
Wir waren ja beide schon öfter in Kasachstan, aber noch nie in Mangystau, denn diese „Ecke“ liegt wirklich ziemlich abgelegen. Es sei denn, man ist wie wir auf dem Weg nach Turkmenistan. Dann kann man quasi nicht anders, als ein paar Tage in die Wüste zu fahren. Und da wir Wüste mögen…

Als wir morgens in Atyrau losfuhren, lagen 870km vor uns. „Mal sehen, wie weit wir kommen“, dachten wir und stellten Hans quasi auf Autopilot: stumpf geradeaus durch die Steppe. 800km lang nur geradeaus, 200km durch Regen. Unterbrochen von einem Ort, in dem wir Kaffee tranken und einer Tankstelle. Hans fährt (unter anderem) auf LPG und ein Liter LPG kostet hier, je nach Tankstelle, zwischen 13 und 15 Cent. Mit einer Tankfüllung kommen wir 420km, bei Rückenwind und 90km/h geradeaus durch Kasachstan noch weiter. So günstig wie wir reist keiner!

Und weil wir keine Lust hatten, noch einen zweiten Tag mit 90km/h durch eine sich nicht verändernde Steppenlandschaft zu fahren, entschieden wir, noch am selben Tag nach Mangystau zu fahren. Man hätte das letzte Drittel der Strecke über eine Piste abkürzen können, aber Sinn macht das keinen: die Truppe russischer Geländewagen, die die „Abkürzung“ nahmen, kamen exakt zeitgleich wie wir an einer Pistenkreuzung in Mangystau wieder raus. Wir fuhren ihnen hinterher und landeten zufällig mitten in einem „Overlander Camp!“
Die Truppe Deutscher, Schweizer und Belgier, die wir in der vorherigen Woche schon unterwegs nach Atyrau getroffen hatten, stand vor einem schönen Panorama im Grün, dazu auch noch ein deutsches Pärchen, das wir schonmal in Georgien getroffen hatten und eine uns bis dahin noch unbekannte deutsche Familie. Wir parkten Hans dazu und verbrachten einen langen, schönen Abend unter Gleichgesinnten!
Auf den romantischen Sonnenuntergang auf der Felskante mit Blick auf den berühmten Sherkala Berg verzichteten wir, denn während wir da so saßen und auf den Sonnenuntergang warteten, blies so ein kalter Wind, dass ich den Rest des Abends in unsere Daunendecke gehüllt draußen saß. Das Kasachstan, in dem es heiß ist, muss für mich noch erfunden werden. Als wir zuletzt hier waren, hatten wir -30°C.

Wir waren zuletzt im Pandemiewinter 2020 in Kasachstan und merken, dass sich das Land verändert hat. Es ist wesentlich kasachischer geworden. Als wir zuletzt hier waren, war Russisch dem Kasachischen eher gleichgestellt. Wir hatten vor sechs Jahren noch das Gefühl, dass man dann, wenn man kein Kasachisch spricht, gleichberechtigt ist. Da wir nur Russisch lesen können, konnten wir uns gut orientieren. Jetzt haben wir das Gefühl, dass Kasachisch dem Russischen den Rang abgelaufen hat. Importprodukte aus Russland werden z.B. so mit Aufklebern in kasachischer Sprache überklebt, dass man als Russischsprachiger nichts mehr lesen kann. Aufsteller mit dem Wochenangebot im Restaurant waren auch nur auf Kasachisch, viele Verkehrsschilder sogar auf Kasachisch in lateinischen Buchstaben, die Russen erstmal nicht lesen können. Man kann die Sprache in beiden Schriften schreiben und für die „turksprachigen“ Laute (wie Ö oder Ü) gibt es dann jeweils für uns unleserliche Sonderbuchstaben. Diese kasachische Dominanz empfinden wir als diskriminierend für ethnische Russen, die seit Jahren in großen Zahlen auswandern. Wir können mittlerweile fühlen, warum und es ist auch ein erklärtes Ziel der Regierung, die kasachische Identität zu stärken. Sehr erfolgreich, finden wir.

Zurück nach Mangystau: der Sherkala Berg war für uns der Einstieg in die Region, die zunehmend touristisch wird. Der Berg ist eine Art Wahrzeichen, weil er (mit viel Phantasie) aussieht wie eine Jurte oder eine (umgedrehte) Teeschale. Beides Symbole für das Nomadentum Kasachstans. Ganz nett, aber warf uns nicht vom Campingstuhl.

