z.B. Motorgehäusedeckel nach Sturz oder Steinschlag reparieren kann. Und alle anderen Metallteile! „Dirko Dicht“ ist der Klassiker unter den Hochtemperatur-Dichtmassen. Hilft, wenn die originale Papier- oder Metalldichtung gerissen und nicht zur Hand ist oder wenn größere Katastrophen kurzfristig gelöst werden müssen. Flickt auch gebrochene MX-Stiefel! Im kleinen Flacon links daneben ist Sekundenkleber, den man irgendwie ständig braucht, weil man ihn für alles einsetzen kann, wenn es schnell gehen muss. Weil er schneller eintrocknet, als man glaubt, macht es Sinn, mehrere kleine Tuben zu kaufen und diese zusätzlich in Ziplocks zu verpacken. Das schwarze Rechteck ist „Duct tape“ oder „Panzerband„. Normalerweise eine große Rolle, die viel zu groß ist fürs Reisegepäck. Aber wenn man drauf tritt, wird sie flach und reisetauglich. Blaue Schraubensicherung ist natürlich auch dabei. Jan mag die flüssige Variante, Silke hatte früher immer eine Art „Klebestift“ Schraubensicherung dabei. Jeder, wie er mag – oder was zuhause rumliegt. Statt klassischem Isolierband, was bei Hitze gerne überall klebt nur nicht da, wo es soll, verwenden wir selbstverschweißendes Isolierband: richtig angewendet (Zug und Druck!) vulkanisiert es fester als jedes Klebeband jemals halten könnte und klebt dabei kein bisschen! Tipp: alles, was klebt oder kleben soll einzeln in kleine Ziplockbeutel verpacken! Das schützt vor dem Austrocknen und verlängert die Haltbarkeit immens und schützt den Rest des Gepäcks vor Klebe. Oder möchtet Ihr, dass ausgelaufener Sekundenkleber alles miteinander verklebt – und das dauerhaft. Eben…

Um großen Sauereien vorzubeugen, haben wir ein Set faltbarer Silikontrichter dabei. Der große rote Filter ist ideal, um Benzin vom Benzinsack oder Kanisterbetankung unterwegs zielgenau in den Tank zu befördern, ohne große, sperrige „Tankrüssel“ mitnehmen zu müssen. Die anderen beiden Größen passen in die Öffnung für Motoröl beim Ölwechsel oder Ölstandkontrolle. Tipp: nach jedem Gebrauch säubern (mindestens trocken auswischen!) und in einem Ziplockbeutel verstaut wegpacken – sonst sammelt sich sämtlicher Staub und Dreck der nächsten Kilometer am Filter – und landet beim nächsten Tanken oder Öleinfüllen da, wo er nicht hin soll…

Kommen wir zur Elektrik. Ein Mini-Multimeter ist ein absolutes Muss! Wichtig: unbedingt an eine Ersatzbatterie denken, denn die, die im Gerät steckt ist immer genau dann leer, wenn man sie braucht! Mit dem Ding ist schnell geprüft, ob nur die Glühbirne kaputt ist oder doch der Stecker einen Wackler hat oder das Kabel gebrochen ist. Schön, wenn es dann nur das Birnchen ist! Das haben wir übrigens nicht als Ersatz dabei, das kann man sogar nachts auf dem Land in Kamerun bekommen – irgendwo hat immer irgendwer was rumliegen!

