Kapstadt – The Mother City

Für viele „die schönste Stadt der Welt“, für uns eine der lebenswertesten Städte Afrikas: Kapstadt. Über eine Woche waren wir nun da und haben das Gefühl, es gibt so viel zu unternehmen und zu tun, dass wir damit noch viele weitere Wochen weitermachen könnten. Doch wir sind zurück in Europa – zur miesesten Jahreszeit, die man sich dafür aussuchen kann. Wenn man es sich aussuchen kann. Und das konnten wir leider nicht.

Als wir vom südlichsten Punkt Afrikas, dem Kap Agulhas, zurück in Kapstadt waren, war Waschen angesagt. Waschen, waschen, waschen. Unsere Motorradklamotten, Helme, Stiefel, Klamotten und Motorräder. Alles, was in Kapstadt bleibt, musste sauber werden. Es ist das vierte Mal in Afrika, dass wir unsere Motorräder samt Gepäck einlagern und mittlerweile ist das Routine. Dann kam der Moment in dem sich das Scheunentor schloss und wir uns „nackig“ fühlten. Jedes Mal dauert es bei uns ein paar Tage, bis wir von „Motorradreisende“ auf „Handgepäckreisende“ umschalten. Man ertappt sich bei Gedankengängen wie „Ah, hier ist die nächste Markentankstelle, muss ich mir merken für die Weiterfahrt!“. Eine Weiterfahrt wird es geben, aber erst im November.

Und dann ist auch unsere Freundin Nicole wieder dort, die seit über 10 Jahren jeden Winter in Kapstadt überwintert und mit der wir uns am Sonntag nach dem Einlagern zum Picknick am Strand trafen und viel über das Leben in Kapstadt erfuhren. Über die vielen Deutschen, die dort jeden Winter wie sie selbst dem deutschen Grau und Muff entfliehen, über die Deutschen, die dort Immobilien kaufen und aus sehr gut nachvollziehbaren Gründen ihr Geburtsland für immer verlassen und über den Alltag im Land abseits von Tourismus.

Blick vom Bett

Mit Handgepäck zogen wir von unserem Airbnb mit Waschmaschine und Parkplatz in ein günstigeres Zimmer im 27. Stock eins Hochhauses um, von dem aus wir nicht mehr den Tafelberg, dafür aber das Meer und den Hafen sahen: auch schön! Und dann war Zeit für Tourismus. Jan war ja schonmal einen Monat lang in Kapstadt und machte den Reiseleiter. Wir fingen mit Robben Island an, der Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela 18 Jahre in Haft verbracht hat. Als wir die Fähre betraten wussten wir noch nicht, dass es ein für uns schwieriger Besuch werden würde.

Als Jan vor 15 Jahren dort war, lag der Fokus der Führung auf Nelson Mandela, seinem Kampf gegen die Apartheid und die Geschichte dessen, was das heutige Südafrika geformt hat. Wir hingegen landeten in einem Bus zur Inselrundfahrt, dessen Guide eindeutig Rassist und gegen Weiße war. Gerade an so einem Ort, an dem während der Apartheid politisch Gefangene inhaftiert wurden, könnte man an das Miteinander appellieren, daran, dass alle Menschen gleich sind und dass niemand wegen der Hautfarbe anders behandelt werden darf. Aber das hatte der Guide offensichtlich nicht verstanden. Sehr unangenehm und nicht gerade das beste Verhalten gegenüber all denen, die im Hinterstübchen doch noch Apartheid denken.

Nach der „Rundfahrt“ (Blick auf den Tafelberg, Pinguine, kurzer Halt ohne Aussteigen am Steinbruch, wo werktags 8 Stunden Zwangsarbeit stattfand) wartete ein zweiter Guide auf uns. Einer, der gar keiner war, sondern ein ehemaliger Häftling, der dort fünf Jahre wegen Mitgliedschaft in der „falschen“ Partei inhaftiert war. Das kannte Jan von vor 15 Jahren und erwartete zumindest dann ein wenig Tiefgang in der Führung durch die Räumlichkeiten, ein wenig geschichtlicher Hintergrund, ein wenig Nelson Mandela. Aber nichts. Je mehr er erzählte, desto schwieriger wurde es für uns. Bitte behaltet bei dem, was Ihr nun lest im Hinterkopf: wir sind absolut der Meinung, dass niemand aus politischen Gründen hinter Gitter gesperrt werden darf! Denkt Euch einfach, die Gefangenen wären keine Politiker, sondern Mörder gewesen. In Afrika, vor 50 Jahren.

