
Der Pamir Highway endet oder beginnt in Osch, Kirgistan. Wir waren 2019 schonmal in Kirgistan und hatten für „das nächste Mal“ noch einige Dinge offen. Nun ist „das nächste Mal“ und wir waren völlig geschockt davon, wie sich das Land in nur sieben Jahren verändert hat.
Nach über eine Woche Camping in ständigem, starken Wind und unter Vollmondschein stand uns der Sinn nach einer Nacht ohne Windgeräusche, ohne im Wind schaukelndes Auto und in Dunkelheit. Das Zimmer, das wir in einem Guesthouse bezogen, sah luxuriös aus und als erstes genossen wir die heiße Dusche, bevor wir in einem Café unsere selbst auferlegte „Nudeln mit Sauce Diät“ mit Salat und Kaffee beendeten. Wir hatten uns geschworen, zwischen Duschanbe und Osh nur selbst zu kochen, nur abgepackte Lebensmittel zu verwenden und mit ständiger Handdesinfektion gesund zu bleiben. Im Gegensatz zur Mehrheit der Pamir Highway Reisenden haben wir das auch geschafft. Nachdem wir in Afghanistan so krank waren, haben wir wirklich genug „Magen-Darm“ für die nächsten acht Jahre Reise erlebt…

Später am Abend gönnten wir uns richtig gute Pizza und krochen dann in die luxuriösen Betten – nur um festzustellen, dass die Elektrik der Unterkunft so schlecht installiert war, dass die Deckenlampe die ganze Nacht hell glimmte. Kein Unterschied zu Vollmondnächten in den Bergen also. Wir zogen frühmorgens aus und überbrückten die Wartezeit bis zum Check-In in eine anderen Unterkunft in einem Café. Dort waren wir gefühlt die einzigen Gäste, die nicht in voller Expeditions – Montur und Survival-Ausrüstung auftraten. Es wimmelte nur so von aufgeregten Touristen, die scheinbar alle gerade von einer Mondfahrt zurückgekommen waren oder dahin aufbrachen. Wir fühlten uns fehl am Platz.

In der neuen Unterkunft war die Elektrik in Ordnung, die anderen Gäste aber ebenfalls inmitten einer hoch anspruchsvollen Expedition. Wir kauften eine KFZ-Versicherung im Versicherungsbüro nebenan und trafen drei andere Overlander in entweder respektloser Schmuddelklamotte oder hochpreisiger Outdoor-Mode für den Stadtdschungel. Das Gespräch kam nur schleppend zustande, denn nachdem jeder sein Fahrzeug genannt hatte, waren wir mit Familienkutsche und in sauberen Jeans und T-Shirt wieder die Exoten und verabschiedeten uns von den kühlen (oder coolen?) Abenteurern nachdem wir die Police in der Hand hielten. Irgendwie passten wir nicht dazu und das ließ man uns auch spüren. Wir haben einfach kein 300.000€ teures Expeditionsmobil versichert, wir armen, dummen Reisenden!

Kirgistan 2019 mit unserem damaligen “Blümchenbus”
Wie immer, wenn ein lang ersehntes Reisekapitel beendet ist, breitete sich auch hier in uns eine Art Vakuum aus. Das war letztes Jahr nach der Woche auf dem Schleppverband auf dem Kongo auch so. Dazu kam hier, dass wir Kirgistan zwar als sehr touristisch, aber nicht als total überlaufen im Kopf hatten. Ja, genau in Kirgistan haben wir damals auch die schlechtesten Erfahrungen mit anderen Overlandern gemacht, aber doch gehofft, dass wir damals, als wir mit unserem VW T4 Blümchenbus „gedisst“ wurden, nur Pech hatten.