Nach einem gemütlichen Frühstück mit all den anderen Reisenden umrundeten wir mit Hans den gesamten Berg. Von der anderen Seite sieht er dann so gar nicht nach Jurte oder Teeschale aus, aber liegt halt schön als eine Art Inselberg in der grünen Steppe, die dieses Jahr ungewöhnlich grün ist. Ihr ahnt es: Regen! Und der kam dann auch, noch während wir um den Berg herumkutschierten.

Wir entschieden, den Regen erstmal zu ignorieren, weil der größte Teil der folgenden Route auf asphaltierten oder geschotterten Straßen war. Von der Landschaft sahen wir auf dem Weg allerdings nichts, denn zum Regen kam auch Nebel. Wir verwarfen unseren Plan, noch eine zweite Nacht „draußen“ zu bleiben, als eine SMS vom Mobilfunkbetreiber kam, in dem vor nächtlichem Unwetter gewarnt wurde. Das Wetter die letzten Monate ist einfach… uns fehlen die Worte.

Doch bevor das Unwetter richtig aufzog, lichtete sich der Himmel nochmal kurz, sodass wir spontan entschieden, doch noch schnell ins „Tal der Kugeln“ zu fahren, in dem wir ursprünglich campen wollten. Und das wurde zu einem richtigen Highlight. Für mich als Dipl. Geo. Jan war nicht ganz so hingerissen von der Kulisse, die sich uns dort bot: eine Landschaft voll riesiger Kugeln aus Stein!

Während ich, mit aufziehenden Regenwolken im Nacken, durch die Landschaft hüpfte, um all die Riesenkugeln zu bewundern, ihre Mineralzusammensetzung, die Zementierung und an den Bruchflächen die konzentrische Anordnung und Oxidation der Mineralien zu studieren, den Erosionsgrad zu vergleichen und Entstehungstheorien zu entwerfen, stand Jan da und machte sich Gedanken wegen des Wetters. Später, als wir wieder Internet hatten, fand ich meine Theorie bestätigt:

Im Jura, also zur Zeit der Dinosaurier, war dort, wo heute Wüste und Steppe ist, ein Meer. Darin wurden diese Steinkugeln geformt. Als Laie kann man sich das ein bisschen vorstellen, wie bei Perlen: nur dass hier kein Muscheltier, sondern die Natur Schicht um Schicht um einen „Kristallisationskern“, ein Stück Muschel, ein Sandkorn etc. aufbaut. Dieser Prozess kommt weltweit vor, aber dass die Kugeln eine solche Größe erreichen, ist recht selten. Die „Torysh“ Kugeln hier in Kasachstan gehören zu den größten der Welt. Schaut, wie winzig Hans und Jan im Vergleich sind!

Statt inmitten der Kugeln zu übernachten, folgten wir mal wieder fröhlich winkenden russischen Offroadern in ihren meist chinesischen Geländewagen. Durch die Sanktionen verlieren „westliche“ Fahrzeughersteller ihren Marktanteil komplett an die Chinesen – mit Ansage. Hier gibt es so viele Autos, die es in Europa nicht gibt und wann immer wir in diesen Autos dank Yandex Taxi Passagier sind oder sie bei artgerechter Haltung treffen: „Billigschrott“ wie uns in Europa erklärt wird, sind sie alle schon lange nicht mehr…

Die Russen fuhren zu einer Felsformation, um mit ihren Geländewagen zu posieren, wir warteten, bis sie fertig waren und winkend weiterfuhren und machten auch ein Foto von unserem Geländewagen vor dem weißen Felsen. Hans schlägt sich gut und bisher sind wir überall hingekommen, wo russische 4×4 – Begeisterte oder andere Overlander auch hinkommen. Und wann immer wir dort mit Hans auftauchen, sagt Jan „Also die tanken nicht für 15 Cent den Liter“ und ich ergänze „und haben auch nicht einen Satz Reifen für 160€ gekauft“.

Die neuen Sommerreifen gefallen uns zwar nicht vom Profil, aber von den inneren Werten: doppelte Stahllage, zweifache Nylon-Polyester Lage auf der Lauffläche und eine zusätzliche Nylonlage in der Flanke. Da müssen wir uns wenig Sorgen um spitze Steine oder scharfe Kanten von Schlaglöchern machen. Hoffentlich behalten wir damit recht!