Es fing mit dem Essensplan an: morgens Maisbrei mit Kaffee. Mittags Gemüse und dazu Maisbrei und Kaffee, abends Maisbrei mit Gemüse und manchmal Fleisch, manchmal Fisch. Immer dasselbe. Schlimm! Und wir dachten: von so einer Kost haben wir die meiste Zeit unserer 30 Monate entlang der afrikanischen Westküste nur geträumt. Wir, freie Menschen mit vergleichsweise dickem Geldbeutel, mit dem wir uns alles Essen kaufen könnten – wenn es was zu kaufen gegeben hätte. Gab es nicht und so sind wir in die Mangelernährung hineingeschlittert, weil Reis mit in Palmöl zu Tode gekochten Blättern eben keine Luxusmahlzeit mit Gemüse und Fisch oder Fleisch ist. Und Kaffee? Zwischen Marokko und Angola gibt es das nicht. Etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung Afrikas hat keinen Zugang zu ausreichender oder ausgewogener Ernährung und diese 700 Millionen Menschen können von einer Ernährung mit Gemüse, Fleisch oder Fisch und sogar 2x Kaffee pro Tag nur träumen – so wie wir selbst das monatelang getan haben.

Der ehemalige Inhaftierte fuhr fort: es gab für 50 Gefangene, man stelle sich das vor, nur zwei Toiletten. Zwei! Wir schauten uns die Toiletten an: normale, bequeme Toiletten mit Wasserspülung. Zwei Stück zu jeder Seite der Massenunterkunft-Zelle, in der bis zu 100 Personen inhaftiert sein konnten, tatsächlich aber auf Nachfrage meistens nur 50, selten 60 Häftlinge wohnten. Also eine Toilette für 12 Personen. Ja, das ist mehr als zuhause in den eigenen vier Wänden, aber schon bei einer Großfamilie oder Mehrgenerationen-Haushalt sieht es nicht anders aus. Und: wir befinden uns hier in Afrika, wo nur maximal 30% aller Menschen (!) überhaupt Zugang zu sanitären Anlagen haben! „Zugang zu sanitären Anlagen“ bedeute auch heute, 2026, ein Plumpsklo pro Dorf oder ein Dixie pro Straßenzug im Township. Heute in Südafrika. Wir selbst sind oft genug auf genau solche Bretterverschläge mit Würmern, Fliegen, Gestank und faulenden Holzbohlen gegangen, um uns zu erleichtern. Wer in Einzelhaft war, durfte nachts nicht auf Toilette, bekam aber einen Eimer.

Dann kam das Thema Dusche. Man stelle sich vor: erst 1973 wurde Warmwasser eingeführt! Die anderen Touristen litten mit: kalte Dusche, wie menschenverachtend! Wir jedoch dachten: Dusche? Das bedeutet fließend Wasser! Das ist ein Luxus, den in Afrika laut Unicef und anderen Quellen nur um die 30% der Gesamtbevölkerung kennen, der überwiegende Teil Afrikas kann nur von einem Wasserhahn aus dem Wasser kommt, träumen. Auch wir haben in Westafrika monatelang kalte Eimerduschen mit Wasser fragwürdiger Qualität „genossen“ – und das in Hotels, die für den Rest der Bevölkerung um diese Hotels herum absolute Luxusschuppen waren! Warme Duschen gab es seit der Westsahara und bis Angola so wenige, dass wir am Anfang in Angola noch warme Duschen gezählt haben! Aber oooooch, die Gefangenen mussten bis 1973 kalt duschen? Bitte nicht falsch verstehen: der Grund, aus dem die Menschen dort inhaftiert waren, ist inakzeptabel. Die Haftbedingungen auch heute, über 50 Jahre später, immer noch ein luxuriöser Traum der meisten Afrikaner!