Damals hatten wir uns geschworen, bei der nächsten Reise nach Kirgistan ein Pferdetrekking zu machen. Doch mit den rasant gestiegenen Touristenzahlen (2025 waren es 45% mehr Touristen und 2026 jetzt schon fast doppelt so viele wie 2025 insgesamt, weil die kirgisischen Airlines jetzt Direktflüge ab/in die EU anbieten dürfen) waren auch die Preise gestiegen. Wir fragten bei zwei verschiedenen Anbietern nach einer dreitägigen Tour und waren geschockt: 900$ für uns beide. Für drei Tage, zwei Nächte camping. Dafür sind wir sonst fast einen ganzen Monat unterwegs und nicht bloß drei Tage! Nein Danke. So nicht. Unser gesamter Plan für Kirgistan löste sich in Luft auf. Wir sind nicht bereit, solche Preise zu zahlen. Nicht, wenn das Preisniveau im Land ansonsten ganz anders ist und man für 12€ eine Übernachtung mit Frühstück bekommt und sich für 3€ den Bauch vollschlagen kann. Unsere Laune sank in den tiefsten Keller, in den unsere Kirgistan-Motivation auch bald einkehrte. Die Motivation, weiter in Kirgistan zu reisen sank so tief, dass wir ins Reisebüro marschierten und nach dem billigsten Flug nach „Irgendwo“ fragten. „Irgendwo“ war in dem Fall Urumtschi in China für 150$. Jan hatte die Kreditkarte schon griffbereit, doch wir beschlossen, erstmal eine Nacht drüber zu schlafen. Das taten wir und entschieden: wir geben Kirgistan eine dritte Chance. Aber nur, weil der günstige Flug bedeutet hätte, eine ganze Woche in Urumtschi zu bleiben und wir uns nicht sicher waren, ob wir diese Woche dort sinnvoll mit Aktivitäten hätten füllen können.

Nach insgesamt fünf Nächten in Osh konnten wir uns motivieren, weiter zu fahren. In den vergangenen sieben Jahren war nicht nur der Tourismus weiterentwickelt, auch die Infrastruktur hatte sich deutlich verbessert und wir glitten auf einer (für uns) neuen Straße durch wirklich schöne Landschaft. Nach 1500km rumpeligen Pisten und Schlaglochstraßen war das eine echte Wohltat: entspanntes Dahinrollen, ohne dass man nonstop die Straße nach dem nächsten Krater-Schlagloch absucht, in dem man einen Kleinwagen versenken könnte. Und im Gegensatz zu den vergangenen 1500km waren wir nicht umringt von Geländewagen voll Touristen auf Expedition. Die fuhren wahrscheinlich die alte Schotterstraße. Wegen der Expedition und dem Abenteuer.

Wir versackten an einem Fluss in einem Fischrestaurant bei Forelle und Salat und zogen im Garten des Restaurants in eine traditionelle kirgisische Jurte ein. Nicht in eine Touristenjurte mit Plastik, sondern eine Jurte aus 100% Naturmaterialien. Wunderschön dekoriert mit Quasten, Trotteln und bunten Filzen. Kein muffeliger Geruch nach Schimmel und Feuchtigkeit, keine im Wind knisternde Plastikfolie, einfach nur dicke Wollfilze und Übertuch aus Baumwollcanvas. Herrlich! Wir kennen aus Turkmenistan und der Mongolei Touristenjurten und waren glücklich, durch Zufall eine echte Jurte gefunden zu haben. Vor dem Einschlafen schauten wir noch Sterne durch die Dachöffnung.

Das Frühstück war mit Nudeln und ungewürztem, fettigem Fleisch eben auch nicht für Touristen. Das ist dann die Kehrseite der Authentizität, aber das ist der Preis, den man in Zentralasien dafür zahlt. Wir fuhren weiter zum Song-Köl See, dem größten Süßwassersee Kirgistans auf 3000m. Auf dem Weg dahin fing es an zu hageln und uns tat die große Fahrrad – Reisegruppe leid, die sich in ihren dünnen Flatterhemdchen durch das eklige Winterwetter auf schlammigen Pisten durch die Berge quälten. Immerhin ohne Gepäck, das reiste im Begleitfahrzeug.

Wir kamen am frühen Nachmittag bei einem kleineren Jurtencamp an. Die meisten Camps am See sind riesig mit über 20 Jurten und dienen den großen Touristengruppen zu Pferd, Fahrrad und per pedes als Unterkunft. So langsam waren wir froh, uns aufgrund des Preises gegen Pferdetrekking entschieden zu haben, denn wir sahen: es waren Massenveranstaltungen mit teilweise rund 20 Pferden im Gänsemarsch entlang des Sees. Das Jurtencamp unserer Wahl hatte nur 5 Jurten für Gäste, aber auch die waren komplett ausgebucht. Hauptsaison eben! Wir durften trotzdem bleiben, in Hans schlafen, Pferde mieten und mit essen.