Und dann kam das Mistwetter. Mal wieder. Wir fuhren in die dickste Nebelsuppe hinein. Die Landschaft verschwand völlig, als wir auf die Autobahn nach Aktau abbogen. Wir hatten eine Ferienwohnung reserviert, weil wir dachten, dann die Zeit des Unwetters wenigstens zum Wäschewaschen nutzen zu können. Das mit der Ferienwohnung klappte alles nicht so, wie bei booking angepriesen und es wurde später als gedacht, bis wir dann Bett, Waschmaschine und Parkplatz für Hans hatten. Der Tag wurde viel zu lang, aber die riesigen Steinkugeln waren es wert!

Am nächsten Tag haben wir uns noch ein bisschen um Hans gekümmert. Ich hatte das „ungewohnte Abrollgeräusch der neuen Reifen“ als „singendes Radlager“ interpretiert und wir wollten den Filter der Gasanlage tauschen lassen. Meine Interpretation des Geräuschs war richtig und wir gingen Radlager kaufen, beziehungsweise: besorgen, denn bezahlen durften wir nicht. Der Verkäufer war so begeistert von uns mit Hans, dass er partout kein Geld haben wollte.

Auch die Leute vom Gasanlagen – Service waren so aus dem Häuschen, dass es für sie auch nicht in Frage kam, für den Filter und das Tauschen des Filters Geld von uns zu verlangen. Während der Filter getauscht wurde, saß ich frierend im Auto, denn es regnete schon wieder und war kalt. Hans bekam noch eine Handwäsche, dann fuhren wir zurück zur Waschmaschine. In Turkmenistan werden wir keine Sekunde Zeit fürs Wäschewaschen haben, sodass alles vorher erledigt sein muss.

Ich hatte noch ein Geräusch an Hans gehört: das Schnarren der Tachowelle. Auch da lag mein Gehör richtig und weil Hans hier nicht zum alten Eisen, sondern noch zum Alltag gehört, war die Tachowelle verfügbar und in 1,5 Stunden eingebaut. In Werkstätten dieser geographischen Region sitzt man übrigens immer – Kunde ist König – auf einem Sofa, oft sogar in einer Art „Kundenwohnzimmer“ mit Fernseher, Zeitschriften, Kaffeemaschine und Kühlschrank. Man braucht auch, wie beim Arzt, keinen Termin. Man fährt zur Werkstatt, sagt, was man will, nimmt auf dem Sofa Platz und wartet komfortabel, bis das Auto fertig ist.

Aktau ist die größte (Erdöl-) Industriehafenstadt Kasachstans und wir wissen, dass die meisten Reisenden nur in die Stadt kommen, um zur Werkstatt oder zum Supermarkt zu gehen. Wir finden aber: man kann die Stadt durchaus genießen! Es gibt eine hübsche Strandpromenade (wobei der Strand eher eine Wiese ist), man kann Bootstouren auf dem Kaspischen Meer machen, nett Kaffeetrinken und richtig gut in diversen Strandrestaurants zu Sonnenuntergang zu Abend essen. Und das genossen wir auch, denn der dritte Abend in Aktau war endlich ohne Regen!

Was man irgendwie nicht so gut kann, ist die Sache mit den Unterkünften. Nachdem wir aus der Ferienwohnung mit frisch gewaschener Wäsche in ein günstigeres Hotel umgezogen waren, ging dort mitten in der Nacht kein Wasser mehr. In Afrika wäre das kein Problem, weil normal: man macht dann die Zimmertür auf und findet einen 20l Putzeimer samt „Pöttchen“ für Eimerdusche und Toilette im Gang. Hier nicht. Man bekommt auf Nachfrage an der Rezeption eine 3l Flasche Mineralwasser, mit der man dann zumindest Katzenwäsche machen kann. Aktau kann also von Afrika noch lernen!

Nach dem (wirklich guten!) Hotelfrühstück düsten wir los in den südlichen Teil Mangystaus, 280km von Aktau entfernt. Die Wettervorhersage sah für die kommende Nacht (und leider nur die!) bestens aus und wir genossen eine perfekte Autobahn gen Süden. Wenn man mit einen PKW reist, sind Distanzen deutlich kürzer, weil man eben in PKW-Tempo fahren kann und nicht wie die zahllosen Overlander in LKW, die wir überholten, mit 60-70km/h die sich nicht ändernde Landschaft entlang kriechen. Und, so wie Jan seit tausenden Kilometern sagt: „Wir tanken für 15 Cent“!

