In der Todeszone: death acre

Auf den letzten Metern hat Angola richtig Gas gegeben, um uns doch noch zu begeistern. Es war nicht einfach und wegen der knappen 30 Tage Visafrist hätten wir es fast nicht geschafft, dieses Highlight der Reise zu erleben. Ein wirklich atemberaubendes Erlebnis voller einzigartiger Besonderheiten.

In Lubango, wo die Umgebung aussieht wie zuhause in Bulgarien, waren wir zwei Nächte bei Janet zu Gast. Janet ist die Schulfreundin und Uni-Zimmernachbarin von Susan aus Kanada, Jesses Mutter. Jesse ist unser Freund im Kongo, der bei der Leprastation arbeitet und den wir im August länger besucht hatten. Janet und Susan haben sich seit 1979 nicht mehr gesehen und weil wir Susan ja auch nur als Mutter eines Freundes per Telefon kannten, waren wir gespannt, was uns erwartete.

Janet kam mit ihrer Familie 1985 nach Angola und gründete dort in den folgenden Jahren eine besondere Sprachschule für Englisch. Im Gegensatz zu anderen Sprachschulen werden in ihrer Schule Menschen jedes Alters unterrichtet. Die Kleinsten lernen nach Montessori, die älteren Schüler (und davon waren einige in unserem Alter und älter) bekommen mit den Sprachkenntnissen auch Lebensweisheit vermittelt. Das Kursprogramm wurde speziell für Schulen entwickelt, die Englisch in Ländern unterrichten, in denen das Sozialgefüge durch Krieg oder Armut zerrüttet ist und die Kinder und Jugendlichen haltlos sind. Die Lerninhalte sind auf das Alter der Schüler und Sprachniveau angepasst und vermitteln Werte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Stolz, Selbstvertrauen etc. In den höheren Klassen wird es dann philosophischer und es wird auf Englisch über Dinge wie „Was ist Wohlstand?“ diskutiert und wie viel Einfluss Frieden auf alle anderen Werte hat.

Wir durften in drei Klassen mit und erlebten extrem geistig wache junge Menschen, die uns sehr interessante Fragen stellten, die meist ganz anders waren als wir sie sonst gestellt bekommen. Die typisch deutsche Frage nach dem „wie finanziert Ihr das?“ kam den ganzen Nachmittag nur ein einziges Mal. Die Schüler wollten wissen, wie wir andere afrikanische Länder empfunden haben und wie sie im Vergleich zu Angola entwickelt sind. Sie wollten wissen, wie wir Sprachen gelernt haben und lernen und fanden es interessant, dass Jan und ich extrem unterschiedlich lernen – aber beide Methoden zu Ziel führen. Wir haben über „was ist Luxus“ gesprochen und auch von den Schülern gelernt: z.B., dass viele Schüler in den Kriegsjahren oder danach geboren wurden und slavische Namen tragen, weil ihre Eltern entweder in Russland studiert oder mit Russen in Angola zusammengearbeitet haben. Wir haben über Religion und deren Einfluss auf Politik und Gesellschaft gesprochen, über Wertschätzung dessen, was man hat und waren beeindruckt, wie tief da manche Fragen und Gedanken waren. Die Schule, die Janet mit zwei ihrer Kinder leitet, hat ganze Arbeit geleistet und gibt jungen Menschen, die aus durch 27 Jahre Krieg zerrütteten Verhältnissen kommen, nicht nur Bildung, sondern auch eine Perspektive und Lebensweisheit. Wirklich toll!

Nach zwei Tagen, in denen wir wieder viel gelernt haben (auch das war Thema bei den Schülern: Fragen macht schlau – wenn man den richtigen Personen die richtigen Fragen stellt – lebenslanges Lernen), haben wir uns wieder auf die Motorräder geschwungen und uns von 1700m Höhe auf 0m in die Tiefe gestürzt. Mocamedes, eine Stadt an der Küste, hat uns sofort gefallen. Die Stadt hieß einige Jahre „Namibe“ und obwohl das offiziell falsch ist, nennt jeder den Ort heute noch so. Auch wir. Namibe war vom Krieg nicht betroffen und ist noch absolut authentisch portugiesisch erhalten. Die Straßen erinnern an die Kapverden und als ich am nächsten Morgen alleine durch die Stadt lief, wurde mir ganz warm ums Herz. Da war er, der Funke, der bisher von Angola noch nicht übergesprungen war! Namibe hat sich für mich so heimatlich kapverdisch angefühlt, dass ich ganz beseelt wurde.

