
Nach einem Pausentag in Jaunde, den wir wirklich gebraucht haben (und an dem es sowieso geregnet hat), sind wir Richtung Republik Kongo aufgebrochen. Die Straßen in Kamerun sind wirklich gut und sobald wir die dicht besiedelte Region rund um die Hauptstadt verlassen hatten, wurde es grün. Richtig satt und wunderschön grün: wir fuhren mitten ins Kongobecken hinein, in den Regenwald.

Von Kmusser – Eigenes Werk, Elevation data from SRTM, drainage basin from GTOPO, all other features from Natural Earth, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75858826
Der Regenwald im Kongobecken ist der zweitgrößte zusammenhängende Regenwald der Welt (nach dem Amazonas-Regenwald) und erstreckt sich über die Länder Kamerun, Republik Kongo, Gabun, Äquatorialguinea, Demokratische Republik Kongo, Angola und Sambia. Und wir sind nun mittendrin. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir noch weiter, noch tiefer eintauchen in die „grüne Lunge Afrikas“, die mehr Co2 speichert als der Amazonas-Regenwald, weil sich hier ein riesiges, tropisches Torfmoor befindet. Hier wird quasi das Weltklima gemacht.

Schwarz wie die Nacht: nach 200km erster Ölwechsel, um die Rückstände des Hitzeschadens etwas herauszuspülen
Unser nächstes Ziel, Ouesso in der Republik Kongo (RoC), lag 1000km entfernt und wir haben die lange Etappe in drei kleinere Häppchen aufgeteilt. Der erste echte Praxistest für den neuen Motor der Honda CRF300L. Nach einem Ölwechsel in Jaunde verließen wir mit etwas mulmigem Gefühl die „Zivilisation“ mit dem Wissen: wenn jetzt was schief geht, geht’s richtig schief, denn unser Plan ist nicht, direkt nach Brazzaville zu fahren, sondern eben tief in den Regenwald einzutauchen.

Am ersten Fahrtag fuhren wir bis zu einem größeren Dorf mit Tankstelle. Die Unterkunft war einfach, aber sauber und hatte sogar manchmal Strom. Nur leider zwar ein Restaurant, aber keinen Koch. Und leider war es schon dunkel, als wir das erfuhren und das Hotel lag außerhalb vom Ort und wir wollten nicht mehr in den Ort zurücklaufen, um dort nach Essen zu suchen. Die Tüte Bananenchips aus dem Gepäck wurde unser Abendessen.

Beim Ausziehen hatte ich bemerkt, dass meine absoluten Lieblingsstiefel, die Alpinestars Tech 8 gebrochen waren. Überraschung! Gebrochen. Ich fahre seit über 20 Jahren Alpinestars Stiefel und habe zuhause Stiefel im Schrank, die wesentlich älter sind als diese – ohne zu brechen. Afrika ist definitiv eine ganz, ganz andere Nummer, was die Haltbarkeit von Materialen angeht: die UV-Strahlung und Temperaturen sind hier einfach extrem, insbesondere hier, rund um den Äquator. Ich habe mit Dichtmasse versucht, zu reparieren – und einen Freund zum Kleiderschrank in Bulgarien geschickt, ein Ersatzpaar zur Post zu bringen. DANKE, Chris!

Am nächsten Morgen gab es natürlich auch kein Frühstück und so klaubten wir zusammen, was es im Lädchen so gab: jeder einen Trinkjoghurt, eine Flasche Wasser und eine Packung Kekse. Mit diesen drei Kalorien im Bauch rollten wir los, die nächsten 300km und den Grenzübergang in die Republik Kongo zu überwinden.

