Westküsten – FAQ

Wir sind nun schon über zwei Wochen in Europa und in wahrscheinlich zwei weiteren Wochen wieder weg von dort. Seitdem wir in Kapstadt, besser gesagt: Cape Agulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas angekommen waren, haben sich viele Fragen zu unserer Reise entlang der Westküste Afrikas gehäuft und wiederholt, weswegen es heute eine Art FAQ gibt. Wenn Eure Frage nicht dabei ist, schreibt uns einfach einen Kommentar unter dem Blogpost!

Wie lange habt Ihr gebraucht?

Insgesamt waren wir 30 Monate entlang der Westküste unterwegs, allerdings nicht am Stück. Wir sind Anfang Oktober 2022 in Bulgarien gestartet, waren aber immer nur so lange unterwegs, bis uns die Regenzeit eingeholt hat. Außer 2025, da waren wir bewusst zur Regenzeit in der Republik Kongo und Gabun, weil wir mit einem Schleppverband den Kongo Fluss hinunter fahren wollten und dazu hohen Wasserstand brauchten. Während der Regenzeit in Westafrika waren wir immer in anderen Regionen der Erde unterwegs: Mittlerer und Naher Osten, Grönland, Island (da ist ja eh immer Regenzeit), Nordafrika,…

Warum habt Ihr immer wieder die Motorräder eingelagert?

Insgesamt drei Mal haben wir die Motorräder samt Gepäck eingelagert: in Guinea-Bissau, Ghana und Kamerun. Wir haben uns von Anfang an aus vielen Gründen entschieden, nicht in der Regenzeit zu fahren. Wir kannten schon vor Abreise Afrika gut und wussten, dass die Regenzeit dort nicht mit Regen in Europa vergleichbar ist. Während der Regenzeit kann man zwar auf den Hauptstraßen durch Afrika fahren, aber das ist nicht das, was wir wollen. Während der Regenzeit Afrika intensiv zu erkunden macht keinen Sinn, weil das für die Motorräder nur erhöhten Materialverschleiß durch Schlamm (Lager, Kette, Bremsbeläge,…) bedeutet ohne Teile unterwegs nachkaufen zu können, weil die Feuchtigkeit zu Schimmel im Gepäck führt, der Regen viele Straßen unpassierbar macht oder diese geschlossen werden, sodass wir nicht überall hin kämen, weil viele Nationalparks und Unterkünfte während der Regenzeit sowieso geschlossen haben, es keinen Sinn macht, im Regen irgendwelche outdoor-Aktivitäten zu machen, es nicht ganz ungefährlich ist, auf rutschigem Schlamm Motorrad zu fahren – insbesondere bei nicht vorhandenen Krankenhäusern abseits der Hauptstraßen. Dazu kommt außerdem: während der Regenzeit ist das Malariarisiko höher, auch Dengue-Mücken tummeln sich dann noch intensiver und obwohl wir gegen Dengue geimpft sind und Malaria-Prophylaxe nehmen, muss das zusätzliche Risiko nicht auch noch sein. Wir haben während der afrikanischen Regenzeit viele andere schöne Reiseziele entdeckt!

Wie viele Kilometer seid Ihr gefahren?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten: selbst gefahren: rund 40.000km. Allerdings haben wir auch Länder bereist, in die wir die Motorräder nicht mitnehmen konnten wie Sao Tome & Principe oder Äquatorialguinea, wir haben Regionen bereist, in denen wir aus Sicherheitsgründen nicht selbst gefahren sind (2x der Norden Nigerias), waren in Ländern, wo es für uns nicht sinnvoll war (oder zu teuer), die Motorräder mitzunehmen (Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik), haben Regionen bereist, die mit Motorrad aufgrund von mangelnder Transportkapazitäten ohne Begleitfahrzeug nicht machbar sind (Mauretanien), mussten oder wollten wegen Regenzeit das Transportmittel wechseln (Gabun, Republik Kongo) und haben einige Strecken wegen Motorschaden der Honda oder Ersatzteilversand mit dem Mietwagen oder Zug erkundet (Kamerun, Botswana, Namibia, Sao Tome & Principe). Für uns ist nicht wichtig, dass wir „so und so viele Länder mit dem Motorrad bereist“ haben oder „in allen Ländern selbst gefahren“ sind, sondern dass wir jedes Land so intensiv wie möglich bereisen – und dazu muss man auch bei der Wahl des Fortbewegungsmittels flexibel sein.