Elektrik bedeutet „Kleinkram“. Und davon viel. Es ist nicht alles auf dem Foto, aber das Wichtigste: was wir bisher am meisten gebraucht haben, ist das kleine Überbrückungskabel. Praktisch, wenn man einfach von einem zum anderen Motorrad überbrücken kann: weil die KTM grundsätzlich auch mit 9V Blockbatterie und Kickstarter zum Leben erweckt werden kann, ist das Kabel insbesondere für die Honda wichtig. Achtung: Motorräder mit Einspritzung brauchen eine Mindestspannung (meist 8V), damit die Benzinpumpe genug Druck für die Einspritzdüse aufbauen kann. Ein Kicker allein hilft da noch nicht! Die Kabelschuhzange ist Luxus. Aber weil Jan bei uns der „Elektriker“ ist und die Zange in seinem Gepäck trägt, darf auch Luxus mal sein! Kaum sichtbar neben der Zange liegen „Japanstecker„. Die dazugehörigen „Männchen“ und „Weibchen“ sind nicht abgebildet, aber natürlich auch dabei, sonst nützt der Stecker ja nix! Das selbst verschweißende Isolierband ist weiter oben schon beschrieben: vulkanisiert statt zu kleben und hält immer! Wir haben diverse Sicherungen dabei. Abgebildet sind nur die Mini-Flachsicherungen. In einem anderen Döschen haben wir aber noch ein Set midi KFZ-Sicherungen in diversen Stärken: schaut vorher nach, welche bei Euch vorkommen und packt genau die ein! Die Lötverbinder oben links im Bild ersetzen Lötzinn und Lötkolben unterwegs. Vorausgesetzt, Ihr habt ein Feuerzeug, könnt Ihr damit sehr einfach und schnell Kabel zusammenlöten! In der Bonbondose sind zwei wasserdichte „fliegende Sicherungen“ (Sicherungshalter) als Ersatz – oder wenn man unterwegs ein neues Gadget verbauen möchte. Ohne Sicherung besteht Brandgefahr – und Ihr wollt doch nicht Euer Motorrad abfackeln? Auch im Döschen: Kabelschuhe und Steckverbindungen. Ein kleines Sammelsurium, was man hier und da mal brauchen könnte. Was man auch immer mal brauchen könnte sind Kabel. Ein paar längere Zentimeter verschiedener Querschnitte, je nach Anwendung ergänzen die „Elektrikwerkstatt“. Auch wichtig: ein Sortiment Schrumpfschläuche. Das dazu notwendige Feuerzeug habt Ihr ja schon wegen der Lötverbinder dabei, richtig?

Die meisten denken, dass man dauernd einen Platten hat, wenn man in fernen Ländern unterwegs ist. Tatsächlich hatten wir bisher in acht Jahren Reise nur jeder einen Platten am Motorrad: Jan einen Snake Bite in Georgien, Silke ein Stück Draht aufgespießt in Guinea-Bissau. Das war’s. In all der Zeit! Warum? Weil wir extra dicke „Elefantenhäute“ fahren: Die Schläuche kommen aus dem Motocross, sind 4mm dick und fast unkaputtbar! Ja, sie sind schwer und haben in Deutschland keine Straßenzulassung, aber Reifenflicken ist wahrscheinlich das größere Übel als das zusätzliche Gewicht der Räder. Falls doch mal ein Platten passiert, braucht man natürlich Flickzeug und Ersatzschläuche. Das Flickzeug haben wir bisher allerdings nur benutzt, um Packtaschen zu flicken: die Schläuche lassen wir bei nächster Gelegenheit beim nächsten Reifenservice „richtig“ flicken. Wer einmal gesehen hat, was passiert, wenn so ein Flicken nicht richtig hält, fährt in Zukunft auch zum Profi…Ventile gehen auch ab und an kaputt – und um die zu wechseln, braucht man Ventilausdreher! Die gibt es integriert in der Ventilkappe – dann verliert man das Teil auch nicht und hat es immer griffbereit! Wir fahren übrigens grundsätzlich mit Reifenhaltern, um bei geringem Luftdruck das Ventil nicht abzureißen.

Reifen sollten grundsätzlich gewuchtet werden! Dann halten sie länger und fahren sich gleichmäßiger ab. Das ist insbesondere, aber nicht nur bei Reifenhaltern wichtig, denn schon das Ventil des Schlauchs sorgt für Unwucht! Achtung: die meisten Motorradhändler in der Ferne haben keine professionelle Reifenwuchtmaschine. Gewuchtete Reifen haben eine wesentlich längere Lebensdauer und schonen das Material. Sind Eure Reifen nicht gewuchtet, müsst Ihr das selbst machen. Das geht natürlich nur, wenn Ihr auch Reifenwuchtgewichte dabei habt. Die gibt es zum Schrauben (wieder verwendbar) und wenn Ihr das ausgebaute Rad auf zwei Stühlen positioniert, könnt Ihr das auch ohne Maschine…