Abends, wenn das Licht ausgeschaltet wurde… Moment! Sagte er „Licht“? Natürlich gab es Strom! Allerdings haben heute, ein halbes Jahrhundert später, immer noch rund 600 Millionen Menschen auf diesem Kontinent keinen Zugang zu Strom. Auch wir haben monatelang davon geträumt, um nachts mit wenigstens Ventilator schlafen oder das Handy an der Steckdose statt am Motorrad laden zu können. Wenn es Strom gab, so war es oft Solarstrom und zu schwach, um unsere Laptops zu laden. Wir haben das nötige Kleingeld, um zwei großer Powerbanks zu besitzen, um ein paar Tage ohne Strom reisen zu können, aber ein Großteil der Bevölkerung hat das nicht und lebt in Kerzenschein – wenn das Geld für Kerzen da ist…

Also abends, wenn das Licht ausgeschaltet wurde, musste in Stockbetten geschlafen werden. Aber auch erst seit 1980, denn das Rote Kreuz fand, auf Matten auf dem Boden schlafen zu müssen sei inakzeptabel und schritt ein. Die halbe Welt schläft auf dem Boden und auch wir haben das unzählbare Nächte unseres Lebens getan und werden es weiterhin tun: in Asien, Afrika und Lateinamerika. Nicht auf Matratzen, sondern einfachen Matten. Was für den Rest der Welt Alltag ist, ist natürlich für Gefangene unzumutbar. Vor 46 Jahren. In Afrika. Das einzig Unzumutbare war für uns, dass es sich bei den Gefangenen um Unschuldige handelte. Jan hat such schlau gemacht: 1980 waren die Haftbedingungen in Europa kaum anders: Stockbetten, Strom, warme Dusche. Nur die Arbeitsbedingungen waren anders.

Wir beide waren mental schon ausgestiegen, doch es ging weiter in die Krankenstation, die vor über 50 Jahren schon wesentlich besser ausgerüstet war als jede Krankenstation in den allermeisten afrikanischen Ländern und vielen asiatischen Ländern heutzutage. Wir, die wir im Kongo in einem Leprazentrum ausgeholfen haben, konnten es fast nicht mehr ertragen, auf wie hohem Niveau gejammert und auf die Tränendrüse gedrückt wurde. Nelson Mandelas Zelle war größer als viele unserer Hotelzimmer der vergangenen 30 Monate und es gab sogar in jeder Zelle mindestens ein großes Fenster für viel Tageslicht und Luft. Davon haben wir oft nur träumen können und wir wissen, dass viele Häuser traditioneller Bauweise auf allen Kontinenten wesentlich weniger Tageslicht, wenn überhaupt, ins Innere lassen.

Für uns war der Besuch auf Robben Island wirklich schwierig, aber wir wissen, dass Ihr wie alle anderen Touristen im Bus keine Vorstellung davon habt, wie die Mehrheit der Menschheit lebt und was es bedeutet, abseits der Hauptrouten Afrika und andere Kontinente zu bereisen und deswegen die Haftbedingungen anders bewertet als wir. Das Einzige, was an dem Gefängnis definitiv unzumutbar war ist der Fakt, dass die Gefangenen grundlos festgehalten wurden. Die Zellen, das Essen und die sanitären wie medizinischen Einrichtungen dort waren jedenfalls besser als das, was wir selbst während der Reise an Infrastruktur hatten, weswegen unsere Perspektive eine andere ist. Jan sagte auf der Rückfahrt „von so einem Ferienlager habe ich monatelang geträumt“. Dito.

Während der drei Stunden auf der Insel fiel kein einziges Wort über die Lebensbedingungen der Schwarzen zu Zeiten der Apartheid. Keine Infos zu den brutalen Verfolgungen, politischen Hetzjagden, blutigen und tödlichen Niederschlagungen von Aufständen und dem Kampf für Gleichberechtigung und Freiheit. Drei Stunden lang ging es nur darum, wie ach so furchtbar „menschenverachtend“ die Haftbedingungen gewesen seien. Chance vertan. Ziemlich ernüchtert trafen wir uns zum Abendessen mit Nicole. Wie immer unglaublich gute Qualität der Lebensmittel, wie immer zu einem Preis, zu dem man in Deutschland nicht mal die wesentlich minderwertigeren Zutaten dafür hätte kaufen können.

Am nächsten Morgen liefen wir ins bunteste Viertel Kapstadts: Bo-Kaap. Bo-Kaap wurde ursprünglich von den Holländern für malaiische Sklaven gebaut, bis heute ist es ein stark muslimisches Viertel mit insgesamt 10 Moscheen und sehr bunten Häusern.