Es war Jans Geburtstag und ich hatte im Vorfeld eine kleine Geburtstagstorte durch das Hotel organisiert und Jan bekam beim Frühstück ein tolles Ständchen vom Personal und Chef gesungen. Der Kuchen schmeckte sogar und während wir ihn aßen, kam die Nachricht, dass Jans großes Geburtstagsgeschenk an sich selbst nicht erst um 15 Uhr, sondern doch schon um 10 Uhr losging. Stress!

Wir sind auf unseren letzten Tagen des 30-tägigen Visums doch noch zu einem absoluten Highlight gekommen, das nur bei Neumond oder Vollmond möglich ist. Es war Neumond und wir hatten Glück, das noch buchstäblich „übers Knie zu brechen“: das Death Acre, auch „Todesacker“ oder „Todeszone“ genannt. Ein schmaler, lebensgefährlicher Küstenabschnitt Angolas, der nur bei Ebbe passierbar ist und auch dann nur bei bestimmten Wetterbedingungen und richtiger Mondphase.

Der Küstenabschnitt ist bekannt als „Wüste küsst Meer“ oder „Namib küsst Atlantik“, weil dort die hohen Dünen der Namibwüste (ja, die heißt auch in Angola so!) direkt in den Atlantik übergehen. Ohne Strand, sondern vom Wasser direkt steil hoch. Ohne Fluchtmöglichkeit, denn die Dünen sind dort extrem steil, extrem hoch und direkt am Wasser. Der Atlantik wird sehr schnell zur Falle, wenn man das falsche Wetter erwischt, zum falschen Tidenzeitpunkt dort ist, das Fahrzeug zu schwer, zu langsam, der Swell zu stark oder der Sand zu weich ist. Im Internet kursieren Videos von Touristen, die sich vorher nicht informiert und ihre Fahrzeuge verloren haben, weil die Flut kam oder sie zur falschen Mondphase losgefahren sind.

In Namibia gibt es einen ähnlichen Küstenabschnitt, der ist allerdings nur 7km lang. Hier in Angola sind es 60 knifflige Kilometer, auf denen man im schlimmsten Fall im Auto ertrinken kann, wenn man Fehler macht, denn es gibt Abschnitte, wo der Fahrtstreifen selbst bei optimaler Ebbe bei richtiger Mondphase nicht breiter als 5m ist. Unsere Fahrer mussten sich auch mit entgegenkommendem Verkehr abstimmen, um dort, wo es extrem schmal und extrem weich ist, nicht mit Vollgas in den Gegenverkehr zu rasen.

Wir kannten eigentlich nur die Videos, Berichte und Geschichten von Fällen, wo es schief ging, Leute ihre Autos verloren haben oder sich in letzter Sekunde retten konnten, aber positive Geschichten kannten wir nur eine halbe – von einer uns persönlich bekannten Spanierin, deren Allradantrieb während der Fahrt ausfiel und trotz optimaler Vorbereitung doch Drama entstand. Wir hatten die Planung den Profis überlassen und bestiegen einen Toyota Hilux, der hinter einem Toyota Fortuner fuhr, in dem als weiterer Gast eine nette Mosambikanerin mitfuhr.

Als erstes zeigten uns die beiden Fahrer die berühmte Welwitschie Pflanze, die es nur in der Namibwüste gibt. Die ziemlich hässliche Pflanze ist deshalb so berühmt, weil jeder Tourist in Namibia sie fotografiert und weil sie 2000 Jahre alt werden kann. Verrückt, wenn man bedenkt, dass das so alt ist wie unsere Zeitrechnung „nach Christus“ begonnen wurde! Hat man erst einmal einen Blick für die komische Pflanze entwickelt, sieht man sie „überall“ rechts und links der Straße. Nicht wirklich selten in der Namibwüste – bloß wann ist man schon zufällig in der Namibwüste unterwegs?