Wir hatten entschieden, wenigstens zwei Stunden lang auszureiten, denn Pferde gehören ja irgendwie genauso zu Zentralasien wie der ständige Wind und schließlich hatten wir uns sieben Jahre lang vorgenommen, in Kirgistan zu reiten! Wir bekamen jeder ein Pferd, dazu einen Guide und ritten los. Um uns herum braute sich das nächste Unwetter zusammen, aber wir bekamen nur wenige Tropfen ab und hatten den Genuss, auf einen Regenbogen zuzureiten.

Unsere Pferde waren müde, denn die Gruppe, die das Jurtencamp belegt hatte, war schon vier Stunden zuvor ausgeritten. Der Tourismus in Kirgistan bringt denen, die daran beteiligt sind, finanzielle Vorteile, aber uns ist bewusst, dass das nicht für jeden Mensch und jedes Tier so ist. Das ist nicht ganz das, was in unserem Sinne steht und wir haben den Eindruck, dass noch viel Potential nach oben ist – sowohl bei den Touristenzahlen als auch bei den Jurtencamps überall im Land. Der absolute Vorteil der Touristenmassen: man muss nicht mehr wie früher Hammelfleisch mit Nudeln oder Reis essen. Die Betreiber der Jurtencamps (und Homestays) haben gelernt, dass Ausländer kein Fleisch essen (in Zentralasien wird ab einer bestimmten Reisedauer oder Reise-Intensität jeder Tourist spontan zum vorübergehenden Vegetarier) und bieten von sich aus vegetarisches Essen an. In dem Jurtencamp, in dem wir waren, gab es gar nichts anderes.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns vom Jurtencamp und schlugen unser eigenes Camp am See auf. Ein Tag Urlaub am See. Da der See aber auf 3000m liegt, kann man im rund 11°C kalten Wasser natürlich nicht baden und das Wetter wechselte von „winterlich ungemütlich“ (6°C) zu „frühlingshaft“ und in der Sonne im Windschatten von Hans konnten wir auch ein paar Stunden gemütlich lesen oder den Tierherden, die direkt bei uns vorbeizogen zuschauen. Und den großen Touristengruppen auf Pferden, die mal mehr, mal weniger sportlich, am See entlangritten.

Wir kochten frühes Abendessen, weil es um Sonnenuntergang mit Wind und drastisch sinkenden Temperaturen ungemütlich wurde und genossen einen romantischen Abend in unserer 360° Panorama-Wohnung auf Rädern. Herrlich, wenn man im warmen Bett liegen kann und dabei den perfekten Rundumblick auf Berge, See und später Sterne (und Sternschnuppen!) hat. Das kann keine Jurte, kein Expeditionsfahrzeug und kein Zelt. Nach einer kuscheligen Nacht unter der Daunendecke und einem entspannten Frühstück in der Sonne packten wir ein und zogen weiter. Nomaden eben, nur mit Passat statt Pferd.

Wir erlebten die Rückfahrt bei strahlendem Sonnenschein ganz anders als die selbe Strecke im Hagel und machten einen kleinen Umweg zu einer brennenden Wasserquelle. Beziehungsweise: zu einer (leicht salzigen) Wasserquelle, bei der mit kleinen Blubberbläschen auch Erdgas mit austritt, welches man anzünden kann. Das brennt dann so lange, wie der Wind es zulässt. Also nicht lange, sodass wir es mehrmals anzünden konnten und unseren Spaß hatten. Abends erfuhren wir von Freunden daheim: dafür hätten wir nicht so weit fahren müssen, das gibt es gar nicht weit von unserem Zuhause in Bulgarien auch. Da kommt uns immer wieder die Aussage eines bulgarischen Freundes in den Sinn, der uns nach über einem Jahr Weltreise schrieb, dass er sich auf zuhause freue, weil er unterwegs festgestellt habe, dass Bulgarien alles hat und man nicht wegfahren muss.

Nach Pferd und Camping brauchten wir eine Dusche und buchten uns in ein Homestay in Kotschkor ein. Bis es Zeit war, unser Zimmer beziehen zu dürfen, saßen wir ein einem Café und waren mal wieder die Außerirdischen: eine Reisegruppe nach der anderen fiel über die kleine Gaststätte her, ein Trupp Anhalter nach dem anderen stapelte übergroße Reiserucksäcke zwischen den Tischen, Wanderurlauber standen Schlange vor der Toilette und mussten im Gegenzug dazu Kaffee kaufen, es war absolut trubelig, überfüllt und touristisch. Ja, wir waren selbst als Touristen in dieses Café hineingelaufen, aber weil wir schonmal in Kotschkor waren, hatten wir das alles anders erwartet. Nun ja. Sieben Jahre Reise später sind eben auch in Kotschkor 7 Jahre Tourismus später.

