
Ja, wir waren in Tiflis, Georgien und Georgien ist ein tolles Land und Tiflis eine tolle Stadt. Nur: nichts davon ist neu für uns und das, was neu für uns wäre im Land und was wir gerne nochmal gemacht hätten, geht derzeit wegen Matsch oder Schnee oder Mistwetter nicht. Und dann hat uns noch ein Visum einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Batumi war schön, das Wetter gut und das Gefühl, endlich mal wieder in einem unserer liebsten Länder zu sein hat unsere Stimmung gehoben. Die Wettervorhersage verschob sich sogar von „Regen den ganzen Tag“ zu „Regen ab 17 Uhr“, sodass wir spontan beschlossen, nach Mestia zu fahren. Mestia in Swanetien.

Als wir noch nie in Georgien waren, haben uns zwei Dinge gelockt: das leckere Essen und die Türme von Swanetien. Letztere liegen eigentlich nie auf dem Weg, aber sind uns immer wieder die 500km Umweg wert. Im Sommer kann es rund um Mestia und Ushguli ziemlich „rummelig“ werden, sodass wir lieber zum ersten (Oktober) oder letzten Schnee (jetzt) nach Swanetien fahren. Dann leuchten die Berge sowieso viel schöner weiß, denn was an der Küste der Regen ist, bedeutet in den Bergen Schnee.

Die Straße nach Mestia ist eigentlich asphaltiert, aber während des Winters geht es immer „heiß her“ und diverse Felsstürze reißen die Straße (und Brücken) weg, sodass es derzeit teilweise mehr Baustelle und Piste ist als gemütliche Bergstraße. Aber die Landschaft ist trotzdem wunderschön und war uns die 500km Fahrerei wert, denn die insgesamt rund 3500 Wehr-Wohntürme Swanetiens reizen einen an jeder Ecke und nach jeder Kurve zum Anhalten und Fotografieren. Jedes Mal schön und je mehr Schnee im Hintergrund, desto schöner.

Die Unterkunft in Mestia, in die wir gerne gehen, weil man von dort, hoch oben im Tal, einen so tollen Blick auf all die Türme, Berge und Mestia selbst hat, war leider wegen Renovierung und Neubau vorübergehend geschlossen. Aber genau gegenüber, wo wir von Oma schonmal selbstgebackene Kekse gekauft hatten, war noch frei und Hans schaffte es wie immer mühelos die angeblich nur mit 4×4 bezwingbare, steile mittelalterliche Kopfsteinstraße hinauf.

Wir lieben die Homestays in Georgien und das kleine Zimmer bei Nadia bot vom Bett aus einen perfekten Blick auf 8 Türme. Als es dann pünktlich zur Wettervorhersage passend zu regnen begann, wurden die Türme auch noch mit einem Regenbogen dekoriert und wir saßen auf unseren Betten und freuten uns, die eigentlich unsinnige Fahrt gemacht zu haben. Mal wieder. Das Abendessen in Nadias Wohnzimmer war ein weiteres Highlight: besseres Essen als von Mutters Herd kann man in Georgien nicht bekommen!

Die ganze Nacht über schüttete es auf das Blechdach, aber wir hatten es warm und trocken und genossen ein herrliches Frühstück voll hausgemachter georgischer Spezialitäten. Sogar die von Nadia am Vorabend in der Waschmaschine gewaschene Wäsche war trocken und so war die Fahrt nach Mestia wie immer jeden Kilometer der 500km Umweg wert!

Und dann kam die Langeweile. Es regnete sich ein, die Landschaft verschwand in einem Grauschleier. Unsere Idee, „beim Büffelbaby“ zu logieren, auf der Terrasse zu sitzen und auf die Schneeberge zu gucken verwarfen wir schnell. Die nächste Idee, bei Lika im Weinfass zu schlafen verwarfen wir ebenfalls, weil uns das ungeheizt und im Matsch mit 35€ zu teuer ist und eine Wanderung durch den Martvili Canyon macht bei Regen und Nebel auch keinen Sinn. Und so fuhren wir an all dem vorbei, was wir schon lange mal (wieder) machen wollten, fanden in Kutaisi ein trockenes und warmes Bett, aßen „da wo immer“ zu Abend und konnten, auch wie immer, mit Kutaisi nicht viel anfangen.