Wie viele Länder habt Ihr entlang der Westküste Afrikas bereist?

Wenn wir uns nicht verzählt haben und nur Länder gelten, in denen wir mindestens, sagen wir Mal, drei Nächte übernachtet haben, dann waren es 24. Wenn es um Stempel im Pass geht, waren es 25. Wenn auch Zwischenlandungen gelten, dann 26. Wir zählen aber keine Passstempel und Flughäfen, wir zählen Länder, in denen wir auch etwas erlebt haben. Und das waren 24. Die kürzeste Strecke wären übrigens nur 14 Länder gewesen.

Welches Land hat Euch am besten gefallen?

Eine sehr beliebte Frage. Es gibt nicht ein spezielles, besonders tolles Land für uns. Wir haben auch keine echte Reihenfolge der für uns schönsten Länder, aber es gibt ein paar, die einen besonders schönen Ort in unseren Herzen gefunden haben:

Mauretanien: eines der authentischsten und ursprünglichsten Länder entlang unserer Route. Wir wissen, dass das viele Overlander anders sehen, wir wissen aber auch, dass diese Menschen das Land entlang der (zugegeben; totlangweiligen) Küste in 3-5 Tagen durchqueren oder maximal entlang der Bahnstrecke nach Atar fahren. Wir waren ganze sieben Wochen dort und insbesondere Tichitt und Oualata haben uns verzaubert. Wer dort war, wird das ähnlich empfinden wie wir: dort ist die Magie der Jahrtausende alten Transsahara-Handelsrouten, der Bibliotheken wie der (später auch) von Timbuktu noch lebendig…

 

Guinea-Bissau: Ein Land, das für viele Reisende nur ein unbequemer Umweg ist. Ja, es ist ein Umweg und die Straßen sind nicht besonders gut, aber das Land liegt uns sehr am Herzen wegen der Menschen, der Schimpansen, Schildkröten und den Bijagos-Inseln. Nicht Bubaque, sondern die Poilao und Orango Nationalparks und das dazugehörige Archipel. Um das zu erkunden, braucht man Zeit und wir haben uns eine Woche auf einem Katamaran gegönnt, um dieses UNESCO Biosphärenreservat in unser Herz zu schließen. Und habt Ihr scbonmal Schimpansen im Morgengrauen beim Aufwachen in ihren “Schlafbäumen” beobachtet? Zauberhaft…

 

Burkina Faso: aufgrund der aktuellen Situation hatten wir nur ein 5 Tage Visum, was wir auch nicht verlängern konnten. Trotzdem hat uns das, was wir in der kurzen Zeit in der zu der Zeit halbwegs vertretbar sicher bereisbaren Region gesehen haben, so gut gefallen, dass wir unbedingt wiederkommen möchten, um mehr zu erleben, wenn es die Sicherheitslage wieder zulässt. Das „Land der aufrichtigen Menschen“ wurde für uns seinem Namen gerecht und war so authentisch und rau, wie wir es mögen: untouristusch, unverdorben, unkomfortabel, unglaublich schön.

 

Der Norden Nigerias: nachdem wir vier menschlich sehr intensive und anstrengende Wochen im Süden Nigerias verbracht hatten, kamen wir zwei Monate später per Flugzeug nochmal zurück nach Nigeria: der Norden hat uns nachhaltig in den Bann gezogen. Die dort noch gelebte, fast mittelalterliche Kultur der Emirate mit ihren bunten Palästen und biblischen Festen und Pferdeparaden, die alten Traditionen des Isam – all das ist so zauberhaft schön, dass wir sofort noch ein drittes Mal hin fliegen würden und hoffen, dass die Sicherheitslage dort freieres Reisen dann erlaubt.

