
Das Warten hat kein Ende, aber vielleicht doch? Während Ihr diese Zeilen lest, sind wir entweder gerade auf dem Weg zur russisch – georgischen Grenze oder schon in Russland eingereist. Oder: stecken immer noch im Schnee fest und warten. Es ist meine 10. Einreise nach Russland und Jans neuntes Mal. Wir sind in Russland also quasi zuhause und ein wenig traurig, dass wir diesmal nur drei Tage Visum haben.
Dieses Visum hat uns, wie im vorletzten Blogpost schon erklärt, ziemlich viel Zeit gekostet, weil die Dame im Visacenter nicht gerade besonders „pfiffig“ ist und wir ihr zu schnell und gut vorbereitet waren. Aber gut Ding will bekanntlich Weile haben und am Freitag verließen wir mit dem begehrten Visum im Pass endlich Tiflis. Es ist unser erstes Transitvisum für Russland und wir haben neun Tage lang in Tiflis gesessen und Däumchen gedreht.

Nun ja: auch Katze gestreichelt und Katze gefüttert, denn wir hatten ja ein AirBnb mit Katze gemietet. Die Katze half tatsächlich sehr, die Laune aufzubessern, denn das Wetter ist immer noch (seit mittlerweile sechs Wochen!) grau, nass und eiskalt. So nass, dass es nicht nur in Dagestan zu Überflutungen und Dammbruch kam, sondern in Mangystau, Kasachstans Wüste (!) Unwetter mit richtig viel Schlamm gab und wir sehr hoffen, dass es dort bis nächste Woche soweit abgetrocknet ist, dass die Pisten wieder befahrbar sind.

Mein verstauchter Knöchel war allerdings dankbar über das Mistwetter und die Wartezeit, während der ich auf dem Bett und Jan auf dem Sofa saß, die Katze auch und wir beide mit den Laptops auf den Knien, denn das WiFi war nach der Katze das Beste an unserer Unterkunft. Ich bin endlich damit fertig geworden, unsere Reise entlang der Westküste Afrikas auf einer Landkarte einzuzeichnen! Die Route ist anhand der blauen Marker gut nachzuvollziehen. Wenn Ihr die einzelnen blauen Punkte anklickt, öffnet sich ein Fenster mit Fotos, Videos, Links zu Blogbeiträgen oder YouTube, die Euch zeigen, wie es dort, wo der blaue Marker „steckt“ aussieht oder was wir dort erlebt haben. Das funktioniert besonders gut auf einem größeren Bildschirm wie Tabet oder PC.
Ich bin noch nicht fertig mit der Karte, aber wenn sie fertig ist, könnt Ihr dort unsere letzten acht Jahre Reise nachvollziehen. Wo wir vorher schon waren (Ostafrika, Amerikas, Südostasien) werde ich nicht einzeichnen, das ist zu viel des Guten. Einen groben Überblick wo auf der Welt wir schon waren bekommt Ihr ja jedes Mal, wenn wir ein neues Land erreichen – und das wird mit Turkmenistan am 11. Mai wieder passieren: Turkmenistan wird unser beider 120. Land!

Während wir auf das Visum für Russland gewartet haben, ist nämlich auch unser „Visum“ für Turkmenistan eingetrudelt. Zum dritten Mal. Wir hatten 2019 schon zwei Mal ein Visum für Turkmenistan, haben es jedoch nie nutzen können, weil ich jedes Mal kurz vor der Grenze einen Motorschaden hatte. Aber aller guten Dinge sind schließlich drei und so nehmen wir nun einen dritten Anlauf. Mittlerweile gibt es kein Transitvisum für Turkmenistan mehr, sondern nur noch Touristenvisa. Was früher ein schwieriges Visum war ist heutzutage richtig einfach geworden: man stellt einer Agentur alle Daten von sich und dem Fahrzeug zur Verfügung und wartet, bis die Agentur ihren Job gemacht hat. Man muss nicht mehr auf die Botschaft, muss nicht mehr Geldscheine und Hemden bügeln, sondern einfach nur zahlen.