Kutaisi bei Nacht
Am nächsten Morgen war Ostersonntag und es schüttete. Ostersonntag nur für uns, weil in Georgien erst jetzt Ostern ist, aber Jan hatte ein Café herausgesucht, das mit gutem Frühstück warb. Als wir um 10 Uhr dort eintrafen, gab es kein Frühstück, der Koch sei noch nicht da, käme aber „vielleicht bald“. So gab es dann für jeden ein Stück Apfelkuchen in einer Bäckerei, bevor wir über die neue Straße nach Tiflis fuhren.

Wir kannten die Straße nur als Dauerbaustelle und waren gespannt, wie sie nun fertig aussieht, aber es war meist neblig und man sah nicht viel. Was uns gefiel: früher kurvte die Straße durch Örtchen und Täler, in denen man Obst, Gemüse, Keramik, Handwerkskunst und Selbstgemachtes entlang der Straße kaufen konnte. All das kann man jetzt in extra dafür gebauten Ständen an Parkplätzen der neuen, autobahnähnlichen Straße kaufen.

Die Fahrtzeit verkürzte sich enorm, sodass wir zu früh in Tiflis waren und erstmal in einer Mall bummeln gingen, bis wir in unser AirBnb einchecken konnten. Wir hatten Bedürfnis nach „Sofa mit Katze“, weil das bei Mistwetter immer das Beste ist und hatten Glück, genau das zu finden! Typisch Tiflis: Hinterhaus in zweiter Reihe über krumme, alte Holzstiegen in den dritten Stock mit typischem, schiefem Holzbalkon, auf dem schon bald eine Katze saß und um Einlass bat. Wir hatten in den Bewertungen gelesen, dass „eine flauschige Katze“ quasi zum Inventar gehöre und so war es auch: sie zog ein (oder war es eher umgekehrt und wir zogen bei ihr ein?) und saßen zu dritt auf dem Sofa.

Wir waren schon sicher über 10x in Tiflis und landeten gleich am ersten Abend in einem der allerersten Hinterhöfe, die wir 2018 bei unserem ersten Besuch von Tiflis entdeckt hatten. Alleine zum Essen lohnt sich eine Reise nach Georgien! Aber Essen ist nicht alles und so führte uns am nächsten Morgen unser erster Weg zum Visacenter für ein russisches Transitvisum. Wir haben lange überlegt, wie wir diesmal nach Kasachstan kommen. Aserbaidschan spielt immer noch „Pandemie“ und hat die Landesgrenzen geschlossen. Angeblich hätten sie am 1.4. geöffnet werden sollen, aber wie jedes Jahr verstrich dieser Termin wie viele andere ohne eine Grenzöffnung.

Um mit der Fähre von Baku über das Kaspische Meer nach Kasachstan zu fahren, müssten wir unser Auto für rund 800€ bis Baku auf einen LKW stellen und selbst nach Baku fliegen. Auf die Fähre hätten wir wirklich Lust und auch Baku wäre mal wieder schön, aber es ist einfach unverhältnismäßig teuer. Die zweite Variante ist ein russisches Transitvisum, um in drei Tagen rund 1200km einmal um das Kaspische Meer nördlich herum zu fahren. Das ist zwar auch nicht billig und viel Fahrerei, aber spart doch ein paar hundert Mark.