Am Aussichtspunkt der „Tiramisu – Berge“ fiel mir auf, dass es unter Hans tropfte. Mehr als eine Klimaanlage tropft, wenn man parkt. Es war nicht die Klimaanlage, es war ein undichter Schlauch. Den hat Jan zwar schnell identifiziert und mit Klebeband abgedichtet, wir fuhren aber trotzdem nochmal schnell zurück in den letzten Ort, den Schlauch tauschen. Der Verkäufer war von Hans auch begeistert, so begeistert wie es alle Männer sind, die jünger als Hans sind und realisieren, dass wir eben nicht aus dem Dorf nebenan, sondern aus Bulgarien kommen! Weil Hans hier auf dem Land ein übliches Fahrzeug ist, hat das auch schon für sehr lustige Situationen gesorgt: wir sprechen einfach kein Kasachisch und sehen auch ganz anders aus – fahren aber ein Auto, was hier hingehört und kein Tourist fahren würde.

Mit neuem Schlauch fuhren wir wieder zurück zur Wüste – und in sie hinein. Rund 25 wunderschöne Kilometer fuhren wir im weichsten Abendlicht in eine zauberhafte Landschaft aus Felsen hinein. Wir waren das einzige Fahrzeug weit und breit und mir tut es dann immer leid, die Stille mit Hans zu zerstören. Obwohl es gar keine Stille war, denn der Wind blies sehr stürmisch und toste um Hans herum. Ausnahmsweise mal kein Eiswind!

Pünktlich zu Sonnenuntergang kamen wir dort an, wo schon 25 oder mehr andere Autos ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten: weil die windgeschützten Plätze schon alle belegt waren, wir aber im Gegensatz zu all den anderen weder in dem Fall ungeeignetes Dachzelt noch Bodenzelt haben, konnten wir auch mitten im „Windkanal“ parken. Und das taten wir auch, krabbelten nach hinten und lagen uns vor Glück in den Armen: so schön haben wir schon so lange nicht mehr gecampt!

Das Gute an Hans: dadurch, dass er rundum Fenster hat, haben wir, wenn wir im Bett liegen, eine 360° Rundumsicht auf die Landschaft. Und die war spektakulär! Zugegeben: nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt hatten und auch für unsren Geschmack etwas „überbevölkert“, aber Touristenmassen sind in der Regel ja dort, wo es besonders schön ist und wir gehörten hier dazu! Und es war wirklich wunderschön!

Später hörte der Wind komplett auf und wir lagen im Bett und bestaunten durch das Heckfenster den Sternenhimmel über uns. Das ist, was wir lieben: im Bett liegen und Sternschnuppen zählen, Satelliten und Flugzeuge gucken und die ISS suchen. Leider machte irgendwer von den vielen anderen Campern zu laut Musik, was die Atmosphäre ein wenig störte, aber in einer solchen Kulisse einzuschlafen war so oder so toll.

Und das Aufwachen auch: kein Wind, nur ein paar Wölkchen am Himmel, keine Partymusik mehr, nur Vogelgezwitscher. Ja, Vogelgezwitscher. Weil es dieses Jahr so besonders viel regnet (haha), ist es auch besonders grün. Das ist ganz toll für die Natur und das Weidevieh und deswegen sind auch überall Vögel, die manchmal in riesigen Schwärmen vom Boden auffliegen, wo sie fast unsichtbar im Grün sitzen. Die „Kamele“, die wir hier überall sehen, freuen sich auch über das saftige Grün – sind aber übrigens nicht immer welche.

Das ist ein Trampeltier.
Eigentlich gibt es in Kasachstan Trampeltiere. Die mit den zwei Höckern. Die sind ideal, um harte, kalte Winter zu überdauern. Und dann gibt es noch importierte Dromedare (die mit einem Höcker), die zwar nicht ganz so kältefest sind, aber besser laufen und transportieren können. Und dann gibt es noch – und das haben wir auch jetzt erst gelernt – die Nar. Ein Nar ist ein Hybrid aus Trampeltier und Dromedar und in Kasachstan gezielt gezüchtet, weil es die besten Eigenschaften der Elterntiere vereint und darüber hinaus auch noch (wesentlich!) größer ist, mehr Milch und mehr Fleisch gibt. Die eierlegende Wollmilchsau der Kamele.