Warum die Häuser dort so bunt sind, weiß man nicht genau. Aber sie sind schrillbunt und sehr fotogen. Definitiv herrscht in dem Viertel ein anderer „Vibe“: die Restaurants servieren für Kapstadt „exotisches“ Essen, aus den Geschäften duftet es nach orientalischen Gewürzen, in Nachbarschaftslädchen wie bei „Fatima“ gibt es ganz andere Produkte und leider auch Bettler, denn es gibt dort Touristen, deren Dollar locker sitzen…

Weil gerade zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen lagen, wurde es bald dementsprechend voll und uns ein wenig zu „eng“. Wir kauften etwas zu trinken und saßen auf dem Bordstein: bleiben oder gehen? Unser Blick fiel auf den Tafelberg: die „Tischdecke“, die ihn in den letzten Tagen bedeckt hatte, fehlte. Die Entscheidung fiel leicht: während Jan ein Uber zur Gondel rief, kaufte ich online die Fahrkarten und schon waren wir unterwegs!

Jan war schon auf dem Tafelberg und wusste: man kann hochlaufen, muss man aber nicht, denn die Fahrt mit der Gondel macht richtig Spaß: die Plattform im Inneren der Gondel dreht sich während der Fahrt, sodass man, egal wo man Platz findet, während der Fahrt über 1000 Höhenmeter aus jeder möglichen Position die Aussicht auf Berg, Stadt und Meer genießen kann. Schon die Fahrt ist ein Highlight.

Oben angekommen war der Blick von jeder Ecke aus spektakulär. Wir hatten zwei schöne Stunden Glück und bestes Wetter: Sonnenschein, keine einzige Wolke und sogar kein bisschen Wind. Trotzdem dass der Tafelberg natürlich ein beliebtes Ausflugsziel ist, gab es genug ruhige Ecken für uns. Dort oben wurde uns nochmal richtig bewusst, was hinter uns lag: 30 Monate Afrika. 30 Monate entlang der Westküste Afrikas, durch das Kongobecken, durch anstrengende Länder und Regionen und unvorstellbar schöne Natur. Eine Reise wie keine andere bisher.

40.000km nur entlang der Westküste. 40.000km durch Landschaften von spektakulär bis totlangweilig. 40.000km die teils körperlich fordernd waren und Fahrspaß oder „Arbeit“ bedeuteten. 24 Länder, von denen wir einige sehr gerne wieder und wieder bereisen möchten und andere nie wieder. Wir haben viel gesehen, viel erlebt und viel gelernt. Die 30 Monate haben uns mit so unglaublich viel Lebenserfahrung bereichert, für die wir sehr dankbar sind.

Wir saßen Arm und Arm über Kapstadt und wussten: so authentisch, so rau, so echt und geradezu episch wird es nun kaum noch auf Reisen. Was wir erlebt haben, haben wenige erlebt (erleben wollen) und was in Afrika vor uns liegt, wird erstmal wesentlich einfacherer, touristischer, komfortabler und emotional flacher. Der Tafelberg ist für uns eine Art „Wendepunkt“ der Reise und daher ziemlich sentimental: „Game over“. Als die Wolken aufzogen und der Tafelberg wieder seine „Tischdecke“ überzog, verzogen wir uns wieder in die Stadt.

Jan wollte mir am nächsten Tag das Aquarium zeigen. Kein Vergleich zum Aquarium in Lissabon, aber trotzdem besonders, weil Südafrika besonders ist: hier treffen indischer Ozean und Atlantik aufeinander und der eiskalte Benguelastrom aus der Antarktis fließt vorbei. Das bedeutet, dass entlang Südafrikas Küste von 9°C kaltem Wasser vor Kapstadt bis zu 27°C tropisch warmen Küstengewässern im Osten diverse Ökosysteme vorkommen – mit einzigartiger Tier- und Pflanzenwelt, die im Aquarium toll präsentiert wird.

Wir nahmen uns Zeit für zwei Fütterungen mit ausführlichen Erklärungen und lernten dazu. „Was macht Ihr nur mit all dem Wissen?“ wollte jemand von Euch vor ein paar Jahren mal wissen. Ein bisschen davon erzählen wir Euch hier. Der Rest ergänzt und erweitert unsere Lebenserfahrung und unseren geistigen Horizont, der dadurch wächst und wächst. Und das macht Spaß und ist ein Teil unseres Antriebs unserer weiterhin ungebrochenen Entdeckungslust und Fernweh.

Wir liefen zum „Silo“, einem ehemaligen Getreidesilo, das einst als vor sich hin bröselnder Schandfleck am Hafen stand und nun ein architektonisches Meisterwerk ist. Das Innere des Silos wurde „ausgehöhlt“ und beherbergt nun ein Hotel und ein Museum mit wechselnder Ausstellung zeitgenössischer afrikanischer Kunst.