 

Sao Tome & Principe: Principe ist schlichtweg Paradies und UNESCO Biosphärenreservat. Unberührte, weiße Traumstrände (da, wo die Bacardi Werbung gedreht wurde!), lost places aus portugiesischer Kolonialzeit, ein tropisches Paradies mit kapverdischen Wurzeln und ohne Touristen. Wenn Ihr uns mal sucht und wir eine Auszeit brauchen: wir sind dann auf Principe, gucken über den Urwald aufs Meer, hören den Vögeln zu und beobachten die Affen in den Bäumen. Oder laufen am “Bacardi Beach” entlang. Was man im Paradies so macht.

 

 

Republik Kongo: ein Herzensland mit den wahrscheinlich liebsten Menschen des gesamten Kontinents. Unglaublich! Wir haben dort in sieben Wochen nur ein einziges Mal unsere Hautfarbe gespürt, sind die schönsten Dschungelpisten durch den Regenwald des Kongobeckens gefahren und haben eine Woche auf einer Deckschute gecampt, um den Kongo hinunter zu schippern. Das Land ist authentisch rau und wie Mauretanien ein ungeschliffener Rohdiamant, dessen tiefen Wert nur erkennt, wer sich Zeit nimmt, ihn zu entdecken. Ein Land, nach dem wir tatsächlich, wie auch nach Guinea-Bissau, manchmal ein wenig „Heimweh“ hatten: die Menschen haben unsere Herzen erobert!

Zentralafrikanische Republik (CAR): Aus Sicherheitsgründen waren wir nur in einer „Ecke“ des Landes. Wie auch Burkina-Faso ist das anders als Individualreisende nicht möglich, wenn man nicht zu großes Risiko eingehen möchte. Doch was wir dort erlebt haben, hat uns so viel Lust auf „mehr, mehr!“ gemacht, dass wir hoffen, das irgendwann noch erleben zu können. Das Schiff, mit dem wir auf dem Kongo unterwegs waren, kam übrigens aus der Zentralafrikanischen Republik und die Crew hat unsere Neugierde auf „mehr CAR“ nur intensiviert.

Unterm Strich besteht unsere Hitliste aus „Außenseiter-Ländern“, beziehungsweise Regionen. Überall dort, wo wir unsere Herzen verloren haben, kommt der Großteil der Reisenden nicht vorbei. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, aber um auch abgelegene Ecken und Länder erkunden zu können, haben wir uns die 30 Monate Zeit genommen und bewusst so geplant, dass wir (außer im Kongo) nicht in der Regenzeit unterwegs waren.

Länder, die uns auch gut gefallen haben, aber keinen Spezialplatz im Herz gefunden haben: Marokko, Sierra Leone, Liberia, Benin, Äquatorialguinea, Gabun, Botswana, Südafrika. In diesen Ländern haben wir uns durchweg wohl gefühlt, hatten schöne Erlebnisse, die uns in guter Erinnerung bleiben und wenn es sich ergibt, kommen wir gerne wieder. „Neutrale“ Länder gab es auch: Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Angola. Ganz nett, aber nicht umwerfend. Und wenn man all diese Länder zu den „Best of Westküste“ addiert, war die Mehrheit gut bis bombastisch und man hat fast schon alle. Fast.

Welche Länder haben Euch nicht gefallen?

Natürlich gab es auch ein paar Länder, in die wir nicht mehr reisen möchten, außer wir müssen, weil manchmal liegt ein Land ja irgendwie auf dem Weg und man muss durch, um von A nach B zu kommen:

Senegal wegen der allgegenwärtigen muslimischen Bruderschaften und deren Einflüssen auf Alltag, Politik und Wirtschaft. Ausgenommen ist die Region der Casamance, die kulturell zu Guinea-Bissau zählt und (noch?) katholisch ist.

Gambia wegen des Sextourismus und der Drogen, was insbesondere für mich als weiße Frau unangenehm war.

Guinea wegen der Menschen, die eine Art des Islams leben, in der Christen als minderwertig betrachtet und auch so behandelt werden (nicht nur dort, wir müssen in dem Punkt der Christen US-Präsident Trump leider zustimmen). Guinea war landschaftlich ein Sahnehäubchen und bombastisch. Leider haben es uns die Menschen in fast zwei Monaten im Land nachhaltig vermiest.