Unser erstes Ziel waren die „roten Hügel“: Felsformationen aus tiefrotem Sandstein, über Jahrtausende zu markanten Erosionsformen verwittert. Wir fuhren durch einige Canyons dieser roten Felswände, Schlangenlinien um einzeln stehende Felsen und entlang schöner Panoramen.

Ein Felsbogen ist dort das wahrscheinlich berühmteste Fotomotiv und für uns auch die schönste Stelle der doch recht kleinen Region dieser außergewöhnlich farbenfrohen Felsen. Es wird gerade ein Besucherzentrum gebaut, die Schranke steht schon. In Zukunft wird es wohl Geld kosten, diesen Teil der Namibwüste zu sehen.

Wir fuhren zu einem weiteren Felsbogen, zur „Lagoa dos Arcos“. Der Name „Lagoa“ ist derzeit irreführend, denn es gibt seit über zwei Jahren keine Lagune mehr. Der See ist komplett ausgetrocknet und statt Fischen und Flamingos gibt es dort jetzt Kühe und Esel. Das Schild „Baden verboten“ wirkt komisch, mitten in der Wüste, aber in Tourismusbroschüren und online gibt es natürlich tolle Fotos von der Lagune mit dem schönen Doppelbogen aus sehr hellem Gestein.

Auch ohne See ist der Doppelbogen hübsch und wenn der See Wasser hat, dann ist er so tief, dass große Felsen, die jetzt eher als Inselberge scheinen, vollständig von Wasser bedeckt sind, wie uns der lokale Soba (Dorfoberhaupt) erklärte.

Während wir mit dem Soba zu den Felsbögen hin und wieder zurückliefen, bereiteten unsere beiden Fahrer, Vater und Sohn, unser Mittagessen zu. Es gab Mais-Maniokbrei mit Trockenfleisch-Eintopf aus grünen Blättern ohne Palmöl. Das „ohne Palmöl“ ist ein echter Fortschritt gegenüber bisherigen West- und Zentralafrikanischen Ländern. Trotzdem: es wird langsam Zeit, in einer Region mit besserem lokalen Essen zu reisen. Fairerweise muss man aber sagen, dass das Essen in Angola gut ist, wenn man sich auf Fisch und Meerestiere konzentriert. Da ist der portugiesische Einfluss deutlich zu schmecken. Und das ist gut so!

Die Fahrt zum ersten Übernachtungsplatz im Iona Nationalpark war gefühlt etwas lang, aber das lag daran, dass wir an einer Tankstelle volltanken und Luft ablassen und uns im Nationalpark registrieren mussten. Dann ging es auf sandiger Piste in die „pink dunes“, die je nach Licht weinrot bis pink schimmern.

Es war sehr windig und ziemlich kalt, sodass ich in Jans Schlafsack eingewickelt am Esstisch saß und Jans zweiter Geburtstagskuchen des Tages zwar mit Kerzen, aber ohne Kerzenlicht serviert wurde – der Wind war einfach viel zu stark für Kerzen!

Wir bekamen ein Zelt mit super bequemer Doppelmatratze und kuscheliger Decke und Bettwäsche gestellt, sodass wir unseren Plan, nie wieder fremdes Campingmaterial zu nutzen, schnell über Bord warfen. In der Vergangenheit hatten wir nämlich bei organisierten Campingtouren immer Pech.

In Mauretanien flog nachts im Sturm das vom Veranstalter geliehene Zelt einfach davon, sodass wir die Nacht im Toyota Hilux schlafen mussten, auf Socotra waren die gestellten Zelte nur ungefähr 1,80m lang und so voller Löcher, dass die Mücken freien Einflug hatten. In Grönland waren die vom Veranstalter gestellten Jogamatten eine Katastrophe und jedes Mal haben wir uns nach unserem Zelt und unseren Matratzen gesehnt.

Diesmal hatten wir sogar einen Rabatt ausgehandelt, weil wir unbedingt unsere eigene Ausrüstung benutzen wollten, doch als wir sahen, dass diese Info nicht durchgesickert war (der Rabatt aber trotzdem gewährt wurde) und welcher Luxus auf uns wartete, vergaßen wir unser Campingzeug gekonnt im Kofferraum und kuschelten uns ins Luxus-Campingbett.