Die Landschaft war einfach mega. Satt grün (okay, es ist Regenzeit, aber es handelt sich um „immergrünen“ Regenwald) und Regenwald, so weit das Auge reicht. Macht man den Motor aus, zwitschert, summt und brummt es um einen herum. Über uns flatterten Nashornvögel und andere, die man sonst nur aus dem Zoo (und von unseren Reisen) kennt. Und manchmal fühlte es sich auch wirklich so an, als würden wir durch eine Zookulisse fahren: zu schön, um wahr zu sein! Seit Guinea war es entlang der Westküste Afrikas nirgendwo landschaftlich so schön wie in Kamerun. Außer auf den Insel Bioko (Äquatorialguinea) und in Sao Tome & Principe, aber das ist ganz spezieller Inselzauber. Schon in Guinea haben wir immer gesagt: „Die Landschaftsarchitekten haben hier ihr Meisterwerk vollbracht“. So auch hier.

Nach über vier Wochen insgesamt in Kamerun (im Frühjahr über drei Wochen und nun 10 Tage) können wir sagen: Kamerun war gut zu uns. Entgegen all der Horrorgeschichten, die uns andere Overlander erzählt und auf Videos gezeigt haben, hatten wir kein einziges Mal ein Problem mit irgendwelchen Polizisten, Beamten oder anderen Kamerunern. Ja, es gibt viele Checkpoints im Land, aber weniger als in Nigeria. Und im Gegensatz zu den Beamten in Nigeria und Guinea, wo es auch viele solcher „Schnürchen“ mit Kontrollposten an den Straßen gibt, haben wir hier ausnahmslos in helle, wache Augen geblickt. Die Polizisten waren immer sehr höflich, korrekt und freundlich, konnten sich immer ausweisen und haben einfach nur ihren Job gemacht. Wir wurden, ganz im Gegensatz zu anderen Ländern, nie nach „Unterstützung“, „Frühstück“ oder „einer Kleinigkeit“ gefragt. Ja, es war manchmal nervig, anzuhalten, Handschuhe auszuziehen und die Papiere herauszufriemeln, aber wenn man genauso höflich und fröhlich bleibt, wie der Beamte selbst, bleibt es auch dabei. Auch im Alltag sind uns die Kameruner immer auf Augenhöhe und ehrlich begegnet. Außer einem Taxifahrer in Douala (und da sind Taxifahrer weltweit gleich), hat niemand auch nur versucht, von uns einen „Preis für Weiße“ zu verlangen. Für uns eine absolut entspannte Zeit und ein Land, über das wir wirklich nichts Negatives sagen können.

Die Grenze war genauso freundlich, wie der Rest des Landes. Die Dame, die die Gelbfieberimpfung kontrollieren sollte stillte nebenbei ihr Kind, wir ergatterten eine Flasche Orangina, um ein bisschen Energie in die Blutbahnen zu bringen und rollten ganz entspannt zur kongolesischen Seite. Dort verlief es genauso lässig und freundlich. Unsere geplante Reiseroute sorgte für Überraschung, aber letztendlich war das ja nur fürs dicke Buch, in das alle Daten per Hand eingetragen werden. Und schon waren wir in der Republik Kongo.

Republik Kongo. Es gibt zwei Kongos. Und den Kongo Fluss. Wir sind in das „kleine Kongo“ eingereist, die Republik Kongo, auch „Kongo Brazza“ genannt und RoC abgekürzt. Die RoC war mal französische Kolonie. Dann gibt es die Demokratische Republik Kongo, auch „DRC“ genannt. Die war mal belgische Kolonie. RoC liegt am nördlichen Ufer des Flusses mit dem Namen Kongo, die DRC erstreckt sich entlang des südlichen Ufers – und bis nach Ostafrika hinein. Genau dort – und auch wirklich nur dort – gab es Anfang des Jahres schlimme Unruhen, weswegen Ihr von einem Land namens Kongo im Fernsehen gehört habt. Wir sind derzeit im „anderen“ Kongo und selbst wenn wir im „großen Kongo“ wären: das Konfliktgebiet ist etwa 2000km Luftlinie von der Hauptstadt Kinshasa entfernt. Zur Einordnung in europäischen Kontext: Von Frankfurt nach Charkiw in der Ukraine ist es exakt gleich so weit.