Südnigeria: Der Norden des Landes zählt zu den absoluten Highlights der Reise und wir waren sogar noch ein zweites Mal dort. Der Süden Nigerias ist leider kulturell und menschlich ein komplett anderer Kontinent, der uns sehr viel Nerven gekostet hat.

Demokratische Republik Kongo wegen eigentlich allem, zumindest dort, wo wir (im Westen) waren. Das Gefühl im Land lässt sich schwer beschreiben. Nach Jahrzehnten in Bürgerkrieg, Unruhen, politischer Instabilität, in einem Moloch aus Failing State, Korruption, Müll und Verkehrschaos sind auch die Menschen irgendwie „verdorben“: sie kennen seit Generationen nichts anderes als das und scheinbar wirkt das nachhaltig auf ihr Tun und Handeln.

Namibia wegen der für Motorradfahrer wie uns unattraktiven Strecken, der Zäune und Tierwelt in „Zoos“ und „Tierparks“ statt Freiheit und der für uns Vielgereiste unspektakulären Landschaft. Auf Facebook habe ich mal gelesen: „There’s people who praise Namibia – and others who’ve seen the world.” (Es gibt Leute, die schwärmen für Namibia und andere, die die Welt gesehen haben). Wir gehören definitiv beide zu letzterem.

War es nicht gefährlich?

Nein. Da, wo es gefährlich ist, fahren wir einfach nicht hin. Deswegen waren wir z.B. auch nur fünf Tage in Burkina Faso und nur in isolierten Landesteilen von der Zentralafrikanischen Republik, Nigeria, Demokratischen Republik Kongo und vielen westafrikanischen Staaten. Ausnahme: der Bürgerkriegsgebiet von “Ambazonien” in Kamerun. Da wollten wir nicht durch, mussten aber, weil es wegen des Motorschadens an der Honda leider nicht anders möglich war. Da, wo Boko Haram und IS ihr Unwesen treiben und es Christen an den Kragen geht (und nicht nur auf die Laune schlägt), fahren wir nicht hin. In vielen Regionen haben wir uns wesentlich sicherer gefühlt als in vielen deutschen Großstädten. Uns ist nichts geklaut worden, wir waren niemals in einer wirklich brenzlichen Situation, hatten nie Probleme an Checkpoints und die größten Herausforderungen waren eigentlich nur die Visa mit all ihren widersinnigen Regularien und uns limitierender Fristen.

Braucht man einen 4×4?

Nein. Und nicht, weil wir das grundsätzlich und immer sagen, sondern weil es so ist. Seitdem Anfang 2025 der Grenzübergang von Ekok zwischen Nigeria und Kamerun geöffnet wurde, ist es möglich, vom Nordkap bis Kapstadt auf Asphalt zu fahren. Geschätzte 70km sind noch (gute!) Schotterpiste, werden derzeit aber auch asphaltiert. Wer nicht in der Regenzeit fährt, kommt auch mit einem tiefer gelegten Porsche durch – muss bei den vielen Schlaglöchern in z.B. Guinea allerdings sehr vorsichtig fahren. In vielen Ländern (Republik Kongo, Elfenbeinküste, Marokko, Sierra Leone, Liberia, Benin, Namibia etc.) sind die Hauptstraßen meist in besserem Zustand als die durchschnittliche deutsche Autobahn oder Landstraße.

Was war das schönste Erlebnis?

Ein einziges besonders schönes Erlebnis gibt es nicht. Aber es gibt ein paar, die wirklich ganz speziell waren: Ganz sicher die Woche auf dem Kongo, welche nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den härtesten Tagen der Reise zählt. Dann die Begegnung mit der Familie Gorillas und 120 Elefanten auf einer Waldlichtung in der Zentralafrikanischen Republik, eine uns bis heute rätselhafte Zeremonie in einem Bergdorf Burkina Fasos, die „surfenden Hippos“ in Gabun, die lange, magische Nacht im Königspalast von Abomey in Benin, die drei Tage nach und im mystischen Tichtítt, Mauretanien, das Bijagos Archipel und die Schimpansen in Guinea-Bissau, die Suche nach Diamanten in Sierra Leone und das Death Acre in Angola.