Am nächsten Morgen ging es früh los. Wer den Death Acre befahren möchte, muss sich penibel an den Gezeitenkalender halten, denn nur, wenn die Ebbe bei Voll- oder Neumond an ihrem allertiefsten Punkt ist, ist die Strecke sicher machbar. Es wehte auch kein Wind, denn bei auflandigem Wind ist es selbst bei Springtide gefährlich. Wir warteten auf einer Düne noch etwa 10 Minuten ab, dann gab der Vater-Fahrer das „go!“ und es ging los: wir fuhren auf den Strand.

Am Strand lagen einigen Robben, die bei Ebbe eigentlich ins Meer zurückhopsen, aber ein paar hatten verschlafen und grunzten uns an, weil wir sie weckten. Wir befuhren den schmalen Sandstreifen zwischen steiler, hoher Dünenwand und Atlantik, die Räder oft im Flutsaum, um auf festem Sand zu fahren. Der Sand des Küstenabschnitts ist extrem weich und sobald wir etwas trockeneren Sand befuhren, um z.B. einer Robbe auszuweichen, musste unser Fahrer hektisch herunterschalten und Gas geben.

Wir fuhren südwärts, sodass Jan und ich direkt am Meer im Auto saßen. Plötzlich tauchten Delfine direkt neben dem Auto auf! Vielleicht 15 Meter neben uns begleiteten sie unsere Fahrt in eleganten Bögen. Eigentlich waren sie zu groß für Delfine und ihr Atmen auch zu laut und voluminös, sodass ich vermute, es waren eher Grindwale, die wie Riesendelfine aussehen und sich auch so bewegen. Unsere Fahrer waren keine Guides, sodass wir nicht wirklich wissen, was für Tiere es waren. Sie nannten sie „golfinhos“, was das portugiesische Wort für Delfin ist, aber mir waren sie definitiv zu groß für Delfine.

Das Wasser schien extrem fischreich zu sein, denn es gab nicht nur Delfine oder Grindwale, sondern auch ganz viele Vögel, die in riesigen Schwärmen entweder neben uns herflogen oder vor uns aufflogen und das Wasser fast zum Kochen brachten, als sie losflogen.

Am Strand lagen viele riesige, glibberige Quallen und leider auch ein großer, toter Wal und einige tote Robben, denen die Möwen schon die Augen ausgepickt hatten. Wir düsten immer entlang der Wasserkante, links von uns nur ein dünner Streifen Tiefsand, der bei Flut auch unter Wasser steht. Rechts von uns der Atlantik, der an dem Morgen nur sanfte Wellen hatte.

Rund 35km düsten wir in der Todeszone gen Süden, dann gab es eine Stelle, in der eine Düne einen flachen Ausläufer hatte und sich eine Parkmöglichkeit für die Autos ergab. Dort wartete bereits ein Boot auf uns, das uns zur Tigerinsel bringen sollte. Die Tigerinsel war bis 1962 keine Insel und erhielt ihren Namen von der „Tigerbucht“, die so heißt, weil die Dünen Schatten werfen die von der Ferne, vom Meer schauend, wie ein riesiger Tiger aussehen.

Die Tigerinsel war bis 1962 eine Landzunge mit vier Ortschaften und insgesamt 1500 Einwohnern, die natürlich mit Straßen miteinander verbunden waren. Es gab zwei Fischfabriken und ein Gefängnis, eine Schule, Kino, Kirche, Friedhof und was jede Stadt so hat: Stadtpark mit Blumenbeeten und Springbrunnen, Flughafen – und Trinkwasserversorgung. Bei einem heftigen Sturm brach jedoch die Landzunge ab und das gesamte Gebiet wurde zu einer Insel, die mit jedem Sturm kleiner wurde und bis heute vom Meer „aufgefressen“ wird.

Mit der Landverbindung brach auch die Trinkwasserversorgung ab und die Meerwasserentsalzungsanlage reichte kaum aus, um die Bewohner zu versorgen. Statt über die „weg geschwommene“ Straße wurde die neue Insel dann mit Schiffen versorgt und die Produktion in den Fisch- und Fischölfabriken ging weiter, jedoch wanderte 1/3 der Bevölkerung ab, bis sie im Zuge der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 die Insel ganz aufgaben.