In jedem der sechs Stockwerke werden die Werke jeweils eines afrikanischen Künstlers gezeigt und alle zeigten Werke mit Bezug zu Politik und Geschichte der letzten Jahre Afrikas. Wir realisierten, dass wir in den 30 Monaten Afrika fast selbst schon zu Afrikanern geworden waren, denn oft erkannten wir schon auf den ersten Blick die Herkunft des Künstlers. Kente Stoff auf Fotos und in Kollagen: die Künstlerin kommt aus Ghana. Indigo Farben: Kunst aus Nigeria. Nicht alles gefiel uns, aber so ist das mit Kunst.

Das Gebäude an sich war ja schon Kunst an sich und einen Besuch wert, die Ausstellung darin nur die Zugabe. Ein tolles Beispiel dafür, wie leerstehende, eigentlich hässliche Industriegebäude in eine Augenweide umfunktioniert werden können und ein einstiges Schmuddelviertel, der Hafen Kapstadts, zu einem attraktiven Stadtviertel umgewandelt werden kann. Die heutige „Waterfront“, an der Touristen wie Einheimische flanieren, shoppen, Kaffee trinken oder Essen genießen war früher eine typische Hafenregion mit Werften, Lagerhallen und Verwaltungsgebäuden, die heute, restauriert und umfunktioniert, zu Markthallen, Cafés, Restaurants, Geschäften und Einkaufszentrum wurde.

Und auch im Wasser des Hafenbecken gibt es etwas zu sehen: die Stadt hat eine Plattform aus Holz installiert, auf der sich Seebären in der Sonne räkeln, die das etwas wärmere Wasser des Hafens genießen und dort fröhlich herumschwimmen ohne sich von den Segelschiffen und Ausflugsbooten stören zu lassen. Uns fallen, insbesondere in NRW, viele, viele Stadtviertel ein, in denen man eine solche Umnutzung machen könnte. Aber Deutschland ist nicht Afrika und so wird es dort schmuddelig bleiben wie das derzeitige Wetter.

Es war unser vorerst letzter Abend in Kapstadt und Mahsas erster: die Gemeinschaft der Langzeitreisenden, insbesondere derer auf Motorrad, ist wie eine Familie, die sich rund um den Globus immer und immer wieder trifft. Mahsa hat wie wir Bulgarien als Wohnsitz gewählt und gerade eine CRF250 in Kapstadt gekauft, um in den nächsten Jahren Afrika auf zwei Rädern zu erkunden. Wir lieben alle drei äthiopisches Essen und so wurde der gemeinsame Abend lang und lecker.

Bis wir am nächsten Tag zum Flughafen mussten, tranken wir mit Robert Kaffee. Ihn hatten wir schon in Botswana getroffen: 70 Jahre alt und mit einer riesigen BMW unterwegs. Den Kopf voll Ideen für neue Abenteuer und einer von vielen motorradreisenden Beweisen, dass man auch im fortgeschrittenen Rentenalter Träume verwirklichen kann. Wenn man will, auch wie Robert mit körperlichen Einschränkungen. Wer sich inspirieren lassen möchte, um seine eigenen Ausreden zu vergessen, folgt Robert auf Facebook oder Instagram

Wir hatten dann noch unnötigen „Spaß“ am Flughafen mit unseren Schwimmwesten und der Lufthansa, aber sind nun zurück in Europa. Wir mussten um diese unwirtliche Jahreszeit zurück, weil unser Aufenthaltstitel in Bulgarien abläuft und zu einem exakten Datum verlängert werden muss – jetzt im Februar. Und dann muss Jan noch für eine längere Prozedur in die Zahnklinik und somit verbinden wir das eine Übel mit dem anderen. Sobald wir Behörden und Ärzte abgearbeitet haben, verlassen wir den zu dieser Jahreszeit unwirtlichen Kontinent auch wieder. Wahrscheinlich Mitte März. Bis dahin sortieren wir Fotos (in Alben auf unserem Facebook Account), erzählen Euch noch ein bisschen und Ihr könnt die letzten Videos entlang der Westküste anschauen. Aktuell: als wir beim großen Service feststellten, dass die Ersatzteile aus Österreich wegen Weihnachten, Silvester, Neujahr und Heilige Drei Könige drei Wochen lang nicht verschickt werden können…

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