Würdet Ihr die Reise nochmal machen?

Jetzt nicht sofort, nein. Vielleicht in 15 oder 20 Jahren nochmal, wenn in gewissen Regionen „Ruhe und Vernunft“ eingekehrt ist und wir die Gegenden bereisen können, die jetzt „off limits“ sind. Es gibt noch genug weiße Flecken auf unserer Reisekarte und wir haben noch so viel Entdeckerlust, dass wir auf diese Frage ganz bestimmt nicht „nein“ sagen können. Nur jetzt erstmal nicht mehr.

Was hat das gekostet?

Diese Frage stellen nur Deutsche, aber wir sind Deutsche, also beantworten wir sie. Wir haben für alle Visa insgesamt 2355€ ausgegeben. Pro Person! ABER: wir haben für jedes Land grundsätzlich das „größte“ und somit teuerste Visum beantragt, um die Länder so intensiv und lange wie möglich bereisen zu können. Wir haben außerdem zehn Länder bereist, die man nicht bereisen muss, wenn man auf der kürzesten Route von Marokko nach Kapstadt fährt. Wir haben manche Länder außerdem mehrmals bereist und dadurch mehrfache Visakosten gehabt und grundsätzlich, wenn möglich, Visa zur mehrfachen Einreise beantragt oder diese kostenpflichtig verlängert. Wer jedes Land nur ein einziges Mal betritt und den direkten Weg wählt, kommt mit etwas über 1000€ hin.

Bekommt man die Visa unterwegs?

Jein. Wie die Frage nach den Kosten ist auch das individuell. Je nach Reisetempo, Reiseart, Reiseroute und Fortbewegungsmittel ist es möglich, die Visa alle unterwegs zu organisieren. Oder eben nicht. Weil wir langsam und meist über Land gereist sind, konnten wir nicht alle Visa unterwegs organisieren. Weil wir aber einen zweiten Reisepass haben, konnten wir während der Reise über eine Agentur in Deutschland die Visa ergattern, die es unterwegs für uns nicht gegeben hätte.

 

Waren die Grenzübergänge schwierig?

Nö. Kein einziger und wir können Overlander, die für sogenannte „Fixer“ (Helferlein) an der Grenze Geld ausgeben, absolut nicht verstehen. Wer seinen Papierkram in Ordnung hat, hat auch an Grenzen keine Probleme. Ja, es ist mehr Papierkram als wenn man nach Norwegen fährt, aber in Zeiten von ChatGP, google und Facebook ist es einfach, sich vor dem Grenzübertritt so zu informieren, damit man immer alles hat, was verlangt wird. Eine Übersicht haben wir Euch hier zusammengestellt: Papierkram für die Weltreise

Braucht man ein Carnet de Passage?

Ja. Es sei denn, man möchte mehr als dessen Bearbeitungsgebühr für GPS-tracker, Fixer, temporäre Importgenehmigungen (TIP), Bestechung und andere „Gefälligkeiten“ bezahlen, sich Ärger einheimsen und Nerven verlieren. Dann geht es natürlich auch ohne Carnet, aber wer das macht, ist selber schuld.. Die Erfahrung zeigt: wer einmal mit dem Carnet gereist ist und das System verstanden hat, bringt kein Verständnis für all jene auf, die wild dagegen argumentieren. Dazulernen ist ein Reifeprozess des Reisens…

 

 

Wie viel Schmiergeld habt Ihr gezahlt?

Keins. Warum auch? Unsere Papiere waren immer in Ordnung und wir waren sogar über-vorbereitet, um auch auf die abwegigsten Gehirnwindungen westafrikanischer Uniformierter reagieren zu können. In Kamerun z.B. ist ein Feuerlöscher für Autos Pflicht, für Motorräder nicht. Wir haben trotzdem jeder einen am Motorrad. Natürlich wurden wir ab und zu nach „finanzieller Unterstützung“ gefragt, aber diese Fragen konnten wir immer mit einem Witz, Spruch oder mit der Helmkamera im Keim ersticken.

Wo kann man Reifen und Ersatzteile kaufen?