Ohne Montierhebel kein Reifenwechsel oder – flicken! Und dazu muss das Rad raus. Wir haben beide für unsere jeweiligen Motorräder die passenden „Multiwerkzeuge“ besorgt: im Enduro-Zubehör und von KTM gibt es kurze Montiereisen und passende Ringschlüssel in den gängigen Größen. Weil die Honda CRF300L aber keine echte Enduro ist, braucht die natürlich wieder eine Extrawurst. Die gibt es Gottseidank! Natürlich haben wir auch lange Montierhebel dabei für „besonders böse Reifen“, aber die sind so lang, dass sie nicht ins Gepäck passen und mit Kabelbindern an den Streben des KTM-Gepäckträgers befestigt sind.

Auch im Zusammenhang mit „Rädern“ steht das goldfarbene Werkzeug auf dem Foto: ein Speichenschlüssel! Tiefe Schlaglöcher fordern ihren Tribut und sorgen für lockere Speichen. Ist erstmal die Spannung dahin, schreitet der Verfall schneller fort, als Dir lieb ist. Deswegen sollte man regelmäßig nicht nur Reifendruck, sondern auch die Speichen kontrollieren: einfach mit einem Schraubenschlüssel die Speichen entlang klimpern: „Bing“ bedeutet, dass die Speiche gut gespannt ist, „bong“ heißt, dass der Speichenschlüssel zum Einsatz kommen muss! Insbesondere die Honda CRF300L hat sehr weiche Felgen, sodass Schlaglöcher dort schneller Folgen haben als bei hochwertigeren Felgen. Eine Rolle „Tüddeldraht“ kann nie schaden und den Cutter braucht man auch für fast alles. Der „Kugelschreiber“ ist keiner: es handelt sich um einen „langen Magnetarm“ für ins „Nirwana“ gefallene Schrauben, Muttern, Shims oder Unterlegscheiben. Und um einen Blick ins „Nirwana“ (oder auch in den Brennraum) werfen zu können, haben wir noch ein kleines Endoskop dabei: die Bilder werden direkt aufs Smartphone übertragen.

Nein, wir treiben keine Doktorspiele. Aber wir wechseln die Flüssigkeiten von Bremse und hydraulischer Kupplung! Insbesondere in den feuchten Tropen ist das wichtig, denn Bremsflüssigkeit zieht Wasser an und je höher der Wasseranteil, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Bremse schwammig wird oder überhitzt. Mit dem Spezialschlauch mit Ventil zum Entlüften der Bremse „unten“ und einer handelsüblichen Spritze „oben“ ist das schnell erledigt. Die Bremsflüssigkeit gibt’s sogar in der Elfenbeinküste an der Tankstelle.

Weil die Honda keine hydraulische Kupplung hat, braucht sie natürlich auch Ersatz-Bowdenzüge samt Nippel. Kann man auch bei beiden Motorrädern für den Gaszug nutzen, bis das richtige Ersatzteil da ist. Was auch beide Motorräder nutzen können ist der OBD-Adapter und Stecker (genau schauen, welcher für Dein Motorrad passt!). Damit kann man mit der passenden App auf dem Handy den Fehlerspeicher auslesen, Diagnose in Echtzeit betreiben und den Fehlerspeicher löschen. Das Ding passt mit dem richtigen Adapter natürlich auch fürs Auto daheim! Je nach Marke und Modell des Fahrzeugs sind nicht alle Funktionen verfügbar, aber immerhin kann man damit Probleme gut eingrenzen und die Diagnose vereinfachen. Je nach Reiseland macht es auch Sinn, Oktan Booster mitzunehmen. Meist ist da, wo es „Klingelsprit“ gibt, kein Oktan Booster verfügbar, weil man dort froh ist, überhaupt Treibstoff zu haben. Dann ist es gut, in den Fundus greifen zu können. Nicht jeder Booster „boostet“ gleich, die Unterschiede sind z.T. enorm. Aber wenn’s klingelt, ist erstmal egal, welcher Booster in den Tank kommt.
Wir haben bestimmt noch ein paar Kleinigkeiten vergessen, als wir alles ausgebreitet und für Euch fotografiert haben, aber das Wichtigste ist detailliert abgebildet und beschrieben.