Seitdem ist die Tigerinsel eine Geisterstadt. Der südwestlichste Ort ist heutzutage komplett unter der Wasseroberfläche, der nordwestliche Ort halb unter Wasser, halb unter den Dünen, von der nördlichen Siedlung schaut nur noch ein Leuchtturm aus den Dünen heraus und nur die „Hauptstadt“ Baia dos Tigres ist bis heute als Geisterstadt erhalten.

Die Häuser sind komplett leer, die Stromleitungen fein säuberlich entfernt, man sieht nur noch gemauerte Elemente in den Häusern, wie zum Beispiel Badewannen, Küchentresen oder Kaminabzüge. In manche Häuser sind schon Dünen hineingewandert, sodass man in sie hineinkommt. In die Häuser, die keine Dünen als Eintrittspforte haben, kommt man nicht hinein, da alle Häuser auf etwa 2m hohen Stelzen stehen und die Eingangstreppen alle zerschlagen wurden.

Die Kirche steht ebenerdig und ein paar Gebäude der Fischfabrik, aber zu sehen gibt es wenig, denn die Räume sind fast steril rein. Nur einen verrosteten Betonmischer haben wir gefunden, alles andere wurde feinsäuberlich ausgeräumt und der Wüste überlassen.

Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel. Als unser Boot uns drei einzigen Menschen auf der Insel abholte, hatte es noch ein anderes Boot im Schlepptau und beide Boote waren voll mit einer großen Gruppe lärmender Portugiesen in Partystimmung und Badeklamotten.

Wir fuhren los und auf den 12km Überfahrt sahen wir die müden Robben vom Strand wie mini-Delfine über die Wellen hopsen, sich im Wasser rollen oder faul auf der Seite schwimmend, die Flossen zu Gruß heben. Dass Robben so hoch springen können, haben wir noch nie gesehen! Sonst sind Robben ja eher gemütlich unterwegs und nicht wirklich sportlich.

Wir wurden mit dem Boot zum Festland gebracht und mit dem Auto in einen Dünenkessel gefahren, in dem ein großes Camp errichtet worden war. Ein Investor hatte ohne Baugenehmigung angefangen, Hütten zu bauen, um eine Lodge zu errichten, musste dann die Idee aber aufgeben, weil im Nationalpark nicht gebaut werden darf. Die Hütten ohne Dach bieten nun Windschutz für Zelte und die fertiggestellte Toilette einen großen Luxus in der Wüste.

Wir waren natürlich nicht alleine im Camp und es war nicht das einzige Camp im 500m Umkreis. Wenn Neu- oder Vollmond ist, fahren viele Touristen in die Todeszone und obwohl wir morgens die ersten Fahrzeuge entlang des Strandes waren und die ersten Besucher auf der Tigerinsel, so waren wir die letzten Ankömmlinge im Camp. Zwei Reisegruppen waren schon da: eine sehr laute spanische Gruppe und eine internationale Gruppe.

Die eine Gruppe fuhr mit einem Landcruiser die ganze Zeit, bis es dunkel wurde, die Dünen ziemlich schnell hoch und runter und die Gäste hingen außen auf den Trittbrettern und schrien laut herum. Partyvolk. Die Mosambikanerin wusste, dass da so ist, denn ihr Freund hatte ihr von seinem Ausflug dasselbe berichtet und unser Fahrer meinte, bei manchen Touren brauche man bis zu diesem zweiten Camp schon einen Laster voll Bier für die Gäste. Wenn Angola schon so ist, wie wird dann erst Namibia?

Abends gab es gegrillte Kudu Steaks, was sich für uns falsch anfühlte: in einem Nationalpark sitzend ein Wildtier essen, was dort, wo wir es aßen, geschützt ist? Wie überall auf der Welt liegen hier Theorie und Praxis weit auseinander. Am nächsten Tag würden wir Fischer sehen, die direkt am Ufer fischen und von denen Augenzeugen berichteten, dass sie Delfine und Schildkröten jagen würden. Unser Fahrer meldete am späten Nachmittag, als wir zurück im Handynetz waren, den Vorfall der Parkverwaltung, aber was wird schon passieren?