Gar nicht. Fährt man von Norden nach Süden, gibt es in Dakar noch ein paar Reifen, fährt man in umgekehrter Richtung ist nach Windhoek Schluss. Gutes original-Öl (und keine Fälschung) ist unterwegs mit guter Recherche zu finden, sonst nichts. Was man nicht selbst dabei hat, muss man sich schicken lassen. In unserem Fall aus Thailand für die Honda mit Motorschaden oder aus Österreich für die KTM. Nein, es gibt nicht mal Ölfilter oder Bremsbeläge. Aber die passen ja ins Gepäck und weil die meisten Reisenden eh nur 15.000km entlang der Westküste fahren, ist das auch überschaubar.

 

Wie habt Ihr das mit dem Geld gemacht?

In den allermeisten Ländern entlang der Westküste kann man nirgendwo mit Karte zahlen. Aber mit mobilem Geld per Handy. Das funktioniert nicht über Apple Pay etc., sondern über wallets der örtlichen Mobilfunkanbieter wie Orange Money, Momo usw. Da die Guthaben nur im jeweiligen Land nutzbar und nicht übertragbar sind, haben wir ab Guinea (wo wir immer noch rund 15€ Guthaben haben) diese Zahlungsmöglichkeit nicht mehr genutzt. In Nigeria haben wir digital mitspielen können. Da dort der größte Schein 60 Cent entspricht, wird auch die einzelne Banane digital bezahlt. Wir haben mit Remitly in ganz Nigeria das digitale Bezahlen im Alltag nutzen können. Ansonsten haben wir immer gut geplant und ausgerechnet, wie viel Geld wir wann und wo brauchen, denn Geldautomaten gibt es auch nicht überall und wenn, haben die auch oft keinen Strom oder sind leer. In manchen Ländern entsprechen die Sicherheitsstandards der Geldautomaten nicht den Vorgaben deutscher Banken, was deutsche Kreditkarten auch nutzlos macht. Aber für solche Fälle gibt es Western Union, Moneygram, ria und andere Dienste, durch die man sich auch im Kuhkaff im Busch Bargeld auszahlen lassen kann. Und für alle anderen Fälle gibt es Bargeld. Tipp: so verstauen, dass es nicht verschimmelt (ja, das ist uns tatsächlich passiert)! Mehr zum Thema “Geld unterwegs” hier: Papierkram für die Weltreise

Wie war das mit dem Internet?

Wir sind Deutsche. Was sollen wir dazu sagen? Außer in Mauretanien und Namibia war das Mobilfunknetz immer schneller und besser als in Deutschland. In Burkina Faso hat mein Handy zum ersten Mal „5G“ angezeigt und die Geschwindigkeit selbst im kleinsten Bergdorf war so schwindelerregend, dass wir seitdem über das, was man in Deutschland mit „5G“ bewirbt, nur gelangweilt gähnen können. Solange es Strom gab (und das zur Not per Solarenergie), war Internet nie ein Problem. Nur WiFi gab es zwischen Marokko und Namibia nie.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Motorräder sind in Südafrika eingelagert, weil wir zurück nach Bulgarien mussten. Wenn wir hier mit den Erledigungen fertig sind, lohnt es sich leider nicht mehr, zurück zu fliegen, denn schon bald kommt im südlichen Afrika der Herbst und Winter (Südhalbkugel!) und es ist damit zu kalt für uns auf den Motorrädern. Es war jetzt im Hochsommer Südafrikas an der Küste teilweise schon so „frisch“, dass sogar Jan sein Futter in die Jacke gezogen hat! Wir kommen daher erst im November zurück nach Kapstadt. Bis dahin reisen wir da, wo dann Sommer ist: auf der Nordhalbkugel gen Osten. Wir haben noch ein paar ziemlich große weiße Flecken entlang der Seidenstraße!

Was macht Ihr derzeit in Europa?

Sachen, die nicht warten konnten. Dauer-Reise ist kein Urlaub und wir müssen ständig alles im Blick behalten: unsere auf drei Länder und zwei Kontinente verteilten Fahrzeuge, Fristen für Dokumente, Vorsorgeuntersuchungen und medizinische Behandlungen, Familie, Behörden, Versicherungen, Visa, und, und, und.