2. Allgemeine Ersatzteile
Ihr wisst ja, das kleinste Ersatzteil ist ein Zettel mit der Nummer vom heimischen Ersatzteilhändler. Alles, was nicht dabei ist und was nicht vor Ort beim „Freundlichen“ besorgt werden kann, schickt der dann weltweit per DHL Express (!) zu. Daher haben wir nur ein paar Verschleißteile an Bord, welche gut verpackt sind. Denn was nützt ein Ersatzteil, das über tausende Kilometer defekt gerappelt oder durch Wasser Schaden (Rost z.B.) genommen hat? Das Herz dient dazu, zwischen Honda (Herz) und KTM (kein Herz) zu unterscheiden.
Beide Motorräder haben einen „Grundstock“ folgender Verschleißteile an Bord:
- Kettenöler Ersatzteile (Schlauch, Pipette, etc.)
- 2 Satz Bremsbeläge für jedes Motorrad
- 2 Ölfilter pro Motorrad
- je 1 Zündkerze
- jeweils die passende Benzinpupe inklusive Filter (Sonderfall Honda!)
- Simmerringe Getriebewellenausgangslager
- Simmerringe Schaltwellenausgang
- Gabel Simmerringe
- Ersatzspeichen für vorne/hinten
- Radlager vorne/hinten
- Lenkkopflager
- EIN Schlauch vorne/hinten (reicht einer für beide, wir fahren 4mm dicke, verstärkte MX Schläuche)
- Ein Satz Shims in gängigen Größen je Motorrad
- OBD – Adapter

Was die Ersatzteile betrifft, so besorgen wir sofort Ersatz, wenn wir etwas brauchen. Die in Armenien getauschten Radlager von der DR350 „Pet“ wurden noch am selben Tag bei SKF ersetzt. Und als Silke vom Iran aus beruflich in die Mongolei flog, haben wir bei SKF im Iran eingekauft, um ein kleines Ersatzteillager für den großen Service in der Mongolei für uns einzurichten. Wenn man gut und vorausschauend plant, kann man sich auch Teile von daheim organisieren: ein paar Verschleißteile flogen mit einem Freund nach Abu Dhabi und wir trafen uns in Dubai zur Übergabe und zum gemeinsamen Abendessen. Ein paar andere Teile kamen mit einem Freund nach Georgien, den wir dort in seinem Urlaub trafen. Es gibt auf Facebook Gruppen namens „overlander mules“ und „Mitbringsel weltweit„, in denen man kostenlos weltweiten Ersatzteiltransport privat organisieren kann. Über die jeweiligen Expat Gruppen des Landes (z.B. „Expats in Senegal“) findet man auch oft Möglichkeiten. Mit geschickter Planung kann man sich so viel „Beschaffungsstress“ vom Hals schaffen! Wir haben auf diese Weise Teile in so viele Länder, insbesondere Afrikas, mitgebracht bekommen, dass die Liste unendlich lang würde. Die Regel ist einfach: was unterwegs verbaut wird (Ölfilter, Lager etc.), wird, wenn möglich, sofort im Land selbst als Ersatz gekauft oder online in Deutschland nachbestellt und dort so lange gelagert, bis sich die Möglichkeit ergibt, die Teile jemandem mitgeben zu können.

Man kann natürlich nicht für alle Fälle vorsorgen. Als mein Luftfilter zerbröselte, war kein Ersatzfilter an Bord – wir sind ja nicht auf Rallye und haben Zeit zum Auswaschen! Die Sofortmaßnahme war ein Dustcover aus einer Kinderstrumpfhose, der neue Filter kam dann über eine Motorradwerkstatt in Eriwan per Taxikurier. Und manchmal, wie zuletzt in Namibia, muss man in den sauren Apfel beißen und DHL Express bezahlen. Achtet bitte unbedingt auf „Express“, damit Eure Ersatzteile im Zoll bevorzugt behandelt und schnell abgefertigt werden, sonst wartet Ihr bis zum Sankt Nimmerleinstag!