Unser Homestay war heimelig wie die meisten Familienhäuser, die in den Sommermonaten zu Unterkünften umfunktionert werden. Die Familie zieht dann ins Gartenhaus, die Garage oder den Alterssitz im Hof, die Gäste bevölkern alle Zimmer im Haus und nutzen das Bad. Muttern kocht Abendessen und Frühstück und weil Ausländer ja bekanntlich nie Fleisch essen gab es morgens und abends eben Gemüsesuppe statt Hammel mit Nudeln. Wir lernten rund um den Esstisch acht weitere Reisende kennen, von denen alle außer uns ein Pferdetrekking bei verschiedenen Veranstaltern gebucht hatten. Beim Frühstück stellte sich heraus: egal, wer wo gebucht hatte, das erste Jurtencamp war immer gleich. Massenveranstaltung. Wir waren letztendlich froh, uns dagegen entschieden zu haben.

Das Wetter war grau und unfreundlich, als wir zum nächsten See, den Yssyk-Köl, aufbrachen. Nach dem Titicacasee in den Anden ist er der zweitgrößte Gebirgssee der Welt und mit bis zu 700m Tiefe einer der tiefsten Seen überhaupt. Das Südufer ist beliebt unter Individualtouristen, die dort in Jurtencamps oder der Natur campen, das Nordufer ist beliebt unter Pauschalurlaubern aus Russland und Kasachstan. Die Wettervorhersage und die Satelittenbilder zeigten uns klar: das Südufer würde in Unwetter versinken, das Nordufer nur nass werden. Wir entschieden uns für „nur nass“ und fuhren ans Nordufer und saßen einen Regenschauer auf dem Parkplatz der Petroglyphen von Cholin-Ata erstmal aus.

Dort gibt es 5000 Felszeichnungen an einem Ort. 5000. Nein, da ist keine Null zu viel: Fünftausend Petroglyphen auf 45 Hektar! Das haben wir auch noch nie in so konzernierter Form gesehen und so haben wir uns trotz Mistwetter begeistert die Felsbilder von Schneeleoparden, Jägern, Bergziegen, Kamelen, Hunden etc. angeschaut und gestaunt, wie detailliert sie sind. Und wie viele! Man kann fast keinen Schritt tun, ohne über die nächste Zeichnung zu stolpern. Buchstäblich, weil die Petroglyphen nicht auf einer Felswand, sondern auf einzelnen Steinen aufgebracht wurden.

Der Rundweg, um die meisten dieser „verzierten Steine“ zu sehen wäre 3km lang gewesen, aber weil das Wetter nicht gerade einladend war, beschränkten wir uns auf den kürzeren Rundweg, auf dem wir auch mehr als genug sahen. Der kräftige Wind hatte die vom Regen nassen Steine auch schnell wieder trocken gepustet, sodass jede einzelne Figur, jedes einzelne Tier, jede einzelne Szene sehr gut zu erkennen war. Auch, wenn wir beide uns nicht immer einig waren, welches Tier dargestellt wurde: Hirsch oder Rentier? Hund oder Schneeleopard? Bergziege oder doch Hirsch? Nur bei den Kamelen war es sehr einfach.

Zwischen den Petroglyphen gab es auch „Steinmännchen“ zu bewundern. Deren Gesichtszüge ordnen ganz klar ihre Entstehungszeit in die der türkischen Zeit, also rund 3000 Jahre später als die Petroglyphen. Manche dieser in Zentralasien typischen, „Balbal“ genannten Statuen sind nichtmal kniehoch, andere lebensgroß oder (in anderen Ländern) noch größer. Aber alle haben sehr charakteristische Gesichtszüge, sofern noch vorhanden.