Anfangs waren wir verwirrt, als wir unser erstes „Nar“ sahen: war das eine Missbildung, weil es so aussieht, als seien beide Höcker zusammengewachsen? War das Kamel „gedopt“, weil es so riesig und kräftig muskulös ist? Als wir immer mehr von diesen „Megakamelen“ sahen, recherchierten wir und lernten über die „Nar“. Die weiblichen Nar sind übrigens fortpflanzungsfähig, die Männchen nicht. Für uns ist nur der Name irritierend, denn „Nar“ bedeutet in sehr vielen uns bekannten Sprachen „Granatapfel“ und nicht „Megakamel“.

Wir verließen als zweites Fahrzeug den „Campingplatz“ und fuhren zurück zur Straße, die extra durch die Wüste gebaut worden war, damit Pilger zur Beket-Ata Felsenmoschee fahren können. Wie in Kappadokien die Kirchen oder in Bulgarien das Kloster Ivanovo, entstand die Moschee eigentlich als Einsiedelei. In dem Fall die eines Sufi Priesters namens Beket Ata. In Mangystau gibt es viele solcher „unterirdischer“ Moscheen, aber diese ist die größte und wichtigste des Landes. So wichtig, dass sie sogar einen Hubschrauber – Landeplatz vor der Tür hat.

Wer nicht gerade mit dem Hubschrauber anreist, muss 200 Höhenmeter Felswand über steile Treppen hinuntersteigen. Eigentlich kein Problem, für meinen kürzlich verstauchten Knöchel leider doch. Aber Pilger kennen keinen Schmerz und wer bei mir Fuß ist, muss was aushalten. Und es hat sich gelohnt: fünf winzige Räume, hellweiß gekalkt und weich mit Filz ausgelegt sind in die Steilwand geschlagen und werden als Moschee genutzt. Wir saßen still auf dem Filz und beobachteten, wie die Leute, meist Familien, als Grüppchen die Räume betraten, zusammen beteten, ein paar Münzen hinlegten und wieder gingen.

Wir machten uns auch an den Aufstieg und dann auf die Weiterfahrt zu den „Tiramisu – Bergen“. Als wir dort ankamen, war viel los. Noch mehr als bei unserem Nachtlager, denn es waren nur 5km Piste zu Felsformationen in rosarot – weiß gestreift mit braunen Kieseln gesprenkelt. Wir fanden da wenig „Tiramisu“ dran, aber vielleicht interpretiert man in Kasachstan italienischen Tiramisu anders, denn wir kennen keine rosarote Zutat in Tiramisu. Für uns war es eher „Erdbeertörtchen“ als Tiramisu. Und viel zu voll, weswegen wir weiterfuhren.

Am Himmel braute sich wieder etwas zusammen, der Wind wurde stürmisch und wir entschieden: genug Mangystau. Und damit auch erstmal: genug Kasachstan. Denn am Montag reisen wir nach Turkmenistan ein und kommen, so der heutige Plan, erst im September wieder nach Kasachstan. Aber dann ganz, ganz weit im Osten des Landes! Wir sind gespannt auf die kommenden 175km zur turkmenischen Grenze. Die Kasachen behaupten „dahin gibt es überhaupt keine Straße“. Andere Reisende sagen „das was es da gibt, kann man nicht wirklich Straße nennen“. Wir wissen: der Hans, der kann’s. Egal was.

Die beiden Vans sind vergleichsweise klein…
In Turkmenistan ist das Internet quasi „noch nicht erfunden“, sodass Ihr erstmal nichts von uns hört, bis wir in Usbekistan sind. Weil es keine Transitvisa mehr gibt, sind wir mit einem Touristenvisum in Turkmenistan unterwegs und das bedeutet: organisierte Tour mit Reiseleitung und straffem Programm. Aus finanziellen Gründen haben wir uns entschieden, das gesamte Land in exakt eine Woche zu quetschen. So schnell sind wir selten unterwegs, aber Turkmenistan ist eh anders, also machen wir auch das anders.
Wir freuen uns sehr auf unser 120. Land, denn es ist ein spezielles Land mit Besonderheiten, die wir Euch dann erzählen, wenn wir wieder Internet haben und in Usbekistan sind. Und es wird viel zu erzählen geben, seid gespannt! Im aktuellen Video könnt Ihr sehen, wie wir fast den Termin unseres russischen Transitvisums verpasst haben, weil in Georgien die einzige Straße zur Grenze, der Kreuzpass, tagelang wegen Schnee und Lawinengefahr gesperrt war. Letztendlich hat alles geklappt und wir haben den Kaukasus so schön überquert wie noch nie. Seht selbst!











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