Man muss auch keine Reifen mit sich herumfahren. Das sieht zwar sehr abenteuerlich aus, fährt sich aber auch so. Jan hat es von Bulgarien bis Italien (wegen Fehlplanung) gemacht und war nach 250km schon völlig genervt. Wir planen auch hier von langer Hand (normalerweise), denn man kann ja abschätzen, wie lange ein Reifen hält und entweder vor Ort kaufen (evtl. vorbestellen!) oder sich genau so mitbringen lassen, wie man auch andere Ersatzteile mitbringen lassen kann.

Oft kann man aber auch einfach im Laden einkaufen: Jan hat z.B. beim KTM Händler in Tiflis Reifen aus dem Regal gekauft, ich habe per Mail bei der Motorradwerkstatt in Eriwan bestellt und später im Iran für 7€ einen Reifen beim örtlichen Motorradhändler nachgekauft. Zwei Satz Reifen für unsere beiden DRs haben im Iran 36€ gekostet – mit super Profil und genialem Grip. In Dakar hat Jan genauso aus dem Ladenregal gekauft wie wir beide in Windhoek. Wer recherchiert weiß, wo KTM Händler und andere Werkstätten sind. Das obere Bild zeigt übrigens unsere Reifen, die ich in Ulan Baatar habe zurücklegen lassen. Die standen beim KTM Händler einfach so im Regal. Im Januar. Das untere Bild zeigt einen der beiden (!) Reifen-Verkaufsräume des KTM Händlers in Dakar, Senegal. Wer da nichts findet, ist zu anspruchsvoll – oder kann mit ein paar Wochen Vorlauf einfach bestellen, was das Herz begehrt. Fremde Länder haben auch Motorradreifen, man muss nur etwas recherchieren, dann spart man sich die fotogenen Ersatzreifen am Motorradheck…

Reifenauswahl in Dakar, Senegal. Einer der beiden Lagerräume der DREI Händler mit Motorradreifen.
3. KTM-spezifisches Werkzeug & Teile
Es wäre ja zu schön, wenn alle Motorräder mit dem gleichen Werkzeug repariert werden könnten! Deswegen hat jeder von uns noch sein eigenes „Spezialwerkzeug“ dabei. Die kurzen Montierhebel und Ringschlüssel sind schon erklärt. Darüber liegt der passende (!) Zündkerzenschlüssel und ein Spezialwerkzeug, um die Gabel zu öffnen, wenn man dran muss, um z.B. Gabelsimmerringe oder Öl zu tauschen. A propos Simmerringe: wir haben natürlich auch das Plastikteil dabei, mit dem man vorsichtig den Dreck unter dem Gabelsimmerring „auslöffeln“ kann, wenn die Gabel leckt. Meist ist nämlich gar nicht der Simmerring kaputt, sondern nur Dreck unter die Dichtippe gewandert. Der kleine Speichenschlüsse ist auch KTM-spezifisch (passt sicherlich auch bei anderen echten Enduros) und das Ding im Ziplockbeutel ist ein Helferlein beim Ölwechsel: KTM auf den Boden legen, Schläuchlein statt Ölablassschraube befestigen, KTM wieder aufstellen und das Öl sauber in eine 1,5l Wasserflasche laufen lassen. Mehr Öl ist eh nicht drin und sauberer geht’s nicht!
Aufgrund der Erfahrungen anderer Reisenden mit einer KTM EXC500 hat Jan für seine KTM noch zusätzlich folgende Teile dabei:
- Dicht-/Reperatursatz Hydraulikkupplung
- unteres Lager Federbein
- Dichtsatz Federbein
- Ruckdämpfer Kupplung

4. HONDA CRF 300L Werkzeug und Teile
Um bei der Honda die Zündkerze zu wechseln, muss man „3x um die Ecke“. Im wahrsten Sinne des Wortes. Tiefer kann man eine Zündkerze nicht im Motorrad verstecken! Der Zündkerzenschlüssel muss dementsprechend flexibel sein, sonst geht’s nicht. Das Multitool für den Reifenwechsel ist weiter oben schon erklärt: 2 in 1 in praktischem Format!

Aufgrund persönlicher Erfahrungen und der anderer Reisender mit einer Honda CRF300L hat Silke für die Honda noch zusätzlich folgende Teile dabei:
- 5 Vlies-Benzinfilter (sitzt in Benzinpumpe)
- ICV (Idle Control Valve)
- Einspritzdüse
- Schlauch Tank – Einspritzung

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