Wir haben weder vor Ort noch bei späterer Recherche genau herausgefunden, wozu diese Balbale von Cholin-Ata dienten. Mal heißt es, es seien eine Art Gedenksteine für Verstorbene, anderswo liest man, es seien Beschützersteine oder Symbole für das Weiterleben nach dem Tod. Manche dieser „Männchen“ halten Becher in stilisierten Händen, andere Schwerter, andere bestehen nur aus körperlosem Kopf. Warum sie inmitten der viel, viel älteren Petroglyphen stehen, ist auch nicht geklärt. Trotzdem schön, auch wenn auf der anderen Straßenseite gerade ein riesiger Apartmentkomplex hochgezogen wird…

Cholin-Ata ist nämlich einer der traditionsreichen Urlaubsorte für Russen und Kasachen mit Direktflügen aus u.a. Russland und als wir aufgrund des Wetters den Plan von Camping am See gegen „russische Sommerferien“ tauschten und in ein Guesthouse einzogen, fühlten wir uns plötzlich „zuhause in Russland“ und nicht mehr in Kirgistan. Das Zimmer war mit Kiefernholzmöbeln eingerichtet, die Speisekarte „hammelfrei“ und für russische (und somit auch unsere) Geschmäcker abgestimmt, alles war auf Russisch und mit keinen einzigen Wort Kirgisisch beschriftet, alle Gäste außer uns waren Russen und wir fühlten uns sofort sehr wohl. Wir haben noch nicht beschlossen, wie wir nach Almaty mit Hans weiter reisen. Eigentlich, weil wir schon so, so oft in Russland waren, dachten wir an eine andere Route, aber unsere „russischen Sommerferien“ machten uns wieder Lust auf noch mehr Russland. Mal sehen!

Wir besuchten das Tschingis Aitmatow Kulturzentrum „Ruch Ordo“, einen Park, in dem nicht nur der Autor der „schönsten Liebesgeschichte der Welt“, Djamila, thematisiert wird, sondern auch viele andere Figuren und Personen der kirgiesischen (und russischen) Literatur, Mythologie, Fabelwelt, Politik und Gesellschaft. Wir sind durch unsere mittlerweile über vier Jahren Reise in ehemaligen Sowjetstaaten zwar schon ein wenig „sozialisiert“ in diesem Kulturraum, aber erkannten trotzdem natürlich weniger Figuren und Geschichten als die restlichen Besucher, die auch ohne Google und Wikipedia durch den Park und die vielen Skulpturen und Installationen navigierten.

Auch wenn Ihr keine Reise nach Kirgistan plant: lest Djamila – oder schaut Euch die Verfilmung an. Wir haben das bei unserem ersten Besuch in der Region beides gemacht (der Film ist allerdings schwarz-weiß) und sind bis heute beseelt davon. Der Autor der Geschichte, Tschingis Aitmatov, hat auch Bezug zu Deutschland und ist 2008 in Nürnberg gestorben. Als kirgisischer Nationalheld liegt er allerdings bei Bischkek begraben.

Eigentlich sieht man rund um den auf 1600m Höhe gelegenen See die umliegenden, schneebedeckten Berge, aber in unseren insgesamt drei Tagen am See haben wir sie nur ein einziges Mal ganz kurz aus den dunklen Wolken herausblitzen gesehen. Unsere Motivation, den See komplett zu umrunden und mal hier, mal dort am Ufer zu campen, war verflogen. Nicht bei diesem Wetter. Und das sollte die gesamte folgende Woche auch noch so bleiben. Wir machten nette Urlaubsbekanntschaft mit unseren russischen Zimmernachbarn und verbrachten einen langen, netten gemeinsamen Abend in typisch russischer Sommeratmosphäre (wenn es nicht so kalt gewesen wäre…) und das war eigentlich das, was wir bei Abfahrt vom See mehr vermissten: die Atmosphäre, nicht den See an sich.

Weil das Wetter langfristig nicht besser werden soll, entschieden wir, das Kapitel „Natur und Berge Kirgistans“ zu schließen und unsere Pläne ein wenig zu ändern. Kein Pferdetrekking, kein Camping, keine Bergwelt. Das macht bei Regen keinen Sinn und wir möchten uns nicht in all diejenigen Abenteurer einreihen, die sich an diesem oder jenen Bergsee Kirgistans im Matsch festfahren. Mit Expeditionsmobilen, mit denen man überall hinkommt. Angeblich. Nur im Moment halt nichtmal von überall weg. Wir sind schon unterwegs zu neuen Zielen, doch davon mehr nächste Woche!
Im neuesten Video seht Ihr übrigens das Sofa in Taschkent, auf dem wir saßen, als wir vor sechs Jahren Hans gekauft haben. Und diesmal stand Hans vor dem Haus mit dem Sofa, auf dem unsere gemeinsame Zeit damals begonnen hat:











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