Das erste Ortsschild in der Republik Kongo war vielversprechend: „J’aime l’amour“: ich liebe die Liebe! Als wir nach rund 300km in einen Örtchen Halt machten, war es erst Nachmittag und wir hätten eigentlich auch noch weitere 300km abreißen können. Aber wir hatten Hunger und von anderen Reisenden gelesen, dass es ein Restaurant im Ort geben sollte. Außerdem mussten wir wie immer in einem neuen Land Simkarten besorgen. Wären wir nur mal besser weitergefahren…

Das mit der Simkarte war kein Problem, doch das mit dem Essen. Das Restaurant hatte zu (wohl, weil gerade im Ort ein Todesfall lautstark zu beklagen war) und die Dame unserer Unterkunft wusste auch keine Alternative. Wir dachten „Plan B: Brot mit Sardinen“, aber auch der Plan scheiterte, denn Brot war im Laden ausverkauft und die Bäckerei, zu der uns ein kleiner Junge führte, hatte zu. Sardinen gab es auch keine und so bestand unser Abendessen aus einer Dose Makrele für mich und ein paar Keksen für Jan. Das Ganze haben wir auf dem Bett sitzend verspeist, umnebelt von Uringestank aus dem Badezimmer ohne Waschbecken, das stank, sobald der Boden von der Eimerwäsche und Eimerklospülung nass war. Nachdem wir um wenigstens frische Kopfkissenbezüge gebeten hatten, schliefen wir erstaunlich gut auf einer dünnen Lage Schaumstoff mit direktem Lattenkontakt unter dreckiger Decke. Letzteres sind wir allerdings schon gewohnt. Nur der Kopf sollte sauber liegen.

Vom Weg abgekommen?
Am nächsten Morgen hatte das Restaurant natürlich immer noch zu und wir tranken jeder 0,5l warme H-Milch, denn Strom gab es nicht. Es war Tag drei unserer unfreiwilligen, aber nicht unbekannten Afrikareise-Diät und wir nahmen die letzten rund 300km bis zum Etappenziel Ouesso in Angriff. Es rollte entspannt, die Straße war in besserem Zustand als so manche deutsche Landstraße und die Landschaft um uns herum blieb spektakulär. Es ging auf und ab, schöne Kurven durch das Immergrün. Von Anhöhen konnte man auf das riesige, grüne Meer des Regenwaldes schauen und überall flatterten wunderschöne Schmetterlinge, die an uns zerschellten.

In Ouesso angekommen, fanden wir eine Unterkunft mit Strom und geöffnetem Restaurant. Das „chicken & rice“ war zwar im Angebt, aber wir konnten sogar Karpfen bestellen – mit Maniok. Obwohl nach drei Tagen Diät wäre auch „chicken & rice“ ein Festmahl gewesen…

Die Honda CRF300L hat nun ihre ersten 1200km seit dem Wiederaufbau des Motors hinter sich und läuft. Fürs Gewissen haben wir nochmal den Fehlerspeicher ausgelesen, der keine Fehler gespeichert hat. So kann es bleiben! Die Motorräder haben jetzt bis Mitte nächster Woche allerdings erstmal Pause. Wir wechseln das Transportmittel und auch das Land und machen uns auf dem Weg zu etwas ganz Besonderem…
Während wir unterwegs sind, könnt Ihr das nächste von Jans Videos schauen: Bahrain! Ein Land nicht größer als Hamburg, in dem wir es geschafft haben, mit dem Mietwagen eine erstaunliche Kilometerleistung zu fahren. Schließlich gibt es in Bahrain 3x mehr UNESCO Weltkulturerbestätten als in Hamburg. Und das Wetter ist auch besser als in Hamburg. Denn Regen kennt man dort eher nicht.











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