Ja, man braucht für das Touristenvisum eine organisierte Tour und die beinhaltet auch einen Reiseleiter. Ich schreibe bewusst Reiseleiter, weil sich bei China und Turkmenistan hartnäckig das Vorurteil hält, man bekäme einen „Aufpasser und Spion“ ins Auto gesetzt, der einem jegliche Freiheit raube. Da wir zwei Monate mit diversen Guides in China unterwegs waren, können wir mit Sicherheit sagen: nö, is nich! Aber das sehen viele, die es nicht selbst erlebt haben, immer anders. Da ich selbst viele Jahre Reiseleiter war, kann ich den Job solcher Begleiter wertschätzen: als Aufwertung der Reise! Die Woche Turkmenistan wird so oder so anstrengend, weil wir sehr viel in kurzer Zeit unternehmen werden und warum sollte ich dann etwas dagegen haben, wenn jemand anderes für mich ein Restaurant, Unterkunft, Strecke und Ziele heraussucht und vor Ort sogar alles Wissenswerte zum Besten gibt, was man sich sonst mühsam selbst anlesen müsste? Wir sehen die Pflicht zur organisierten Tour nicht so kritisch wie all jene, die das von vornherein als „Spionage“ oder „Aufpasser“ abtun und sich selbst um außergewöhnliche Erlebnisse bringen. Ja, Turkmenistan ist speziell, aber genau das macht es auch so interessant und besonders!

Doch erstmal geht es ja durch Russland und Kasachstan. Wir haben die Einreise nach Turkmenistan auf den 11.5. festgelegt und hoffen, bis dahin noch einiges in Mangystau sehen und erleben zu können, ohne im Matsch stecken zu bleiben. Bis dahin sind es noch ein paar Kilometer und wir hoffen so sehr, dass der „Wetter – Fluch“ endlich vorüber geht und wir endlich campen und draußen sein können! Und: überhaupt weiterreisen können!

Das Skigebiet ist geschlossen, weil es laut Kalender keinen Schnee mehr gibt.
Denn der „Wetter – Fluch“ ist richtig hartnäckig und es ist wie verhext: derzeit ist die Hauptverbindungsstraße von Georgien nach Russland wegen Lawinengefahr gesperrt. Mit „Trick 17“ (kleinste Nebenstraßen) haben wir die erste Polizeisperre nördlich von Tiflis umschifft und sind den ersten Bergpass auf 2200m hoch gedüst. Der zweite Pass, fast 3000m hoch, ist nun richtig gesperrt und es gibt kein Durchkommen. Wir stehen vor einer weißen Wand aus Schnee und wissen nicht, ob wir es bis Sonntag schaffen, zur Grenze zu kommen. Das Skigebiet, in dem wir uns ein Zimmer genommen haben, hat schon längst geschlossen, weil es laut Kalender jetzt Frühling ist und keinen Schnee gibt, aber in Wirklichkeit gibt es so viel Schnee, dass das Rote Kreuz sich um die Autofahrer kümmert, die nicht wie wir in einer Unterkunft sind, sondern darauf hoffen, dass der Pass „demnächst“ geöffnet wird. Wir bewundern die Ausdauer dieser Leute, denn die Straße ist seit Donnerstagnachmittag gesperrt, wundern uns aber gleichzeitig darüber, dass es binnen zwei Tagen irgendwie niemand schafft, die Straße zu räumen oder die Lawinengefahr durch Sprengung zu bannen.

Wie auch immer: wenn wir am Sonntag nicht nach Russland einreisen, dann am Montag. Und wenn nicht am Montag, dann reicht auch der Dienstag, denn wir haben nur 600km und die sind in einem Tag zu schaffen. Bis dahin könnt Ihr ja schauen, wie wir in der Türkei unter anderem durch den „Dark Canyon“ gefahren sind und Hans einen Elektronikwurm ausgetrieben haben:












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