Morgens um fünf, als die Sonne schon aufgegangen war, rief uns die Mosambikanerin aus dem Nachbarzelt: „Wenn Ihr Schakale sehen wollt, macht das Zelt auf!“ Und da stand, direkt neben ihrem Zelt, ein wunderschöner Schakal, ein zweiter war in der Düne oberhalb der Zelte. Wir haben in Bulgarien auch Schakale, allerdings größere Goldschakale, die alles andere als hübsch oder niedlich sind. Doch die Schakale hier sind feingliedrig, hübsch und grazil. Und gar nicht so menschenscheu wie die hässliche bulgarische Variante!

Nach dem Frühstück fuhren wir mehr als pünktlich los, denn wir mussten bei Tiefstand der Ebbe an der schmalsten Stelle vorbei und wollten weiter als nur die 35km des Vortages. Das Wasser war noch nicht so weit zurückgegangen wie am Vortag, sodass der Sand teilweise ziemlich schwer war und der Hilux ganz schön kämpfte, um nicht festzustecken.

Wir mussten schnell fahren, um die Autos auf Zug zu halten und weil das bei Gegenverkehr an den schmalen Stellen zu Frontalunfällen führt, hatte sich unser Fahrer mit den Fahrern der drei entgegenkommenden Fahrzeuge im Vorfeld abgesprochen. Die drei Autos aus dem Gegenverkehr warteten auf uns an einer Stelle, die breit genug für zwei Fahrzeuge war und konnten dann weiter fahren, als wir an ihnen vorbei waren.

Am Vortag dachten wir noch, dass das Death Acre mit der richtigen Vorbereitung, dem perfekten Wetter, geringem Swell und bei Springtide relativ easy sei, aber die Möglichkeit von Gegenverkehr hatten wir nicht bedacht – natürlich will jeder bei Neumond zur Springtide dort sein und dementsprechend Verkehr ist natürlich auch! Trotzdem können wir nicht ganz nachvollziehen, warum dort immer wieder Touristen in Notlagen geraten und ihre Fahrzeuge verlieren – insbesondere auch in Namibia, wo der kritische Küstenabschnitt nur lächerliche 7km lang ist. Mit ein bisschen Recherche und Hirn (und Fahrkönnen) kein Hexenwerk…

Wir weckten wieder ein paar Robben, schreckten Vogelschwärme auf, sahen den Wal weiter verwesen und fuhren bis zum Schiffswrack „Vanessa“. Die „Vanessa“ strandete 2006 und versinkt seitdem im Sand. Die Brücke ist auch schon fast ebenerdig in der Düne, nur noch die riesige Trommelwinde am Heck schaute vollständig aus dem Sand heraus.

Warum die Vanessa dort angespült wurde, wusste weder unser Fahrer, noch google noch ChatGPT. Zu anderen Schiffswracks entlang der Westküste Afrikas ist mehr bekannt, aber wer weiß, warum das so ist und was mit Vanessa wirklich war. Heute ist sie eine Touristenattraktion und Overlander warnen sich davor, zu nah zum Schiff zu fahren, um nicht selbst zur Touristenattraktion zu werden. Nun ja. Wie so immer: 80% der Leistung sitzen am Steuer, nicht unter der Haube. Unser malträtierter, voll beladener Hilux mit Dieselmotor konnte bis auf 1m an die Vanessa heranfahren und wir sind auch wieder weggekommen.

Auf dem Rückweg nach Namibe zeigte uns der Fahrer noch eine architektonisch interessante aber aufgegebene Kirche mitten im Nirgendwo, dann kehrten wir noch zu einem herzhaften Mittagessen ein und kamen am frühen Nachmittag zurück ins wunderschöne Städtchen Namibe. Eine Dusche und einen Teller Oktopus später saßen wir unglaublich glücklich auf dem Bett und waren selig, nach so vielen stumpfen Kilometern der letzten fünf Wochen endlich mal wieder etwas Besonderes erlebt zu haben.

Jan sagt, es war sein schönster Geburtstag seit vielen Jahren – obwohl wir die letzten sieben Geburtstage auch unterwegs waren: in Ghana, in Guinea-Bissau, in Marokko, Bulgarien, Kasachstan, Mongolei und Iran. Aber ja: an allen diesen Geburtstagen waren wir in Städten und niemals an einem solch besonderen Ort wie dem Death Acre, dem „Doodsakker“: wörtlich übersetzt „Todesacker“.