Wir sind von Südafrika nach Deutschland geflogen. Mitten in den angeblich „grauesten Winter aller Zeiten“. Für uns das erste Mal grauer Winter in rund neun Jahren und was früher für uns irgendwie machbar war, hat uns diesmal ziemlich getroffen: das Grau, das Nass, das wenige Licht, die Gesamtstimmung. An Tag fünf in Deutschland habe ich ChatGPT gefragt, warum wir plötzlich „Winter in Deutschland“ kaum ertragen. Warum wir morgens nur quälend aus dem Bett kommen, warum sich jeder Tag wie Jetlag anfühlt, warum die Laune trotz lieber Familie so tief im Keller ist und wir uns antriebslos und leer fühlen. Die lange Antwort der KI in einem Wort: Biochemie. Unsere Körper sind an intensives Licht gewohnt, an deutlichen Tag-/Nacht Rhythmus durch Sonnenlicht und an Vitamin D durch UV-Strahlung. Wenn das Licht immer diffus ist, der Himmel immer grau, die Sonne nie zu sehen, ist das für einen Körper, der wie unsere so plötzlich in diese graue, triste und dunkle Eintönigkeit fliegt, ein herber Schlag, der auch aufs Gemüt schlägt. Wir nehmen seitdem Vitamin D ein und sind außerdem mittlerweile in Bulgarien. Dort wurde der Winter 25/26 auch als „extrem eklig“ wahrgenommen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau: da Bulgarien südlicher liegt als Deutschland, gibt es dort selbst im Februar jeden Tag mindestens eine Stunde mehr Sonne. Und das merkt man.

Warum wir ausgerechnet jetzt den Sommer im südlichen Afrika verlassen haben? Weil wir mussten. Wir haben unsere „travel base“, unseren Rückzugsort und unser Zuhause in Bulgarien und wie in jedem EU-Land muss man auch als Schengen-Bürger eine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben, wenn man länger als nur einen Urlaub dort bleiben möchte. Dieser temporäre Aufenthaltstitel wird beim ersten Antrag nur für maximal fünf Jahre erteilt (und wir hatten das Glück, diese maximale Laufzeit bekommen zu haben), dann muss man eine Verlängerung um weitere fünf Jahre beantragen oder bittet um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Das bulgarische Meldegesetzt schreibt den Termin des dafür notwendigen Antrags genau vor und so erschienen wir letzte Woche (zu) pünktlich auf dem Amt, um zwei Werktage später unsere unbefristete Aufenthaltsgenehmigung (jippieh!) und weitere drei Werktage später unsere biometrischen Personalausweise abholen zu können. Ohne online-Termin, einfach so, einfach effizient und zügig. Bitte Aufenthaltserlaubnis und Personalausweis nicht mit Staatsbürgerschaft verwechseln!

Nach nur fünf Tagen in unserer travel base waren wir auch schon wieder weg: in Varna am Schwarzen Meer, wo Jan die im letzten Jahr geplante Zahnbehandlung bekommt. Während Jan den Mund ganz weit auf macht, laufe ich am Meer entlang, genieße Sonne und Möwen und das Schwarze Meer. Und da haben wir auch unsere acht Jahre Nomadentum gefeiert. Vor acht Jahren haben wir in Krefeld den Schlüssel zu unserer Wohnung abgegeben und sind losgezogen, die Welt zu erkunden. Open end. Bis heute haben wir kein Ende gefunden und unsere Entdeckerlust ist immer noch ungebrochen. In acht Jahren haben wir so viel erlebt und gelernt, aber haben noch lange nicht genug. Wenn die Zähne verheilt sind, geht es schon bald weiter. So wie unsere Fahrzeuge Service-Stopps brauchen, so ist das auch mit uns: ein paar Neuteile rein und weiter geht’s!

So ist der Stand der Dinge hier. Und wir haben hoffentlich alle Eure Fragen beantwortet. Wenn nicht: fragt uns Löcher in den Bauch und nutzt das Kommentarfeld unter dem Beitrag! Ihr findet es unter dem neuen Video das zeigt, dass man keinen 4×4 braucht, um in Namibia Schotterpisten zu schroten. Ein Toyota Starlet geht auch!

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