Bumble Coffee: frischer Orangesaft mit Espresso
Und genau für dieses Transitvisum hatten wir schon im Februar in Bulgarien die nötigen Papiere (KFZ-Schein und Führerschein) ins Russische übersetzen lassen. Zertifiziert und notariell beglaubigt mit allen Stempeln und pi, pa, po. Sogar die georgische Bankkarte zur Terminvereinbarung bei der Visaagentur haben wir! Wir rechneten damit, am deutschen Ostermontag unsere Papiere im Visacenter abzugeben und Ende der Woche das Visum abholen zu können. Doch Pustekuchen! Vor acht Jahren war Georgien auch unser erstes außereuropäisches Land dieses Reisekapitels, allerdings hatten wir damals beide schon um die 80 Länder Reiseerfahrung. Die meisten Reisenden, die hier in Tiflis aufschlagen und ein Visum brauchen, machen das jedoch zum ersten Mal und sind dementsprechend unvorbereitet. Wahrscheinlich deswegen kennt das Visacenter nur Übersetzungen georgischer Übersetzungsbüros um die Ecke und nicht aus Bulgarien oder anderen Ländern. Fakt war jedenfalls, dass nur Herr Konsul entscheiden könne, ob unsere Papiere richtig übersetzt seien und solange Herr Konsul das nicht entschieden hat, könne das Visacenter auch unseren Antrag nicht annehmen. Der Witz dabei ist ja, dass unsere Fahrzeugpapiere schon im Original in kyrillischer Schrift sind. Aber ein Konsul ist ein Konsul und wie Botschaften so sind, arbeiten die auch nicht so, wie man sich das denken könnte und so erschienen wir drei Tage hintereinander im Visacenter, bis Herr Konsul die Übersetzung als akzeptabel abgenickt hatte. Aber dann ist ja hier Ostern und da arbeitet niemand. Eine Woche Ferien. Alle anderen Reisenden, die wir Tag für Tag beim Visacenter trafen, können die Zeit jetzt nutzen, um ihre Papiere übersetzen zu lassen, Passfotos zu besorgen und alle Unterlagen zusammenzusuchen und das Land zu bereisen. Wir aber haben ja schon seit zuhause alles fertig und jetzt noch zwei unnötige Wichen noch größere Langeweile als vorher.

Mit der Katze auf dem Sofa sitzen ist drei Tage schön, aber keine Perspektive und so fahren wir jetzt übers Wochenende nach Armenien. Da waren wir zwar auch schon mit vier verschiedenen Fahrzeugen und gefühlt 100-mal und das Wetter ist dort nicht wirklich besser, aber wir werden hier und da ein paar Bekannte treffen und mit ihnen ein paar Tassen Kaffee trinken und damit die Zeit totschlagen, bis wir nächsten Mittwoch unseren Visumsantrag dann endlich stellen dürfen – 10 Tage nachdem wir ihn mit allen Unterlagen vollständig schon hätten stellen können, wenn… Aber so sind Botschaften eben. Dann müssen wir nochmal eine Woche warten, bis die Visa ausgestellt sind. Was wir in der Zeit machen, wissen wir auch nicht. Außer: mit Bekannten in Tiflis Kaffee trinken. Und uns ansonsten weiter langweilen wahrscheinlich. Und täglich darauf warten, dass Essenszeit ist und wir endlich wieder Platz im Bauch haben für georgisches Essen. Das ist nämlich eine der besten Küchen der Welt und nach 30 Monaten Westafrika empfinden wir all diese Leckereien noch paradiesischer, als sie sowieso schon sind.

Aber vielleicht ist ja auch irgendwann hier Frühling und kein Regen, Schnee, Nebel oder anderes Matschwetter. Das würde unsere Laune auch immens steigern. Nächste Woche zumindest haben wir nochmal drei Nächte „Sofa mit Katze“ gebucht. Das hebt auch die Laune. Das Mistwetter, das uns seit Einreise in die Türkei so quält ist übrigens eine Großwetterlage und hat in Dagestan dazu geführt, dass ein Damm gebrochen und ganze Landstriche überschwemmt worden sind. Insofern geht es uns mit Katze auf dem Sofa super. Und nächstes Jahr halten wir uns bis Juni einfach von Europa fern. Das haben wir zwar letztes Jahr schon beschlossen, aber es ist nie zu spät, die eigenen guten Vorsätze umzusetzen!
Diese Woche ist das letzte Video unseres Reisekapitels „Afrika Westküste“ online gegangen: wir erkunden Kapstadt und fliegen Ende Februar nach Europa:











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