Das für uns einzige Highlight Angolas kam genau richtig zum Schluss, damit wir mit Begeisterung aus einem Land ausreisen, was uns ansonsten wenig begeistern konnte. Warum wir das so anders empfinden als die große Mehrheit anderer Reisender, die die Westküste Afrikas südwärts reisen, habe ich im letzten Blogpost schon ausführlich erklärt. Unser nächstes Land ist Namibia. Wir hinken leider unserem eigenen Reiseplan seit Ende August ungefähr drei Wochen hinterher und werden genau zur Hauptsaison in Namibia unterwegs sein: dann, wenn alle Europäer (hauptsächlich die der ehemaligen Kolonialmacht) nach Windhoek fliegen, einen 4×4 mit Dachzelt mieten und alles abfahren. Dann, wenn die Campingplätze alle ausgebucht sind, man für Apfelkuchen Schlange steht und die Preise hoch sind. Jan war schon in Namibia und es liegt de Versuchung nahe, das Land nur zu durchfahren, statt zu bereisen. Doch das sehen wir dann, wenn wir da sind. Erstmal muss ich zum Zahnarzt und wir brauchen dringend neue Reifen, die schon in Windhoek auf uns warten.

Während wir jetzt ziemlich Gas geben und an einem Tag 430km fahren und auch noch das Land wechseln werden, um trotz des Todesackers noch rechtzeitig vor Ablauf der 30 Tage Visum aus Angola auszureisen, könnt Ihr schauen, wie wir unser letztes Highlight hatten: die im Atlantik surfenden Hippos, die man ja nicht Nilpferde nennen kann, wenn sie im Meer schwimmen:

Dieses Blog abonnieren

Zeig ein bisschen ❤️ und spendier uns einen ☕

Spenden mit PayPal

Wenn Dir gefällt, was Du hier liest und Du uns für die schöne Zeit, die Du auf unserer Webseite verbringst, virtuell zum Kaffee oder Bier einladen möchtest, darfst Du das gerne über paypal tun. Spritgeld geht natürlich auch. 🙂

Folge uns auf Facebook

Wenn Du uns aus fremden Taschen unterstützen möchtest, dann mache Deine Einkäufe und Buchungen über diese Buttons oder Affiliate-Links. Danke!

Amazon Booking.com Express VPN

30 Tage gratis

Astrill VPN Curve Nomad Insurance by Safetywing Polo

Beiträge

Kaffee Spenden

Unterstützen ohne Extra-Kosten? Geht!

Danke, dass Ihr nicht nur unsere Inhalte konsumiert, sondern uns auch dabei unterstützt, die Kosten für Website & Co zu decken. Das geht ganz einfach aus fremden Taschen:

Abonniert unseren YouTube channel:
unser YouTube Kanal

Kauft über unseren Amazon Affiliate Link ein: 
Amazon.de

Bucht Reisen und Unterkünfte über unser Booking Affiliate: Booking.com
Lest oder verschenkt unser EISREISE Buch (und hinterlasst eine Bewertung): unser EISREISE Buch
Designt über diesen Link T-Shirts und mehr für Euch oder als Geschenk: https://travelove.myspreadshop.de/

Zückt Euer eigenes Portemonnaie und ladet uns virtuell zum Kaffee ein. Paypal Spende: https://www.paypal.me/travelove4u

Möchtest Du uns regelmäßig auf ein Käffchen einladen, schau mal hier: Steady

Wir gehen mit der Zeit und akzeptieren auch Bitcoins. Unser Wallet: 3PVxaabSZGwfWwzFykxLJqTwV7rYrpqjK8Kopiert!
Kommentieren hilft auch! Deine Gedanken, Fragen oder einfach ein nettes Hallo freuen uns – und andere Leser!

Sag's weiter! Wenn Dir unser Beitrag gefallen hat, schick ihn doch an Freunde, Familie oder Dein zukünftiges Reise-Ich.

Kommentare zeigen / schreiben (0 Kommentare)
L

0 Comments

Submit a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert